Aktien Schweiz - Der Schweizer Börse geht zum Schluss der Schnauf aus

Die Schweizer Börse hat am Donnerstag fester tendiert. Im Verlauf verlor der Markt aber trotz guter Konjunkturzahlen aus dem In- und Ausland an Schwung.
01.06.2017 17:40

Vor dem mit Spannung erwarteten monatlichen US-Arbeitsmarktbericht, der am Freitag veröffentlicht wird, schlugen die Anleger eine vorsichtigere Gangart ein. Der SMI, der zunächst bis 9074 Punkte gestiegen war, notiert zum Börsenschluss mit 9025 Zählern nur noch um 0,1 Prozent höher. Auch am Mittwoch hatte der Leitindex 0,1 Prozent höher geschlossen.

Neben ermutigenden Konjunkturzahlen stützte laut Händlern auch der zum Monatsanfang übliche Geldzufluss die Kurse der Beteiligungspapiere. "Jeden Monat erhalten die Investoren frisches Kapital, das sie anlegen müssen", sagt ein Händler. Davon entfalle ein Grossteil auf passive Anleger wie Indexfonds, die den Gesamtmarkt kauften. Angesichts des Geldzuflusses rücken die politischen Unsicherheitsfaktoren in den Hintergrund.

Die monatliche Statistik des Personaldienstleisters ADP, wonach die Privatwirtschaft in den USA im Mai mit 253'000 deutlich mehr neue Stellen als erwartet geschaffen hat, erfreute die Anleger nur kurz. Mehr Aufschluss über die Verfassung des Jobmarktes gibt am Freitag der Monatsbericht der Regierung. Die Zahlen liefern Investoren Hinweise auf die künftige Geldpolitik der US-Notenbank Fed. Die meisten Ökonomen rechnen damit, dass die Fed noch im Juni erneut an der Zinsschraube drehen wird.

Gefragte Zykliker

Firmenspezifische Impulse waren rar. Die Standardwerte legten meist zu. Gefragt waren vor allem Aktien zyklischer Firmen wie etwa des Bauchemie-Unternehmens Sika, des Personalvermittlers Adecco, des Elektrokonzerns ABB oder der Prüffirma SGS.

Die als eher defensive Anlage geltenden Index-Schwergewichte büssen die Gewinne praktisch ein. Während Nestlé ein bescheidenes Plus von 0,2 Prozent retten kann, büssen Novartis die Kursgewinne fast ganz ein und Roche rutschen gar 0,4 Prozent in die Minuszone ab.

Bei den Aktien der Banken schmolzen die Gewinne teilweise ab: Credit Suisse sind um 0,2 Prozent tiefer, UBS dagegen gewinnen 0,7 Prozent. Händler sagen, CS hinke wegen des noch bis am Freitag dauernden Anrechthandels der laufenden Kapitalerhöhung hinter der Sektorentwicklung her. "Nächste Woche dürfte der Druck aber weg sein und der Kurs Luft nach oben haben", sagt ein Händler.

Dem Sektor könnte laut Händlern auch die Mitteilung geholfen haben, dass nach monatelangem Ringen die EU-Kommission dem Rettungsplan der italienischen Regierung für die Krisenbank Monte dei Paschi di Siena zugestimmt hat. Damit falle ein Unsicherheitsfaktor weg, heisst es.

Die Anteile der Kreditbank Cembra Money Bank und die der Privatbank Vontobel gewinnen jeweils 0,7 Prozent an Wert. Auch Versicherungstitel ziehen an.

Evolva nach US-Deal gesucht

Am breiten Markt schnellen die Aktien von Evolva 4,6 Prozent hoch. Die Firma hat mit der US-Behörde BARDA eine nicht näher spezifizierte Zusammenarbeit vereinbart, um einen Wirkstoff zur Abwehr von Moskitos zu entwickeln, die das Zika-Virus übertragen.

Zudem griffen die Anleger zu Werten, die jüngst unter die Räder gekommen waren. Dazu zählen etwa die Derivat-Boutique Leonteq und der Backwarenhersteller Aryzta.

Die Aktien von Gurit rücken 2,3 Prozent vor. Die Firma hat von einem italienischen Autohersteller einen Auftrag im Wert von rund neun Millionen Franken für Bauteile aus Kohlenstofffaser erhalten.

Die Titel von Dufry steigen um 2,7 Prozent. Händlern zufolge wird im Markt spekuliert, dass die HNA seine Beteiligung an dem Duty-free-Shop-Unternehmen ausbauen könnte. Der chinesische Mischkonzern besitzt bereits mehr als ein Fünftel von Dufry.

(Reuters)