Adva will US-Konkurrenten MRV schlucken - Aktie springt an

(Neu: Details, Analystenstimmen und Aktien-Reaktion) - Der Telekomausrüster Adva Optical will sein Amerika-Geschäft mit dem Kauf des US-Konkurrenten MRV Communications deutlich ausbauen. Das im TecDax notierte Unternehmen bietet 10 Dollar je MRV-Aktie oder insgesamt rund 69 Millionen US-Dollar. Trotz zurückhaltender Analystenstimmen kam die Nachricht an der Börse gut an und verhalf der Aktie zu einem Sprung um über 1 Prozent.
03.07.2017 10:19

Die Offerte werde von der MRV-Unternehmensführung einstimmig unterstützt, teilte Adva am Montag in Martinsried mit. Da sie nur leicht über dem letzten Kurs des MRV-Papiers von 9,85 Dollar liegt, dürfte es spannend werden, wie die Aktionäre zu der Übernahme stehen. Aktuell hat sich Adva über die Zusagen des Grossaktionärs Raging Capital Management sowie einigen Führungsmitgliedern rund 34 Prozent der MRV-Aktien gesichert. Adva will mindestens die Hälfte der Anteile.

Da MRV zuletzt in den roten Zahlen steckte, gab der Kurs des Papiers in den vergangenen beiden Jahren deutlich nach. Im Gesamtjahr 2016 setzte MRV rund 80 Millionen Dollar oder derzeit umgerechnet rund 70 Millionen Euro um. Adva kam im vergangenen Jahr auf einen Erlös von knapp 567 Millionen Euro, wovon fast die Hälfte in Amerika erwirtschaftet wurde. Dank einer anhaltend hohen Nachfrage nach Breitbandinternet war der Konzern zudem mit einem kräftigem Wachstum ins neue Geschäftsjahr gestartet.

Adva will die Übernahme überwiegend durch ein Bankdarlehen finanzieren. Das TecDax-Unternehmen geht davon aus, dass die Transaktion bereits bis spätestens Ende September 2017 unter Dach und Fach ist. Es wäre die zweite grössere Übernahme von Adva innerhalb relativ kurzer Zeit.

Das Unternehmen hatte erst im vergangenen Jahr den US-Anbieter Overture Networks geschluckt. Auch mit dieser Übernahme baute Adva das US-Geschäft aus. Der Kaufpreis betrug 35 Millionen Dollar zuzüglich weiterer 5 Millionen Dollar beim Erreichen bestimmter Erfolgsziele.

Analyst Oliver Pucker von der Investmentbank Oddo Seydler findet den von Adva angebotenen Kaufpreis gerechtfertigt. Mit Blick auf die schwachen Geschäftsergebnisse von MRV aus den letzten Jahren würde er den Deal nicht als Schnäppchen bezeichnen. Da die Transaktion jedoch keine Prämie enthalte, könnte Adva womöglich gezwungen sein, die Offerte zu erhöhen.

"Adva wird noch zeigen müssen, dass sich die Übernahme lohnt", so Pucker. Auch wenn der Telekomausrüster zuletzt ein sehr beeindruckendes Umsatzwachstum verzeichnet habe, sei die Profitabilität doch in der Vergangenheit enttäuschend gewesen. Mit dem MRV-Kauf stehe zu befürchten, dass dieser Trend weiter anhalte. Als positiv wertete der Analyst den Zugang zu neuen Kundenkreisen sowie die Möglichkeit, bei MRV Kosten zu sparen.

Positiv wurde der Kauf auch an an der Börse aufgefasst. Nach dem rund einen Monat andauernden Kursrutsch von knapp 20 Prozent legte das Papier im frühen Handel um 2,65 Prozent zu und zog damit an die TecDax-Spitze. Anfang 2015 waren die Aktien noch für weniger als 3 Euro zu haben. Dann aber nahm die Geschäftsentwicklung Schwung auf, noch im gleichen Jahr erreichte das Papier sein Mehrjahreshoch von knapp über 12 Euro. Das Unternehmen profitierte unter anderem von der Nachfrage nach Rechenzentrums- sowie Übertragungstechnik. Nach wie vor kommt dem Unternehmen das Wachstum bei Breitbandinternet und dem Cloud Computing zugute./zb/kro/nas/stb

(AWP)