Aktien Schweiz - Klare Abgaben im SMI nach nervöser Schlussphase

Der Schweizer Aktienmarkt hat am Freitag nachgegeben. Der SMI startete freundlich in die Sitzung, fiel dann aber rasch in die negative Zone zurück.
01.12.2017 18:15

Ab Mittag erholte sich der Leitindex wieder und kam mit Unterstützung der fester eröffnenden US-Börsen am späteren Nachmittag nahe an sein Jahreshoch vom Vortag heran. In einer nervösen Schlussphase wechselte der SMI dann das Vorzeichen noch einmal und die Schlussauktion brachte weitere Abgaben. Für eine gewisse Verunsicherung sorgte am Schluss das Geständnis von Donald Trumps ehemaligem Sicherheitsberater Michael Flynn, der vor einem Bundesgericht Falschaussagen über Konversationen mit einem russischen Botschafter zugegeben hatte.

Als bremsend für die Stimmung unter den Investoren erwies sich insbesondere die Verschiebung einer geplanten Abstimmung über die Steuerreform in den USA. Die Hoffnung auf ein baldiges Durchwinken des Reformvorhabens habe dadurch einen gewissen Dämpfer erhalten, heisst es. Die Verschiebung der Abstimmung im Senat zeige, dass die Reform noch immer scheitern oder in nur sehr abgeschwächter Form in Kraft treten könne. Und derzeit hänge der Gang der Dinge an der Börse zu einem guten Teil von dieser Frage ab.

Der SMI schliesst 0,5% tiefer bei 9275 Punkten. Im Wochenvergleich ergibt sich ein Minus von 0,6%, dies nach zuvor zwei positiven Wochen. Der 30 Aktien umfassende SLI gibt 0,6% auf 1486 Punkte nach und der breite SPI 0,5% auf 10'618 Punkte. Von den 30 wichtigsten Titeln schlossen bis auf 3 Alle im Minus.

Logitech mit deutlichen Verlusten

Logitech (-3,1%) fallen am Berichtstag mit Abstand am meisten zurück. Hier seien US-Fonds als Verkäufer aufgetreten, heisst es in Marktkreisen. Allerdings sei das Weihnachtsgeschäft solide angelaufen, was die Abgaben als nicht sehr logisch erscheinen lasse.

Klarere Abgaben verzeichnen darüber hinaus weitere Zykliker wie Lafarge-Holcim (-1,9%), Kühne+Nagel (-1,6%) oder Adecco (-1,6%).

Das schwache Abschneiden des Gesamtmarkts ist zu einem guten Teil auch auf Nestlé zurückzuführen, die letztlich um 0,6% tiefer aus dem Handel gehen. Am Nachmittag lag der Titel noch klar im Plus. Auch die beiden Pharmaschwergewichte Roche (-0,1%) und Novartis (-0,5%) fallen erst am Ende der Sitzung in den roten Bereich. Für Novartis hat Morgan Stanley das Kursziel etwas erhöht. Angesichts der Möglichkeit, sich von der Augensparte Alcon oder dem GSK-Joint-Venture zu trennen, biete Novartis eine attraktive Perspektive, heisst es dazu. Roche gehören mit dem knappen Minus gar zu den Top 4 unter dem SMI/SLI-Werten.

Aryzta weiter im Vorwärtsgang

An der Spitze landen Aryzta mit einem Plus von 2,0%. Diese legten damit den zwölften Handelstag in Folge zu. Am stärksten waren die Avancen am vergangenen Montag im Anschluss an die Publikation der Erstquartalszahlen.

Das Podium wird von Richemont (+1,1%) und Swatch (+0,6%) ergänzt. Für Richemont hat Exane BNP die Einstufung auf "Outperform" von "Neutral" erhöht. Richemont sei Swatch klar vorzuziehen, da der Konzern viele Pfeile im Köcher habe, heisst es dazu.

Credit Suisse (-0,5%) hielten sich lange weit vorne, fielen dann aber ebenfalls am Schluss klar in den Verlierer-Bereich. Am Vortag hatte der Titel im Zusammenhang mit einem Investorentag noch angezogen. Das Fazit zu diesem Tag von Analysten fiel eindeutig positiv aus, und diverse von ihnen haben im Nachgang dazu ihre Schätzungen erhöht. Sie liessen sich von der Bank überzeugen, dass die Kostenziele durchaus erreichbar sind, und auch von den mittelfristigen Rendite-Zielen sowie Aussagen zur künftigen Ausschüttungspolitik gibt sich der Markt angetan.

Nach einem kritischen Kommentar zum Versicherungssektor büssen auch Bâloise (-0,8%), Swiss Life (-1,0%) und Zurich (-1,0%) an Terrain ein.

Temenos nach Beendigung des Aktienrückkaufprogramms gefragt

Im breiten Markt landen Temenos (+3,1%) nach der vorzeitigen Beendigung des Aktienrückkaufprogramms klar im Plus und Basilea (+1,1%) erhalten von einer Lizenzvereinbarung mit Pfizer etwas Rückenwind. Diese veranlasst das Unternehmen die Guidance für das Gesamtjahr anzuheben.

Zu den grössten Verlierern gehören Schaffner (-5,3%) im Vorfeld der Bilanzmedienkonferenz von kommender Woche oder Orell Füssli (-5,2%).

(AWP)