Airbus muss sich nach Gewinneinbruch im Sommer sputen

(Ausführliche Fassung)
26.10.2016 09:51

TOULOUSE (awp international) - Anlaufprobleme bei neuen Flugzeugtypen haben dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus im Sommer einen herben Gewinneinbruch eingebrockt. Kurz vor Jahresende versucht der Konzern noch einmal aufzudrehen: Statt gut 650 Verkehrsflugzeugen, wie bisher geplant, sollen in diesem Jahr jetzt mehr als 670 neue Jets die Werkshallen verlassen, wie Finanzvorstand Harald Wilhelm am Mittwoch ankündigte. Probleme mit Zulieferern für den neuen Grossraumjet A350 und die Verhandlungen um den Pannen-Militärflieger A400M halten den Konzern aber weiter in Atem.

An der Börse wurden die Nachrichten mit Kursverlusten quittiert. Zum Handelsstart in Paris verlor die Airbus-Aktie 0,56 Prozent an Wert und lag damit im Mittelfeld des französischen Leitindex CAC 40.

Im dritten Quartal erzielte der Airbus-Konzern mit knapp 14 Milliarden Euro ein Prozent weniger Umsatz als ein Jahr zuvor. Der um Einmaleffekte bereinigte operative Gewinn (Ebit) sackte wegen hoher Anlaufkosten und vergleichsweise niedrigen Verkaufspreisen für die ausgelieferten Jets um 21 Prozent auf 731 Millionen Euro zusammen. Neben der Verkehrsflugzeugsparte warfen auch das Rüstungs- und Raumfahrt-Geschäft sowie die Hubschraubertochter deutlich weniger ab als ein Jahr zuvor. Der Konzernüberschuss brach sogar um 87 Prozent auf nur noch 50 Millionen Euro ein. Letzteres erklärte Wilhelm mit einer deutlich gestiegenen Steuerquote.

Konzernchef Tom Enders machte von seinen Zielen für 2016 dennoch keine Abstriche. "In den verbleibenden Monaten bis zum Jahresende konzentrieren wir uns voll und ganz auf die Auslieferungen, um unsere Gewinn- und Liquiditätsprognosen zu erfüllen." So soll der um Einmaleffekte bereinigte operative Gewinn genauso hoch ausfallen wie im Vorjahr - wenn man Übernahmen und den Verkauf von Konzernteilen herausrechnet. Faktisch dürfte er damit von 4,1 auf 3,9 Milliarden Euro zurückgehen.

Einmaleffekte gibt es bei Airbus in diesem Jahr zuhauf. Wegen der Verspätungen bei der A350 und schwerwiegenden Problemen mit den Turboprop-Triebwerken des Militärtransporters A400M hatte der Konzern zur Jahresmitte 1,4 Milliarden Euro zur Seite gelegt. Abgefedert wurden die Belastungen durch Sondergewinne aus dem Verkauf verbliebener Anteile an dem Flugzeugbauer Dassault und der Gründung eines Raumfahrt-Gemeinschaftsunternehmens mit dem Partner Safran.

Beim jüngsten Grossraumjet-Typ A350 machen Airbus weiterhin Probleme in der Lieferkette zu schaffen. Es gebe einige Verbesserungen, aber noch sei nicht alles gelöst, sagte Wilhelm. Dennoch hält der Vorstand an seinem Ziel fest, in diesem Jahr 50 Maschinen des Typs auszuliefern. Stand heute seien es 29 Stück. Bei dem Streit mit Zulieferern geht es um Verspätungen und Mängel bei der Innenausstattung wie Sitzen und Toiletten. Ende Mai hatte Brégier von Toilettenkabinen mit kaum schliessenden Türen und anderen Fehlern an zugelieferten Teilen berichtet. Schon 2015 hatte Airbus weniger A350-Jets ausgeliefert, weil ein Zulieferer nicht genügend Sitze lieferte.

Zudem muss Airbus wegen Modellumstellungen bei den Mittel- und Langstreckenjets A320 und A330 kürzer treten. In der Übergangszeit musste das Unternehmen niedrigere Preise für die Flieger akzeptieren. Bei der im Januar erstmals ausgelieferten Neuauflage A320neo verzögerten Hitzeprobleme mit den neuartigen, sparsameren Triebwerken den Grossteil der Auslieferungen aufs zweite Halbjahr. Dennoch habe es kaum Stornierungen oder Verschiebungen von Aufträgen gegeben, sagte Wilhelm. Inzwischen sollen die Probleme an den Antrieben gelöst sein. Der modernisierte Langstreckenjet A330neo, der wie die A320neo mit einem verringerten Spritverbrauch punkten soll, ist für 2017 geplant.

Unterdessen verhandelt Airbus beim Militärtransporter A400M weiterhin mit den Käuferstaaten und der europäischen Beschaffungsbehörde Occar über einen neuen Auslieferungsplan für den Problemflieger. Derzeit lasse sich "nicht belastbar einschätzen, wie das Ergebnis dieser Verhandlungen ausfallen wird", hiess es beim Konzern.

Offen ist auch, wann Airbus seinen Kunden wieder Finanzierungshilfen über die relevanten staatlichen Exportkredit-Agenturen anbieten kann. Das Unternehmen hatte sich wegen Unregelmässigkeiten selbst angezeigt. Seit August ermittelt die britische Anti-Korruptionsbehörde SFO gegen das Unternehmen. Schon im April hatte die Airbus Group angekündigt, dass sie ihren Kunden manche Finanzierungsformen vorübergehend nicht mehr anbieten könne./stw/men/stb

(AWP)