Air Berlin trifft bei Anleihegläubigern mit Umtauschangebot auf wenig Gegenliebe

Die hochverschuldete Fluggesellschaft Air Berlin ist bei Anleihegläubigern mit ihrem Versuch, sich finanziell Luft zu verschaffen, nur auf geringe Resonanz gestossen. Von 140 Millionen Euro Anlagekapital seien 41,3 Millionen Euro zum Umtausch angeboten worden, teilte Air Berlin am späten Freitagabend mit. Mit 40 Millionen Euro entfällt zudem der grösste Teil auf den Grossaktionär Etihad.
17.02.2017 22:48

Air Berlin wollte Inhaber einer bis 2019 laufenden Wandelanleihe dazu bringen, ihre Papiere gegen neue mit einer höheren Verzinsung zu tauschen. Statt bisher 6 Prozent bot das Unternehmen nun 8,5 Prozent. Der Vorteil für Air Berlin: Während die Anleger ihr Geld bei den alten Wandelanleihen bis 6. März 2017 zurückverlangen können, dürften sie sich bei der neuen Anleihe damit bis zum Jahresende Zeit lassen.

Wie zuvor grundsätzlich angekündigt, will Air Berlin zudem bei Anlegern 83,7 Millionen Euro durch eine neue Wandelschuldverschreibung einsammeln. Auch hier unterstützt der Grossaktionär und zwar mit einem Finanzinstrument.

Hintergrund der gesamten Aktion ist die geplante Zerschlagung von Air Berlin. Die Gesellschaft hat gerade 38 Mittelstreckenjets samt Personal an den Lufthansa-Konzern vermietet, der sie vor allem bei seiner Billigmarke Eurowings einsetzt. Ein zweiter Deal liegt noch auf Eis: So will Air Berlin das Touristikgeschäft auf Basis ihrer österreichischen Tochter Niki in ein Bündnis mit dem deutschen Ferienflieger Tuifly und Etihad einbringen. Derzeit laufen noch Gespräche mit der EU-Kommission. In der Branche wird erwartet, dass das neue Bündnis entgegen früheren Erwartungen nicht vor dem Herbst starten kann.

Air Berlin fliegt seit Jahren Verluste ein und war zuletzt mit mehr als einer Milliarde Euro verschuldet. Finanzspritzen der arabischen Grossaktionärin Etihad hielten Air Berlin dennoch in der Luft. Anfang Februar löste der bisherige Lufthansa-Manager und früherer Germanwings-Chef Thomas Winkelmann den vorigen Air-Berlin-Chef Stefan Pichler an der Unternehmensspitze ab. Mit verbleibenden 75 Flugzeugen will sich Air Berlin künftig auf die Drehkreuze Berlin und Düsseldorf konzentrieren und das Langstreckengeschäft ausbauen./he/stw/he

(AWP)