Aevis Victoria verdient wegen Steuereffekten weniger - Ärger um Lifewatch

(Zusammenfassung mit Aktienschlusskurs ergänzt) - Die Aevis Victoria-Gruppe hat im Geschäftsjahr 2016 mehr umgesetzt, aber unter dem Strich wegen Steuereffekten weniger verdient. Mit Blick auf die angepeilte Übernahme von Lifewatch zeigt sich das Unternehmen wenig erfreut ob des Wiederstands. Daher lässt man sich nun alle Optionen offen.
27.03.2017 17:57

Der Gesamtumsatz stieg im Berichtsjahr um 2,9% auf 592,6 Mio CHF, teilt die im Healthcare-Bereich und in der Luxushotellerie tätige Gruppe am Montag mit. Er lag damit unter den vom Unternehmen in Aussicht gestellten 600 Mio. Der Nettoumsatz (ohne Arzthonorare) betrug 517,1 Mio.

Das Betriebsergebnis auf Stufe EBITDA stieg um 15% auf 74,6 Mio CHF und die entsprechende Marge auf 14,4% von 12,6%. Bei einer 12-monatigen Konsolidierung der Genfer Privatklinik Générale Beaulieu GBH hätten ein Umsatz von 664,9 Mio CHF und ein EBITDA von 86,7 Mio resultiert, stellt Aevis fest.

Unter dem Strich resultierte jedoch ein 28% tieferer Reingewinn von 2,69 Mio CHF. Den Unterschied machten hier die Steuern: Während Aevis 2015 noch von einer Gutschrift in Höhe von 3,27 Mio CHF profitiert hatte, wurden im Berichtsjahr wieder Abgaben von 1,91 Mio fällig.

Die Aktionäre sollen eine unveränderte Dividende von 0,55 CHF je Aktie erhalten.

HÖHERE MARGE VERSPROCHEN

Für das Geschäftsjahr 2017 stellt das Unternehmen einen Gesamtumsatz von über 700 Mio CHF in Aussicht sowie einen Nettoumsatz von über 600 Mio. Der Gewinn auf Stufe EBITDA solle dabei die Marke von 100 Mio CHF erstmals erreichen.

Dies erklärte Antoine Hubert, der Delegierte des Verwaltungsrates, im Gespräch mit AWP. Im Geschäftsjahr 2018 rechne er mit einer EBITDA-Marge von 20%, so Hubert weiter.

SPANNUNGEN MIT LIFEWATCH

Aevis Victoria zeigt sich ferner befremdet von den Vorgängen bei der Firma Lifewatch, die übernommen werden soll. Lifewatch hatte sich gegen ein Übernahmeangebot von Aevis ausgesprochen und angekündigt, weitere Offerten einzuholen. "Wir werden nicht in einen möglichen Übernahmekampf um Lifewatch eintreten", stellte Hubert klar.

Antoine Hubert und Antoine Kohler ziehen sich daher aus dem Verwaltungsrat von Lifewatch zurück. Die beiden Aevis-Vertreter im Lifewatch-Verwaltungsrat treten bei der nächsten Generalversammlung nicht zur Wiederwahl an. Damit würden sie ihre "Missbilligung" des Vorgehens von Lifewatch zum Ausdruck bringen.

Aevis wird die Entwicklung der Lage bis zum Ablauf des Angebots am 10. April weiterverfolgen, um sich dann danach - "zu gegebener Zeit" - über das Angebot und die bereits bestehende Beteiligung an Lifewatch äussern. Aevis hält gemäss letzter Meldung knapp 12% des Aktienkapitals und der Stimmrechte von Lifewatch.

An der Börse reagierten insbesondere die Lifewatch-Papiere auf die jüngsten Entwicklungen: Sie verbilligten sich um 2,3% auf 13,55 CHF. Aevis offeriert 10 CHF in bar oder 0,1818 eigene Anteile. Bei einem Schlussstand von 59 CHF (+0,9%) je Aevis-Anteil ist diese Variante 10,73 CHF wert.

ra/cf

(AWP)