Aktien der Grossbanken sacken ab - Deutsche Bank schürt Lehman-Ängste

Zürich (awp) - Bei den Aktien der Credit Suisse reicht ein halber Handelstag, um die jüngsten Gewinne der Vorwoche zunichte zu machen. Die UBS wiederum knüpfen an den verhaltenen Trend der Vorwoche an. Auslöser für die deutlichen Kursverluste, die Bankaktien nicht nur hierzulande, sondern auch in Europa verzeichnen, ist der Nachrichtenfluss rund um die Deutsche Bank.
26.09.2016 12:55

Die Aktien von UBS und Credit Suisse führen am Montag gegen 12.45 Uhr bei den Blue Chips die Verliererliste an. UBS geben um 3,1% auf 13,03 CHF nach und die Anteile der CS verbilligen sich um 2,7% auf 12,77 CHF. Der SMI steht zeitgleich 1,12% tiefer. Zum Vergleich: Die Aktien der CS haben in der vergangenen Woche 2,4% hinzugewonnen. Für die Papiere der UBS war es auch in der vorangegangenen Handelswoche um 0,2% knapp nach unten gegangen.

Händler verweisen unisono auf die Lage der Deutschen Bank als Belastungsfaktor. Die Tatsache, dass der deutsche Branchenprimus unter Umständen in Finanzierungsschwierigkeiten kommen könnte, lasse am Markt die Lehman-Gespenster wieder aufsteigen, fasst es ein Händler recht plakativ zusammen.

Auslöser für den neuerlichen Kursrutsch in der Branche ist laut Marktakteuren ein Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus", wonach die deutsche Regierung nicht bereit ist, dem grössten deutschen Geldhaus mit Staatshilfen unter die Arme zu greifen. Diese schliesst Bundeskanzlerin Angela Merkel kategorisch aus, berichtet das Magazin weiter und beruft sich dabei auf Regierungskreise.

Wie Mitte September bekannt geworden war, droht der Deutschen Bank in den USA eine Rekordstrafe. 14 Milliarden Dollar fordert das Justizministerium in den Vergleichsverhandlungen um zweifelhafte Hypothekengeschäfte aus Zeiten vor der Finanzkrise. Es wäre die höchste Strafe für ein ausländisches Geldhaus, die die US-Behörden je verhängt haben.

Bleibt nun die Frage nach den Rückstellungen der Deutschen Bank. Das Institut hat bereits Milliarden für die Beilegung von einzelnen Rechtsstreitigkeiten zur Seite gelegt. Kritisch wird es für das Kapital des Instituts erst, wenn die budgetierte Summe für diesen Fall überschritten wird. Wie viel die Bank pro Einzelfall zurückgelegt hat, weiss ausserhalb des Geldinstituts keiner.

Bekannt ist nur die Gesamtsumme der Rückstellungen. Diese lag zuletzt bei rund 5,5 Milliarden Euro. Neben diesem Streit mit der US-Justiz sind Ermittlungen wegen möglicher Geldwäsche in Russland derzeit das grösste bekannte Verfahren der Deutschen Bank.

hr/ra

(AWP)