Aktien Schweiz - Die Katalonien-Krise verunsichert die Schweizer Anleger

Die Schweizer Börse hat sich am Freitag leicht abgeschwächt. Die Angst vor einer Eskalation der Katalonien-Krise hat die Anleger vorsichtig werden lassen, sagen Händler.
27.10.2017 17:40

Der SMI notiert zum Handelsschluss mit 9183 Punkten um 0,2 Prozent tiefer. Im Wochenvergleich büsst der Leitindex damit 0,6 Prozent ein und fährt damit die zweite negative Woche infolge ein.

Händler sagen, die Stimmung sei bis zur Erklärung der Unabhängigkeit Kataloniens eigentlich ganz gut gewesen. "Dann aber hat die Abstimmung in Barcelona die Anleger ein wenig aufgeschreckt", sagt ein Händler.

Im Parlament Kataloniens stimmten die Abgeordneten mehrheitlich für die Unabhängigkeit von Spanien. Der spanische Senat stimmt für die Zwangsverwaltung der autonomen Region Katalonien. Ministerpräsident Mariano Rajoy rief die Spanier zur Ruhe auf.

Die Anleger seien nervös geworden. Zu Verkäufen in grossem Stil kam es aber nicht. "Die Leute waren vorsichtig und nahmen vereinzelt Gewinne mit", sagt ein Händler. Viele Anleger hofften aber, dass sich die Katalonien-Krise wieder beruhigt und hielten an ihren Positionen fest. "Am Problem des Anlagenotstands wegen der tiefen Zinsen ändert sich ja nichts", sagt ein anderer Börsianer.

Trotz der Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), ihre Anleihenkäufe ab Januar auf 30 Milliarden Euro monatlich zu halbieren, bleiben die Geldschleusen weit offen. Damit sei die erste Leitzinsanhebung in weite Ferne gerückt, heisst es am Markt.

Clariant-Aktie erholt sich vom morgendlichen Absturz

Im Fokus standen die Aktien von Clariant. Die Aktien verlieren 0,9 Prozent, notieren damit aber deutlich über dem am Morgen markierten Tagestief. Der Spezialchemiekonzern bläst die geplante 20-Milliarden-Dollar-Fusion mit dem US-Rivalen Huntsman ab. "Nun dürften die Spekulationen um Clariants Zukunft wieder losgehen", sagt ein Händler und weist darauf hin, dass Clariant lange immer wieder als Übernahmekandidat gehandelt wurde. "Da die Aktie um fast die Hälfte gestiegen ist, dürften sich manche Anleger nun auch dankend verabschieden", sagt ein Börsianer.

Die Aktien von Lafarge-Holcim verlieren ebenfalls 0,9 Prozent. Der Zementkonzern hat nach einem Gewinneinbruch im dritten Quartal und wegen der schwächeren Zementnachfrage die Finanzziele gesenkt. Die bisherigen Prognosen seien unrealistisch gewesen, sagte Konzernchef Jan Jenisch auf einer Telefonkonferenz.

Die Aktien der Grossbank UBS geben frühe Gewinne nicht nur ab, sondern rutschen gar um 0,8 Prozent ins Minus. Der Quartalsbericht sei unter dem Strich besser als erwartet gewesen, heisst es am Markt. UBS hat im Sommerquartal dank den Vorsteuergewinn um 39 Prozent auf 1,2 Milliarden Franken gesteigert. "Vielleicht waren manche Anleger aber etwas enttäuscht, weil die Dividende nicht kräftig angehoben werden soll", sagt ein Börsianer. Auch habe sich die Bank auf der Telefonkonferenz vorsichtig zu den weiteren Aussichten geäussert.

Die Aktien der Rivalin Credit Suisse notieren um 1,1 Prozent tiefer. Die Papiere der Versicherer schlossen sich dem Trend ebenfalls an und büssten Terrain ein. Europaweit schwächten sich die Finanzwerte im Sog der Katalonien-Krise ab.

Nestlé wieder mit Verlusten

Die beiden Pharmaschwergewichte Novartis und Roche notieren bei geringen Kursänderungen uneinheitlich. Der Lebensmittelwert Nestlé, ein weiteres SMI-Schwergewicht, büsst 0,2 Prozent an Wert ein.

Mehrheitlich im Plus liegen die Aktien zyklischer Firmen. ABB schwächen sich gegen den Trend nach dem Kursgewinn vom Vortag aber leicht ab. Der Elektrotechnikkonzern hatte die Anleger am Donnerstag mit guten Quartalszahlen überrascht.

Am breiten Markt steigen die Aktien von Meyer Burger um 4 Prozent. Der Solarzulieferer hat nach der Bekanntgabe eines Grossauftrags das Interesse der Anleger angezogen.

Die Aktien von Leonteq sinken um 2,6 Prozent. Gründer Jan Schoch hat sich von seiner Beteiligung von 6,6 Prozent an der Derivatfirma getrennt. Schoch hat sich kürzlich aus der Firma zurückgezogen.

Die Aktien von Basilea ziehen um 2,5 Prozent an. Über die Biotechnologiefirma keimten immer wieder Übernahmespekulationen auf, sagt ein Händler. "Die Firma hat vielversprechende Produkte und -kandidaten in der Pipeline sowie eine prall gefüllte Kasse", sagt ein Händler.

(Reuters/cash)