Aktien Schweiz - Anleger streichen an der Schweizer Börse Gewinne ein

Die Schweizer Börse ist am Donnerstag auf Talfahrt gegangen. Nach der jüngsten Erholung schritten die Anleger zu Gewinnmitnahmen, sagen Händler.
17.08.2017 17:50

Zudem dämpften die Turbulenzen in der US-Regierung die Stimmung. Präsident Donald Trump löste am Mittwoch zwei Beratergremien mit Konzernchefs auf, nachdem mehrere Mitglieder aus Protest gegen seine Aussagen zur rechtsextremen Gewalt in Virginia ausgetreten waren.

Der SMI fällt bis Börsenschluss um 1 Prozent auf 8945 Punkte und rutscht in die untere Hälfte der seit einiger Zeit gültigen, von 8800 bis 9200 Zähler reichenden Handelsspanne.

Das am Vorabend veröffentlichte Sitzungsprotokoll der US-Notenbank lieferte keine Kaufanreize, heisst es am Markt. Vor allem für die sich nach höheren Zinsen sehnenden Banken bedeute die Mitschrift einen Dämpfer, sagt ein Händler. Eine weitere Anhebung der Leitzinsen sei erst einmal nicht zu erwarten. Den Fed-Mitgliedern bereitet die niedrige Inflation Kopfschmerzen. Ähnlich äusserten sich gemäss den EZB-Protokollen auch die europäischen Währungshüter, die wegen der geringen Inflation vor einer Kursänderung zurückschrecken.

Bankentitel als Verlierer

Vor allem Aktien von Banken gehören europaweit zu den grossen Kursverlierern. Die Titel von Credit Suisse und UBS büssen jeweils 1,9 Prozent ein. "Die Erwartungen an höhere Renditen und die Aussichten auf mehr Gewinn haben mit dem Fed-Protokoll einen Dämpfer erhalten", sagt ein Händler. Vergleichsweise gut halten sich nach einem besser als erwarteten Halbjahresergebnis die Anteile der St. Galler Kantonalbank mit 0,7 Prozent Minus. Merklich schwächer sind auch Versicherungswerte.

Den grössten Abschlag unter den Standardwerten verbucht allerdings Geberit mit einem Minus 5,8 Prozent. Das Sanitärtechnikunternehmen verfehlte im ersten Halbjahr die Ergebniserwartungen der Analysten. Mit 1,47 Milliarden Franken stagnierte der Umsatz bei und der Gewinn brach wegen Sonderkosten um fast ein Fünftel auf 258 Millionen Franken ein. Ein Händler sprach von Gewinnmitnahmen nach dem kräftigen Kursanstieg im Vorfeld der Bilanzveröffentlichung. "Die Anleger sind in ihren Erwartungen enttäuscht worden."

Unter Druck stehen auch die Aktien von Kudelski mit 11 Prozent Kurseinbruch. Der Spezialist für TV-Verschlüsselungen wies nach sechs Monaten zwar mehr Umsatz aus, senkte allerdings die Betriebsgewinnprognose.

Die Hochdorf-Titel fallen um 1,6 Prozent. Der Milchverarbeiter enttäuschte die Anleger unter anderem mit einer Gewinnwarnung.

Swisscom verlieren trotz guten Zahlen

Dagegen überraschte der Telekomkonzern Swisscom mit mehr Halbjahresgewinn und einer Prognoseanhebung. Die Aktien rutscht dennoch 0,5 Prozent ab. Händler spekulieren, dass die Aussicht auf eine unveränderte Dividende für Enttäuschung sorgte.

Die Anteile von Straumann gewinnen nach einem überraschend hohen Halbjahresgewinn und dem Vorstoss in einen vielversprechenden Markt 11 Prozent an Wert. Das Ergebnis sei überzeugend und die Zukäufe ergänzen das erfreuliche Bild, kommentiert ZKB-Analystin Sibylle Bischofberger.

Die Tecan-Aktien schnellen dank Kurszielerhöhungen und Kaufempfehlung der Credit Suisse und des Brokers Kepler Cheuvreux 8,6 Prozent nach oben.

Von als krisenresistent geltenden Index-Schwergewichten schlagen sich Nestlé und Roche mit Kursabschlägen von 0,7 und 0,4 Prozent besser als der Markt. Die Novartis-Aktien dagegen verlieren 1,6 Prozent.

Anteile zyklischer Firmen geben meist nach. Der Elektrotechnikkonzern ABB, der Zementproduzent Lafarge-Holcim und der Uhrenhersteller Swatch büssen bis zu 1 Prozent ein. Mit Abschlägen von bis zu 0,5 Prozent halten sich der Personaldienstleister Adecco, der Chemiekonzern Clariant und die Inspektionsfirma SGS besser. Als einzige Bluechips ziehen die Aktien des Pharmazulieferers Lonza und der Bauchemiefirma Sika 0,5 und 1,2 Prozent an.

(Reuters)