Aktien Schweiz - Geopolitisches Säbelrasseln lässt Schweizer Börse abstürzen

Aus Angst vor einer Eskalation des Konflikts zwischen Nordkorea und den USA haben sich die Anleger am Mittwoch von der Schweizer Börse verabschiedet.
09.08.2017 17:40

"Das Säbelrasseln wird immer lauter", sagt ein Händler. Dieser Krieg der Worte könnte ausser Kontrolle geraten, sagt ein anderer Börsianer. Wegen der ungewissen Folgen strichen die Marktteilnehmer Gewinne ein. Ein Attentat in Paris, bei dem ein Fahrzeug in eine Gruppe von Soldaten fuhr, schürte die Nervosität zusätzlich.

Der SMI fällt bis Börsenschluss um 1,5 Prozent auf 9029 Zähler. Aus charttechnischer Sicht sei noch nicht viel Geschirr zerschlagen worden. "Wir befinden uns immer noch innerhalb des von 8800 bis 9150/9200 Punkte reichenden Seitwärtskanals", sagt ein Händler.

Dass die Korea-Krise die Anleger beschäftigt, zeigt auch die gestiegene Nachfrage nach den als sichere Häfen geltenden Währungen Franken und Yen sowie dem Edelmetall Gold. Der Franken stieg zum Euro vorübergehend um rund 2 Rappen - das ist der höchste Tagesgewinn seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses Anfang 2015. Für die Gemeinschaftswährung, die jüngst noch mehr als 1,15 Franken kostete, werden aktuell noch 1,1320 Franken bezahlt.

Keine Panikverkäufe

Die Kursbewegungen seien zum Teil zwar stärker als üblich, die Umsätze seien aber nicht hoch, sagt ein Händler. "Die Leute nehmen zwar Gewinne mit, panisch reagieren sie allerdings nicht." Die zum Teil etwas grösseren Ausschläge führte er auch darauf zurück, dass vor allem Nebenwerte oft nicht besonders liquide seien. "Ähnliches haben wir schon auf dem Weg nach oben gesehen", erklärt der Börsianer.

Alle 20 Bluechips geben nach. Starke Einbussen verzeichnen die Finanzwerte. Die Aktien der Grossbank Credit Suisse halten mit einem Minus von 3,4 Prozent die rote Laterne. Dahinter folgen der Uhrenkonzern Swatch, der Vermögensverwalter Julius Bär und Swiss Life mit Abschlägen von rund 2,5 Prozent. Der Lebensversicherer soll nach Angaben von Hispania an Büroimmobilien des Unternehmens interessiert sein.

CS-Rivalin UBS verliert 1,8 Prozent. Die Aktien des Versicherers Zurich, der am Donnerstag seinen Zwischenbericht veröffentlichen will, geben 1,4 Prozent nach.

Die Finanzwerte leiden laut Händlern darunter, dass Zinserhöhungen bei einer geopolitischen Krise unwahrscheinlicher würden. Der Finanzbranche macht das ultra-niedrige Zinsniveau zu schaffen und steigende Zinsen bedeuten mehr Gewinn.

Swatch besonders unter Druck

Bei den zyklischen Firmen büssen die Luxusgüterhersteller Swatch und Richemont, der Elektrotechnikkonzern ABB und die Bautitel Lafarge-Holcim und Geberit 1 bis 2,8 Prozent an Wert ein. "Swatch wäre mit dem starken Engagement in Fernost von einer Eskalation des Konflikts stark betroffen", sagt ein Händler. Das würde sich wohl negativ auf die Reiseaktivitäten in der Region auswirken. Swatch und Richemont gehören zu den 2017 am stärksten gestiegenen Schweizer Bluechips. Den beiden Uhrenherstellern dürfte auch die Umsatzwarnung des US-Rivalen Fossil zu schaffen gemacht haben.

Die Aktien des Chemiekonzerns Clariant fallen um 2,1 Prozent und die Titel der Prüffirma SGS und des Personaldienstleisters Adecco schwächen sich um 0,8 und 1 Prozent ab. Adecco will am Donnerstag den Bericht zum zweiten Quartal vorlegen. Von Reuters befragte Analysten erwarten einen Gewinnanstieg um 2 Prozent.

Von den an sich als krisenresistent geltenden Pharmatiteln sind Novartis um 1,8 Prozent tiefer und Roche sinken um 0,9 Prozent. Mit Nestlé rutscht auch das dritte Index-Schwergewicht 1,3 Prozent ab.

Der Telekomtitel Swisscom schlägt sich mit einem Minus von 0,6 Prozent vergleichsweise gut. Die Aktien der Schweizerischen Nationalbank sacken 4,4 Prozent ab. Die Titel waren am Dienstag auf ein neues Rekordhoch gestiegen.

(Reuters)