Aktien Schweiz - Konjunkturpessimisten behalten an Schweizer Börse Oberhand

Die Anleger an der Schweizer Börse bleiben in Alarmstimmung. Der Waffenstillstand im Handelsstreit zwischen den USA und China sorgte nur für kurzfristige Erleichterung.
05.12.2018 18:10

Viele Investoren zweifelten, dass der Disput nachhaltig gelöst sei, sagen Händler. Dazu kämen Sorgen über die weitere Entwicklung der US-Wirtschaft. Der SMI schliesst am Mittwoch 1,6 Prozent im Minus bei 8940 Punkten. Am Vortag hatte das Börsenbarometer 0,2 Prozent eingebüsst.

Im Fokus des Interesses stand die US-Wirtschaft: Die Renditen am US-Anleihenmarkt sendeten Signale, dass eine Rezession drohen könnte, erklären Börsianer. Dort sind erstmals seit gut einem Jahrzehnt die Renditen länger laufender Bonds teilweise unter diejenigen mit kürzerer Laufzeit gefallen. Diese sogenannte "inverse Zinskurve" gilt als Rezessionssignal. Die Wall Street war am Dienstag um über 3 Prozent abgesackt. Der Finanzdienstleisters Barings warnte jedoch vor einer überzogenen Reaktion. Die geldpolitischen, steuerlichen und politischen Gegenwinde seien "auf jeden Fall kaum stark genug, um uns in eine globale Rezession zu stürzen", heisst es in einem entsprechenden Kommentar.

Handelsimpulse aus den USA gab es nicht, da die Wall Street zum Gedenken an den kürzlich verstorbenen ehemaligen Präsidenten George Bush Senior geschlossen blieb. Aus diesem Grund verschob die private Arbeitsagentur ADP die Bekanntgabe der Beschäftigtenzahlen auf Donnerstag. Sie geben einen Vorgeschmack auf die offiziellen Daten am Freitag, von denen sich Anleger Rückschlüsse auf die US-Geldpolitik 2019 erhoffen.

Alle Standardwerte im Minus

An der Schweizer Börse liessen alle 20 SMI-Werte Federn. Die stärksten Verluste verzeichnen die Aktien von Firmen, die unter einer Konjunktureintrübung leiden würden. Der Personalvermittler Adecco verliert 3,3 Prozent an Wert und der Zementproduzent LafargeHolcim 2,6 Prozent. Unter Abgaben leiden zudem die Luxusgüterkonzerne Richemont und Swatch mit einem Minus von 1,5 und 1,1 Prozent.

Die Anleger stiessen zudem Finanztitel ab. Die Anteile von Julius Bär, UBS und Credit Suisse verlieren bis zu 1,7 Prozent.

Auch Versicherungswerte finden sich bei den Verlierern: Die Zurich-Aktie gibt 1,9 Prozent nach. Der Konzern könnte nach den Worten von Konzernchef Mario Greco seine Zielvorgaben übertreffen. "Erwarten Sie von uns, dass wir sehr schweizerisch sind und 2019 liefern und möglicherweise alle diese Ziele übertreffen bis Ende 2019", sagte Greco bei einer Investorenveranstaltung des Versicherers in London. Swiss Life und Swiss Re geben ebenfalls über 1 Prozent nach.

Auch Defensive geben deutlich nach

Unter Abgabedruck standen selbst die als eher krisensicher geltenden Indexschwergewichte: Der Lebensmittelkonzern Nestlé gibt 1,3 Prozent nach. Die Roche-Titel verlieren 1,8 Prozent an Wert. Die US-Arzneimittelbehörde FDA wird die Krebs-Immuntherapie Tecentriq in einem beschleunigten Zulassungsverfahren zur Erstbehandlung einer bestimmten Form von Lungenkrebs prüfen. Die Aktien des Konkurrenten Novartis halten sich mit einem Minus von 1,6 Prozent nur wenig besser.

Vergleichsweise gering fällt das Minus bei wenig konjunktursensiblen Titeln wie dem Aromenhersteller Givaudan und dem Telekomanbieter Swisscom aus.

Am breiten Markt klettern die Aktien des Elektrokomponentenherstellers Schaffner am Tag vor der Veröffentlichung des Jahresabschlusses um 0,4 Prozent. Die Bossard-Aktien brechen dagegen gut 11 Prozent ein, nachdem die Bank Vontobel die Empfehlung für die Schraubenhandelsfirma auf "Reduce" von "Hold" zurückgenommen hatte. Der Liftbauer Schindler leidet unter einer Rückstufung auf "Underweight" von "Equal-Weight" durch den US-Broker Morgan Stanley und wird um knapp 3 Prozent tiefer bewertet.

(Reuters)