Aktien Schweiz - Katalonien-Krise macht Schweizer Anleger vorsichtig

Die Schweizer Börse hat nach Tagen steigender Kurse eine Pause eingelegt. Die angespannte Lage in Spanien habe die Investoren vorsichtiger gemacht.
04.10.2017 17:45

"Eigentlich stehen die Ampeln auf Grün, aber wegen der ungewissen Entwicklung in Katalonien halten sich die Anleger lieber zurück", sagt ein Börsianer. Die Kaufbereitschaft habe merklich nachgelassen. Im Sog der fester startenden Wall Street machte der SMI zwischenzeitliche Verluste wett und notiert zum Börsenschluss mit 9284 Punkten unverändert zum Vortag. Kurz nach Börseneröffnung war der Leitindex noch auf ein Jahreshoch gestiegen.

In Spanien eskaliert der Machtkampf zwischen Madrider Zentral- und katalanischer Regionalregierung. König Felipe VI bezog am Dienstagabend in einem für das Staatsoberhaupt aussergewöhnlichen Schritt Stellung im Streit über die Unabhängigkeit Kataloniens und warf der Regionalregierung vor, den sozialen Frieden zu bedrohen und systematisch Gesetze zu missachten. Nur Stunden später kündigte der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont an, die Proklamation der Unabhängigkeit sei eine Frage von Tagen.

Die US-Unternehmen heuerten im September wegen der Wirbelstürme "Harvey" und "Irma" deutlich weniger Personal an. Insgesamt schufen sie nach Angaben des Personaldienstleister ADP 135'000 neue Jobs. Dies war der schwächste Zuwachs seit Oktober 2016. Allerdings hatten Ökonomen sogar nur mit 125'000 gerechnet.

EFG nach Ankündigung eines CEO-Wechsels gesucht

In der Schweiz stand Händlern zufolge EFG International im Mittelpunkt. Die Aktien steigen um 2,6 Prozent. Bei dem Vermögensverwalter gibt Joachim Straehle nach nicht einmal drei Jahren als Konzernchef seine Funktion bereits wieder ab. Einer mit der Sache vertrauten Person zufolge könnten gesundheitliche Probleme des knapp 60-Jährigen eine Rolle bei der Entscheidung gespielt haben. Nachfolger von Straehle wird Finanzchef Giorgio Pradelli. Die Integration der 2016 übernommenen Privatbank BSI sieht EFG auf Kurs. "Eine neue Führungsmannschaft tut EFG International sicher gut", erklären die ZKB-Analysten.

Die Aktien des Rivalen Julius Bär büssen 1 Prozent ein, die der Bank Vontobel notieren 0,4 Prozent tiefer. Bei den Grossbanken steigen die Anteile der Credit Suisse um 0,2 Prozent, während die der UBS 0,5 Prozent nachgaben. Meist auf der Verliererseite zu finden sind Versicherungstitel.

Als Bremse erwiesen sich die SMI-Schwergewichte. Während die Nestlé-Aktien noch 0,1 Prozent zulegen, rutschen die Roche-Scheine und die Novartis-Anteile leicht ab.

Mehrheitlich schwächer sind die Anteile zyklischer Firmen: Adecco, Lafarge-Holcim und Richemont geben nach. Die Lonza-Titel dagegen legen 1,6 Prozent zu. Der Pharmazulieferer übernimmt vom britischen Pharmakonzern Shire eine Fabrik in den USA.

KTM nach Kaufempfehlung mit Kursfeuerwerk

Am breiten Markt schnellen die Titel von KTM Industries 10,4 Prozent auf 6,24 Franken hoch. Vontobel hob die Empfehlung für den österreichischen Motorrad-Hersteller auf "Buy" von "Hold" an, das Kursziel lautet 8,70 Franken.

Die Cosmo-Aktien legen 4 Prozent zu. Der Arzneimittelhersteller hat mit der Firma Olympus eine exklusive Vereinbarung zum gemeinsamen Vertrieb des Mittels Eleview in den USA abgeschlossen. Die Substanz wird vor allem bei der Entfernung komplexer Polypen eingesetzt.

Orascom setzt den Höhenflug der vergangenen Tage fort, die Aktien des Bau- und Hotelkonzerns steigen um weitere 8,3 Prozent. Seit Jahresanfang beträgt das Plus mehr als 70 Prozent.

Die Anteile von Dormakaba sinken um 0,4 Prozent. Mainfirst hat die Empfehlung auf "Neutral" von "Outperform" gesenkt.

(Reuters)