Aktien Schweiz - Italien macht auch Schweizer Börse zu schaffen

Die Schweizer Börse hat am Mittwoch die Verluste im Verlauf des Tages ausgeweitet.
23.05.2018 17:40

Der Leitindex SMI sackt bis Handelsschluss um 1,6 Prozent auf 8795 Zähler ab - so stark wie zuletzt Ende März. Die Entwicklung in Italien beunruhige die Anlegern, sagen Händler. Zudem sorgten sie sich nach enttäuschenden Daten aus der Eurozone um die Konjunktur. Auch seien die Töne zwischen den USA und Nordkorea wieder etwas schärfer geworden, heisst es am Markt.

Mit ihrem Programm könnte die europakritische Regierung aus der populistischen 5-Sterne-Bewegung und der rechtsextremen Lega Italien auf einen Konfrontationskurs mit der EU bringen. Das Programm würde Milliarden kosten und die Finanzen des schon hoch verschuldeten Landes weiter belasten. Vertreter von EU und EZB haben Italien daher aufgefordert, die Haushaltsregeln einzuhalten und die Schulden zu senken. "Die Anleger haben Angst wegen Italien und ziehen ihr Geld ab. Das erinnert stark an die Eurokrise", sagt ein Händler.

US-Präsident Donald Trump stellte das geplante Treffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un infrage. Zudem hatte er sich unzufrieden mit dem Stand der Gespräche im Handelsstreit mit China geäussert. Ausserdem dämpfe die nach Börsenschluss in Europa anstehende Veröffentlichung des Protokolls der letzten Sitzung der US-Notenbank den Risikoappetit der Anleger.

Cosmo stürzen nach FDA-Ablehnung ab

Mit einem Kurssturz von 14,2 Prozent fallen die Pharmafirma Cosmo auf. Wie es sich abgezeichnet hatte, lehnte die die US-Arzneimittelbehörde FDA das Zulassungsgesuch für das Darmkontrastmittel Methylen Blau wegen nicht näher definierter Mängeln ab und empfahl der Firma, es mit neuen klinischen Daten erneut zu versuchen. Die Entscheidung solle Cosmo zufolge keinen Einfluss auf die Prognose 2018 haben.

Bei den Bluechips standen Versicherungswerte auf den Verkaufszetteln. Der europäische Branchenindex fällt um fast 2 Prozent. Die Anteile von Swiss Re führen bei den Bluechips die Verlierer mit minus 3,8 Prozent an. Zurich sinken um 1,9 Prozent. "Die Verkäufer befürchten, dass die Versicherer viele italienische Anleihen in ihren Depots halten", sagt ein Händler. Italiens Zinspapiere standen massiv unter Druck. Auch charttechnische sprächen Faktoren gegen Finanzwerte.

Die Aktien von Julius Bär sacken um 3,4 Prozent ab. Der Vermögensverwalter sammelte in den ersten vier Monaten neue Gelder bei der reichen Kundschaft ein: Der Nettoneugeldzufluss lag bei über 5 Prozent des Bestands. Die verwalteten Vermögen stiegen um 3 Prozent auf 401 Milliarden Franken. "Die Zahlen waren eigentlich gut, aber der Titel ist im Zuge der jüngsten Erholung auch stark gestiegen", sagt ein Börsianer.

Bei den Grossbanken büssen die Anteile der Credit Suisse 2,9 Prozent und die der UBS 1,8 Prozent ein.

Nestlé und Novartis halten sich vergleichsweise gut

Von den als krisenresistent geltenden Indexschwergewichten schlugen sich Nestlé und Novartis mit 0,5 und 0,7 Prozent Kursminus besser als der Markt. Die Roche-Scheine sinken um 2,1 Prozent. Die Anteile des Pharmazulieferers Lonza fallen um 1,5 Prozent.

Konjunktursorgen drücken die Aktien von zyklischen Firmen wie dem Elektrotechnikkonzern ABB, dem Zementhersteller Lafarge-Holcim und der Chemiefirma Clariant kräftig ins Minus. Die Aktien von Swatch sacken am Tag vor der Generalversammlung um 2,3 Prozent ab. Mit einem Kursplus von rund einem Viertel führt der Uhrentitel die SMI-Gewinnerliste dieses Jahr an.

Am breiten Markt kam es laut Händlern zu Gewinnmitnahmen bei Werten, die stark gestiegen sind. Dazu zählen der Bau- und Hotelkonzern Orascom und die Beteiligungsgesellschaft Pargesa. Auf den Verkaufszetteln standen ausserdem Oerlikon, Sulzer und Schmolz+Bickenbach. Unternehmen aus dem Einflussbereichs des russischen Milliardärs Viktor Vekselberg würden gemieden, sagt ein Händler dazu. "Keiner weiss, welche Folgen die US-Sanktionen noch haben." Die USA hatten Anfang April gegen sieben Russen und zwölf ihrer Firmen Strafmassnahmen verhängt, weil sich Russland in den US-Präsidentschaftswahlkampf eingemischt haben soll.

(Reuters/cash)