Aktien Schweiz - Deftiger Taucher an der Schweizer Börse

Zunehmende Konjunktur- und Zinssorgen haben die Schweizer Börse am Donnerstag stark unter Druck gesetzt.
11.10.2018 17:50

Der SMI sackt bis Börsenschluss um 2,9 Prozent auf 8639 Punkte ab. Damit folgte der Leitindex den negativen Vorgaben von der Wall Street, die am Mittwoch einen der schwärzesten Tage des Jahres verzeichnet hatte. Die Umsätze waren überdurchschnittlich. "Wenn man auch noch nicht von Panik sprechen sollte, die Leute sind schon etwas nervöser geworden", sagt ein Händler. Das Angstbarometer der Börse, der Volatilitätsindex, steigt um 17 Prozent.

Dass die US-Inflation im September weniger stark als erwartet ausgefallen ist, konnte die Anleger nur vorübergehend beruhigen.

Händler erklären die Kurseinbussen unter anderem mit der Angst vor einer Eskalation des amerikanisch-chinesischen Handelsstreits, einer Abschwächung der Weltwirtschaft und einem weiteren Anstieg der US-Zinsen. "Steigende Zinsen bremsen nicht nur das Wirtschaftswachstum, sondern werden auch zu einer echten Alternative zu Aktienanlagen", sagt ein Händler.

Viele Aktien wieder attraktiv bewertet

Börsianer hoffen, dass sich die Kurse in den kommenden Tagen etwas fangen. Viele Aktien seien nun wieder attraktiv bewertet. "Zu den aktuellen Preisen darf man ruhig schon mal einen Finger ins Wasser halten", sagt ein Händler und riet zum Aufbau von Positionen in Firmen mit einem soliden Geschäftsmodell.

An den fundamentalen Faktoren wie der soliden US-Konjunktur oder der Gewinnentwicklung habe sich in der vergangenen Woche nichts geändert, kommentiert die Grossbank UBS. Sie halte daher an der Übergewichtung von Risikoanlagen fest. "Wir sehen das Marktgeschehen als ziemlich normal für diese Phase eines Bullenmarktes, die wahrscheinlich noch etwas anhalten dürfte."

Aus charttechnischer Sicht ist der SMI aus seiner von 8800 bis 9200 reichenden Handelsspanne nach unten hinausgefallen. Eine Unterstützung befindet sich laut ZKB bei 8600 Punkten.

Bis auf die Aktien des Bauchemiekonzerns Sika, die um 0,1 Prozent steigen, geben sämtliche SMI-Werte nach.

Schwache Schwergewichte

Der grösste Druck ging dabei von den als defensiv beurteilten Schwergewichten aus. Die Pharmawerte Novartis und Roche verlieren 3,6 und 3,8 Prozent und der Lebensmitteltitel Nestlé sackt um 2,5 Prozent ab. Händler erklären dies mit Futures-bedingten Verkäufen und Depotabsicherungen.

Stark unter Druck standen auch die Aktien der Banken: Die Grossbanken Credit Suisse und UBS sowie Vermögensverwalter Julius Bär brechen rund 3,5 Prozent ein. Vontobel geben 2,4 Prozent nach und der Assetmanager GAM, dessen Aktien am Vortag noch von Übernahmespekulationen profitiert hatten, sackt um 5,0 Prozent ab. Mit Einbussen zwischen 2,6 und 3,8 Prozent tauchen auch die Aktien der Versicherer deutlich.

Bei den zyklischen Firmen wurden die Anteile des Elektrotechnikkonzerns ABB, der Luxusgüterhersteller Swatch und Richemont und der Inspektionsfirma SGS zwischen 1 und 2 Prozent tiefer bewertet.

Der Zeitarbeitskonzern Adecco verliert 2,4 Prozent. Händler erklären dies unter anderem auch mit einem enttäuschenden Wachstum des britischen Konkurrenten Hays im dritten Quartal.

Ceva mit Kursrakete nach Übernahmeangebot

Am breiten Markt schnellen die Aktien von Ceva Logistics nach einem Übernahmeangebot um 34,4 Prozent auf 24,75 Franken nach oben. Die dänische Transportfirma DSV hat nach eigenen Angaben dem Verwaltungsrat von Ceva ein Angebot von 1,5 Milliarden Franken oder 27,75 Franken je Aktie vorgeschlagen, das dieser jedoch ablehnt. Das entspreche einer Prämie von gut 50 Prozent auf den Schlusskurs von Mittwoch.

Kursverluste verbuchen auch die Aktien aus dem Technologiebereich, die dem Negativtrend der US-Branche folgten. Kudelski, Sensirion, Inficon und U-blox sacken ab. Meyer Burger legen gegen den Trend 3,6 Prozent zu.

(Reuters/cash)