Aktien Schweiz - Die Schweizer Börse gibt deutlich nach

Kursverluste der Marktschwergewichte Nestlé und Roche sowie die Katalonien-Krise haben am Donnerstag die Schweizer Börse belastet. Dabei gerieten vor allem Aktien unter Druck, die im laufenden Jahr stark gestiegen sind.
19.10.2017 17:40

"So nahe am Jahreshoch ist ein Marschhalt nicht unüblich", sagt ein Händler. Zudem beunruhige die Entwicklung der Katalonien-Krise die Anleger. Der SMI büsst 0,8 Prozent auf 9234 Punkte ein. Mit 9318 Zählern stand der Leitindex am Mittwoch auf dem höchsten Stand seit August 2015.

Da Katalonien eine Frist verstreichen liess, ohne sich eindeutig zu den Unabhängigkeitsbestrebungen zu äussern, will die spanische Zentralregierung am Wochenende darüber beraten, die autonome Region unter Zwangsverwaltung zu stellen. Kataloniens Regierungschef Carles Puigdemont drohte, bei einer Zwangsverwaltung die Unabhängigkeit auszurufen.

"Es rechnet ja niemand mit einer Eskalation. Aber Gewinne mitzunehmen, kann nicht schaden", sagt ein Händler.

Möglicherweise habe auch der 30. Jahrestag des "Schwarzen Montag" eine gewisse Rolle gespielt. Damals erlebten die Finanzmärkte einen der stärksten Kurseinbrüche der Nachkriegsgeschichte. Der Schweizer Markt rauschte um mehr als 11 Prozent in die Tiefe. "Den Leuten, die den Crash damals noch selbst erlebt haben, dürfte der Tag und die Angst und Panik, die er ausgelöst hat, schon durch den Kopf gehen", sagt ein Händler. "Das war im Nachhinein auf dem langfristigen Chart betrachtet trotzdem nicht mehr als ein kleiner Ausrutscher. Eigentlich eine günstige Kaufgelegenheit", sagt ein anderer.

Quartalsberichte mehrheitlich negativ aufgenommen

Negativ aufgenommen wurde eine Reihe von Quartalsberichten. Die Aktie des Lebensmittelriesen Nestlé sinkt um 1,0 Prozent. Der Konzern hat im dritten Quartal etwas an Schwung gewonnen, gab aber einen verhaltenen Ausblick ab.

Der Genussschein des Pharmakonzerns Roche verliert gar 2,3 Prozent. Roche habe mehr oder weniger eine Punktlandung hingelegt, sagt ein Börsianer. Roche konnte die aufkommende Konkurrenz durch günstigere Nachahmermedikamente vorerst parieren. Vor allem das neue Multiple-Sklerose-Mittel Ocrevus sorgte für einen kräftigen Wachstumsschub. Mit dem neuen Produktportfolio könne Roche aber kaum an die alte Wachstumsstärke anknüpfen, sagt ein Händler.

Der Anteil von Rivale Novartis sinkt um 0,4 Prozent. Novartis legt den Quartalsbericht am Dienstag vor.

Auch Bankaktien unter Druck

Die Aktien der Banken büssen meist Terrain ein: Credit Suisse verliert 0,6 Prozent. Der Hedgefonds RBR will den Wert der Bank mit Börsengängen von Teilbereichen verdoppeln. Unter anderem soll die Investmentbank in New York oder London gelistet werden, heisst es in einer Reuters vorliegenden Präsentation des aktivistischen Anlegers.

UBS verlieren 0,7 Prozent und Julius Bär sacken um 1,8 Prozent ab. Bei den Versicherungen fallen Zurich mit einem Kursplus von 0,8 Prozent auf. Die schweren Wirbelstürme in den USA und der Karibik dürften die Versicherung nach Abzug der Rückversicherungsdeckung und vor Steuern rund 700 Millionen Dollar kosten. Nach Steuern dürfte die Belastung etwa 620 Millionen Dollar betragen.

Die Aktien von GAM sacken trotz erfreulicher Zahlen um 1,6 Prozent ab. Der Assetmanager konnte im dritten Quartal mehr Neugeld anziehen als erwartet. "Die Anleger nehmen wegen der ungewissen Aussichten am Markt bei Aktien die stark gestiegen sind, Gewinne mit", sagt ein Händler. GAM stiegen im laufenden Jahr mehr als ein Drittel.

ABB nach Grossauftrag gefragt

Bei den meist schwächeren zyklischen Aktien legen ABB um 1,1 Prozent zu. Der Elektrotechnikkonzern hat einen 130 Millionen Dollar schweren Auftrag für den Bau der Stromübertragungsinfrastruktur für ein Kernkraftwerk in Grossbritannien erhalten.

Gewinnmitnahmen drücken die Titel der Luxusgüterhersteller Richemont und Swatch um 1,1 und 1,6 Prozent ins Minus. In einem Interview mit dem "Manager Magazin" sagte Swatch-Chef Nick Hayek, der Konzern sei im August und September um 10 Prozent gewachsen.

Die Inficon-Aktien sacken um 5,3 Prozent ab. Nach einem Kursanstieg um 75 Prozent seit Jahresanfang sei es Zeit, die Ernte einzufahren, heisst es. Der Quartalsbericht sei leicht schlechter als erwartet gewesen.

(Reuters/cash)