Aktien Schweiz - Brexit und Draghi bremsen die Schweizer Börse

An der Schweizer Börse ist am Donnerstag die Euphorie der beiden Vortage angesichts der andauernden politischen Unsicherheiten verflogen.
13.12.2018 17:45

Vor allem die Ungewissheit über das Ausscheiden Grossbritanniens aus der EU dämpfte die Risikobereitschaft der Anleger. Und auch die zurückhaltenden Äusserungen von EZB-Präsident Mario Draghi zu den Konjunkturaussichten bremsten die Investoren. Der SMI sinkt um 0,5 Prozent auf 8815 Punkte.

Die anfängliche Erleichterung über das gescheiterte Misstrauensvotum gegen die britische Premierministerin Theresa May verflog schnell. "Die gestrige Abstimmung zeigte das Chaos in der konservativen Partei", erklären die Analysten von Swissquote. Es sei wahrscheinlich, dass das Parlament die Scheidungsvereinbarung zwischen Grossbritannien und der EU ablehne. May will die 27 EU-Regierungen um zusätzliche Versicherungen in der Irland-Frage bitten, um im Unterhaus eine Mehrheit für das Brexit-Abkommen zu erreichen.

Für einen Dämpfer sorgte auch die Europäische Zentralbank (EZB). Die Notenbank korrigiert angesichts der schwächeren Weltwirtschaft ihre Wachstumsprognosen für die Eurozone erneut nach unten. Und Notenbankchef Draghi doppelte nach: "Unsicherheiten in Bezug auf geopolitische Faktoren, die Gefahr von Protektionismus, Anfälligkeiten in Schwellenländern und die Schwankungen der Finanzmärkte bleiben nach wie vor gross", sagte er. Wie erwartet stellt die Notenbank eines ihrer wichtigsten Kriseninstrumente ein und will die Anleihenkäufe zum Jahreswechsel beenden. Der Entscheid der Schweizerischen Nationalbank (SNB), die Zinsen unverändert zu lassen und damit den Krisenmodus aufrecht zu erhalten, hatte hingegen kaum Einfluss auf den Aktienmarkt.

Für eine positive Note sorgten überraschend gute Daten zum US-Arbeitsmarkt, die Sorgen um eine Abschwächung der Wachstumsdynamik in der weltgrössten Volkswirtschaft etwas dämpften. In der vergangenen Woche beantragten 206'000 Menschen Arbeitslosenhilfe. Analysten hatten mit 225'000 deutlich mehr Erstanträge erwartet.

Pharmaschwergewichte unter Druck

Die SMI-Werte rutschten mehrheitlich ins Minus. Die grössten Verluste verzeichnen die Aktien des Pharmazulieferers Lonza mit einem Abschlag von 1,5 Prozent. Die beiden Pharmaschwergewichte Roche und Novartis verlieren 0,8 beziehungsweise 0,6 Prozent an Wert. Einer Studie zufolge ist das Medikament Tremfya von Johnson & Johnson zur Behandlung von Patienten mit Schuppenflechte wirksamer als die Novartis-Arznei Cosentyx.

Abgaben verbuchen auch die Luxusgüterwerte, nachdem die Analysten der Deutschen Bank die Kursziele gesenkt hatten. Die Anteile von Swatch büssen 0,8 Prozent ein und die von und Richemont 0,4 Prozent.

Dagegen baut ABB die Vortagesgewinne leicht aus und gewinnt weitere 0,1 Prozent an Wert. Händler verweisen auf die Nachrichten vom Vortag, wonach der Elektrotechnikkonzern über einen Verkauf der Stromnetzsparte an die japanische Hitachi verhandelt. Eine solche Transaktion würde die Rentabilität von ABB verbessern. Auch die Anteile der Credit Suisse rücken geringfügig vor. Analysten werteten den am Vortag angekündigten Aktienrückkauf positiv.

Bei den Nebenwerten brechen die Aktien der GAM Holding um mehr als ein Fünftel ein. Der Fondsanbieter stellte für das laufende Jahr einen Verlust von 925 Millionen Franken in Aussicht und streicht die Dividende. "Es ist fast schon unheimlich, wie sich GAM dieses Jahr mit negativen Meldungen noch einmal selbst überbieten kann", sagt ZKB-Analyst Michael Kunz.

(Reuters)