Aevis will Privatklinik Linde in Biel übernehmen - Linde-VR empfiehlt Annahme

(Meldung ausgebaut) - Die zu Aevis Victoria gehörende Spitalgruppe Swiss Medical Network (SMN) will weiter expandieren und macht den Aktionären der Bieler Privatklinik Linde ein Übernahmeangebot. Dieses ist mit der Bedingung verknüpft, dass Swiss Medical Network mehr als 50% der Aktien erwerben kann.
18.05.2017 10:33

Wie beide Parteien am Donnerstag in einer gemeinsamen Mitteilung schreiben, bietet SMN respektive Aevis Victoria entweder 2500 CHF pro Linde-Aktie in bar oder einen Tausch mit 49,73 Namensaktien von Aevis Victoria pro Linde-Aktie an. Dies entspricht laut aktuellem Aevis-Kurs (-0,1% auf 57,75 CHF) einem Gegenwert von 2'872 CHF.

Das Barangebot entspreche einer Bewertung von Linde von 87,5 Mio CHF, was einer Prämie von rund 35% gegenüber dem letzten Kurs der Linde-Aktie an der OTC-X der BEKB entspreche. Das Tauschangebot bewerte Linde mit 101,2 Mio CHF, entsprechend einer Prämie von rund 56%. An der OTC-X wurden die Papiere von Linde zwar noch nicht gehandelt, der Geld-Kurs zieht aber aktuell um 28% auf 2'300 CHF an.

Der Verwaltungsrat von Linde empfiehlt gemäss Aevis seinen Aktionären die Annahme des Angebots von SMN. Ausserdem habe sich der Linde-VR dazu verpflichtet, SMN im Falle der Erfüllung der Bedingung des Angebots mit der Anzahl Aktien, die im Rahmen des Angebots angedient werden, in das Aktienregister von Linde einzutragen.

Die im Tauschangebot zugeteilten Aevis-Aktien unterliegen einer Sperrfrist bis Ende 2017, so dass sie ab dem 1. Januar 2018 frei verkauft werden können.

FÜHRENDE ROLLE FÜR LINDE

Die Privatklinik könne ihre eigene Strategie mit einem eigenständigen Verwaltungsrat und mit der aktuellen Geschäftsleitung weiterverfolgen. Ziel der Angebotes sei es, die führende Position der Privatklinik Linde in der Region Espace Mittelland durch den Aufbau von standortübergreifenden Kompetenzzentren innerhalb des Swiss Medical-Netzwerkes zu fördern und auszubauen.

Linde, laut Mitteilung das einzige Privatspital im Raum Biel - Seeland - Berner Jura, solle bei SMN die führende Rolle des Regionalnetzwerks Neuenburg, Bern und Solothurn übernehmen. Auch eine Expansion in Richtung Jura sei eine Option.

Die Privatklinik Linde beschäftige über 400 Mitarbeitende, arbeite mit rund 90 Belegärzten zusammen und zähle rund 6'000 Spitalaufenthalte jährlich, heisst es weiter.

AUF WACHSTUMSKURS

Das Swiss Medical Network betreibt, ohne die Klinik Linde, 16 Privatspitäler in der ganzen Schweiz mit 2'950 Mitarbeitenden und 1'780 Belegärzten. Die Privatkliniken-Gruppe ist ganz auf Wachstum eingestellt und hat zuletzt im Oktober die Genfer Privatklinik Générale Beaulieu übernommen. Davor wurde im Frühjahr 2015 die Privatklinik Montbrillant in La Chaux-de-Fonds gekauft.

Ins Stocken geraten sind hingegen die Bemühungen von Aevis, in der Telemedizin-Konsolidierung eine aktive Rolle zu spielen, nachdem Anfang 2016 mit dem Kauf einer 40%-Beteiligung Medgate ein erster Schritt getan wurde. Die angepeilte Akquisition von Lifewatch stiess beim Medizinaltechnik-Unternehmen im März auf Ablehnung. Inzwischen liegt eine (deutlich höhere) Konkurrenzofferte der US-Firma BioTelemetry vor.

cf/ra/tp

(AWP)