Air Berlin-Deal der Lufthansa alarmiert Kartellwächter und Rivalen

Die Aussicht auf eine Übernahme von grossen Teilen der Air Berlin durch Lufthansa weckt Kartellbedenken in den betroffenen Ländern. Die österreichische Wettbewerbsbehörde BWB befürchtet eine dominante Stellung auf vielen Strecken von und nach Wien, weil die Lufthansa auch die österreichische Air Berlin-Tochter Niki kauft.
13.10.2017 14:27

Die Behörde werde ihre Bedenken dazu bei der EU-Kommission anmelden, sagte eine BWB-Sprecherin am Freitag. Auch das deutsche Bundeskartellamt nimmt den Fall unter die Lupe. "Die EU-Kommission wird sich das genau ansehen, und wir werden das dortige Verfahren begleiten", erklärte Behördenchef Andreas Mundt.

Experten gehen davon aus, dass der Lufthansa eine strenge Prüfung bevorsteht. Die EU-Kommission selbst will sich nicht zu dem Thema äussern, da der am Donnerstag bekanntgegebene Deal noch nicht bei ihr angemeldet ist. Die Behörde ist der oberste Kartellwächter der EU.

Kritik am Air Berlin-Kauf kommt auch von Lufthansa-Konkurrenten. Die Muttergesellschaft der Fluglinie British Airways (IAG) sieht Probleme. "Wir haben für Air Berlin geboten, aber unser Eindruck war immer, dass die Lufthansa den Zuschlag bekommen würde", sagte IAG-Chef Willie Walsh am Rande einer Branchenkonferenz in London.

"Wir werden das genau beobachten, weil wir glauben, dass es bedeutende wettbewerbsrechtliche Probleme gibt", fügte er hinzu. Ähnlich hatte sich der irische Billigflieger Ryanair geäussert. Ryanair hatte von einem abgekartetem Spiel zugunsten des deutschen Marktführers gesprochen und deshalb erst gar kein Angebot für Air Berlin abgegeben.

Mit Auflagen zu rechnen

Die Lufthansa will von Air Berlin rund 80 der noch gut 130 Maschinen übernehmen und etwa 210 Millionen Euro zahlen. Insgesamt sollen bei der Kranich-Linie 3000 neue Stellen geschaffen werden.

Die Air-Berlin-Maschinen sollen die Flotte der Billigtochter Eurowings verstärken. Die Lufthansa investiert in den Ausbau 1,5 Milliarden Euro, denn die von Air Berlin bisher nur geleasten Flugzeuge kauft der Dax-Konzern zum Teil. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte im September erklärt, das für Air Berlin abgegebene Gebot sei das maximal mögliche unter kartellrechtlichen Gesichtspunkten.

In Unternehmenskreisen hiess es daher: "Wir glauben, wir haben gute Aussichten auf eine Genehmigung, aber es sind einzelne Auflagen zu erwarten." So musste die Lufthansa in der Vergangenheit bei der Übernahme von Swiss oder Austrian Airlines schon Verkehrsrechte für einzelne Strecken abgeben.

Entscheid könnte sich hinziehen

Nach Einschätzung der Lufthansa wird die Fusionskontrolle nicht nur den deutschen, sondern den europäischen Markt betrachten. Hier liegt der deutsche Branchenprimus nach eigenen Angaben mit einem Anteil an den beförderten Passagieren von neun Prozent hinter dem Billigflieger Ryanair mit 13 Prozent.

Air Berlin und die Lufthansa setzen darauf, dass die EU-Kommission bis Ende des Jahres grünes Licht gibt. Nach diesem Szenario gäbe es eine vertiefte Prüfung des Verkaufs, bei der aber nicht alle Fristen ausgeschöpft würden. Die EU-Behörde könnte sich gut ein halbes Jahr Zeit nehmen für eine Entscheidung.

(AWP)