Aktien SchweizAnleger halten sich vor risikoreichem Donnerstag zurück

Der Schweizer Aktienmarkt zeigt sich am Mittwochmittag kaum verändert, wobei der SMI seit dem Morgen in einem engen Band um die Marke von 8900 Punkten schwankt.
07.06.2017 12:45

Vor dem äusserst ereignisreichen Donnerstag sei zunächst einmal Abwarten angesagt, kommentiert ein Marktteilnehmer. Dann stehen mit den britischen Parlamentswahlen sowie der EZB-Sitzung und der Anhörung des ehemaligen FBI-Chefs im US-Senat gleich drei potenzielle Risikoereignisse auf dem Programm.

Von der EZB-Sitzung erhoffen sich die Beobachter neue Hinweise über die Fortführung der expansiven Geldpolitik. Wegen der zuletzt wieder rückläufigen Inflationsrate im Euro-Raum und auch den anhaltenden politischen Risiken in Südeuropa dürfte EZB-Chef Mario Draghi keine Eile haben, die Geldpolitik zu straffen, meint ein Ökonom. In den USA könnten die Aussagen des ehemaligen FBI-Direktors für neue Unruhen um die Trump-Administration sorgen und damit auch das von den Märkten erhoffte umfangreiche Programm zur Stimulierung der US-Wirtschaft gefährden, fürchten Beobachter.

Der SMI verliert kurz nach Mittag 0,1% auf 8902 Punkte. Der 30 Aktien umfassende SLI, in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, liegt praktisch unverändert bei 1404 Zählern während der breite SPI mit -0,1% auf 10'147 ebenfalls leicht nachgibt. Von den 30 wichtigsten Titeln notieren 12 im Minus, 16 im Plus und 2 unverändert.

Givaudan von Branchenstudie belastet

Givaudan (-1,7%) werden von einer Branchenstudie der britischen Barclays über die Aromen- und Riechstoffhersteller belastet. Die Analysten sehen für die Branche einen wachsenden Preisdruck, der sich ab dem zweiten Halbjahr 2017 verstärkt bemerkbar machen dürfte, die Givaudan-Titel erachten sie als hoch bewertet und bekräftigen ihr "Underweight"-Rating. Schwach zeigen sich zudem Clariant (-1,2%) sowie Vifor Pharma (-1,0%), die damit ihren seit Ende Mai anhaltenden Kursrückgang fortsetzen.

Moderate Abgaben erleiden auch Zykliker wie Lafarge-Holcim und ABB (je -0,4%) sowie Sika (-0,3%). Beim Baustoffhersteller geht das juristische Tauziehen weiter: Die Erbenfamilie hat nun die Wiederwahl derjenigen Verwaltungsräte angefochten, die sich gegen den Verkauf ihrer Anteile an den französischen Konzern Saint-Gobain stellen.

Belastet werden die Indizes zudem von Abgaben des Börsen-Schwergewichts Nestlé (-0,5%), die am Vortag noch zwischenzeitlich ein Allzeithoch markiert hatten. Angesichts der Kursgewinne der letzten Monate nehmen nun die Research-Häuser Berenberg und Bryan Garnier ihre Kaufempfehlungen zurück und bewerten die Aktien neu mit "Hold" respektive "Neutral".

Roche erholt sich von Vortagesabsturz nicht

Die Genussscheine des Pharmaschwergewichts Roche (-0,1%) notieren leicht schwächer, nachdem die Titel am Dienstag noch um 5,5% abgesackt waren. Der Grund für den Kursrutsch vom Vortag waren enttäuschende Studiendaten über eine Kombinationstherapie der Roche-Brustkrebsmedikamente Perjeta und Herceptin, die zu einer Reihe von Senkungen der Gewinnschätzungen und der Kursziele durch Research-Häuser führte. Novartis (+0,1%) legen leicht zu.

Bankenwerte notieren europaweit fester, nachdem die spanische Grossbank Santander den in finanzielle Schieflage geratenen Konkurrenten Banco Popular für einen symbolischen Euro übernimmt. Hierzulande legen UBS 0,9%, Julius Bär 0,7% und Credit Suisse 0,5% zu. Am Vortag hatten die CS-Titel noch unter den politischen Spannungen um den Golfstaat Katar gelitten, der mit seinem Staatsfonds CS-Grossaktionär ist. Die deutlichsten Avancen im SMI entfallen auf Bâloise und Adecco (je +0,9%).

Am breiten Markt geben Burckhardt Compression (-1,9%) noch weiter nach, nachdem sie am Vortag nach unerwartet negativen Jahreszahlen um über 10% abgerutscht waren. Das Klinik- und Hotelunternehmen Aevis Victoria (Titel +2,4%) erhält derweil bei der geplanten Übernahme für die Bieler Privatklinik Linde Konkurrenz von der Hirslanden-Gruppe.

(AWP)