Air-Berlin-Jets starten für Lufthansa-Konzern - Kooperation mit Etihad

FRANKFURT/BERLIN/ABU DHABI (awp international) - Die Fluggesellschaften Lufthansa, Air Berlin und Etihad machen mit ihrer Zusammenarbeit Ernst. Ab kommendem Jahr sollen 38 Airbus-Mittelstreckenjets von Air Berlin samt Besatzung für die Lufthansa-Töchter Eurowings und Austrian Airlines abheben. Zudem wollen Lufthansa und Air Berlins arabische Grossaktionärin Etihad eigene Flüge unter der Flugnummer ihrer Partnerin vermarkten, wie sie am Freitag mitteilten. Für die ums Überleben kämpfende Air Berlin ist der Deal Teil ihres Rettungsplans, die Lufthansa will damit vor allem ihre Billigmarke Eurowings ausbauen.
16.12.2016 13:18

An der Börse wurden die Neuigkeiten mit Begeisterung aufgenommen. Der Kurs der Lufthansa-Aktie sprang nach den Nachrichten von der Verlust- in die Gewinnzone und lag am frühen Nachmittag mit 0,99 Prozent im Plus bei 12,81 Euro.

AIR-BERLIN-JETS BEKOMMEN EUROWINGS-OUTFIT

Der Deal zwischen Lufthansa und Air Berlin umfasst 38 Flugzeuge der Air Berlin samt Piloten und Flugbegleitern. Bei Bekanntgabe der Pläne Ende September war noch von bis zu 40 Maschinen die Rede gewesen, die Air Berlin an die Lufthansa vermieten will. 33 Jets der Airbus-Typen A319 und A320 sollen ab Februar nach und nach für die Lufthansa-Tochter Eurowings an den Start gehen. Die übrigen fünf Maschinen will Lufthansa bei ihrer österreichischen Tochter Austrian Airlines einsetzen. Angelegt ist der Deal auf sechs Jahre. Die Kartellbehörden müssen dem Vorhaben aber noch zustimmen.

Eurowings kündigte an, die Air-Berlin-Jets so schnell wie möglich umzulackieren. Auch von innen sollen sie bald wie Eurowings-Maschinen aussehen. Die Lufthansa-Tochter, die bisher über 93 Flugzeuge verfügt, soll durch den Deal zwar wachsen, allerdings nicht so stark, wie zunächst angenommen. Das Unternehmen will bis zu 20 seiner älteren Airbus-Jets aus der Flotte nehmen, um das Überangebot auf dem deutschen Luftfahrt-Markt zu verkleinern. Andererseits sollen mit der am Donnerstag bekanntgegebenen Integration der belgischen Brussels Airlines ab 2017 weitere 51 Flugzeuge hinzukommen. Unter anderem will Eurowings in München eine neue Basis mit vier Flugzeugen aufbauen.

BERLINER SCHRUMPFEN UM DIE HÄLFTE

Air Berlin schrumpft im Zuge ihrer Aufspaltung praktisch um die Hälfte auf etwa 75 Flugzeuge. Neben der Mietvereinbarung mit der Lufthansa will sich Deutschlands zweitgrösste Fluglinie von ihrem Touristik-Geschäft samt der österreichischen Tochter Niki trennen. Niki soll zusammen mit der Fluglinie Tuifly des weltgrössten Reisekonzerns Tui einen gemeinsamen Ferienflieger bilden. Dazu will Etihad den Berlinern deren Niki-Beteiligung für 300 Millionen Euro abkaufen. Das ist etwa viereinhalb Mal so viel, wie Air Berlin an der Börse wert ist.

Air Berlin ist mit mehr als einer Milliarde Euro verschuldet und fliegt seit Jahren hohe Verluste ein. Die Gesellschaft hält sich nur noch dank mehrerer Finanzspritzen von Etihad in der Luft. Den Arabern dient die Fluglinie als Zubringer für ihr Drehkreuz in Abu Dhabi am Persischen Golf. Allerdings gelang es Etihad und mehreren Air-Berlin-Chefs nicht, die deutsche Fluglinie in die Gewinnzone zu hieven. Statt dessen vergrösserten sich die Verluste zuletzt von Jahr zu Jahr.

ETIHAD SCHLIESST BANDE MIT LUFTHANSA

Unterstützung für ihr eigenes Geschäft verspricht sich Etihad jetzt von einer neuen Kooperation mit der Lufthansa. Ab Januar wollen die Araber eigene Flüge zwischen Abu Dhabi und Frankfurt sowie München auch unter einer Flugnummer der Lufthansa anbieten. Umgekehrt bekommen Lufthansa-Flüge zwischen Frankfurt und Rio de Janeiro (Brasilien) sowie Frankfurt und Bogota (Kolumbien) eine Etihad-Flugnummer. Durch dieses sogenannte Codesharing können die Araber ihren Kunden etwa ein Ticket für einen Weiterflug mit der Lufthansa verkaufen - oder umgekehrt. Damit erweitern praktisch beide Seiten ihr Streckenangebot.

"Wir können uns vorstellen, unsere Zusammenarbeit in der Zukunft auf andere Bereiche auszuweiten", sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Etihad-Chef James Hogan betonte, dass er Deutschland als "strategisch wichtigen Schlüsselmarkt" sehe. Darauf hatte er bereits bei der Zusammenarbeit mit Air Berlin gezielt und unterhält mit der Fluglinie ebenfalls Codeshare-Vereinbarungen./stw/jkr/fbr

(AWP)