Aktien Schweiz - Nervöse Anleger lassen Schweizer Börse tauchen

Die Schweizer Börse hat am Dienstag wegen der anhaltenden Verunsicherung der Marktteilnehmer über die wirtschaftliche und geopolitische Entwicklung deutlich nachgegeben.
23.10.2018 17:40

Der SMI fällt um 1,1 Prozent auf 8767 Punkte. Die Nervosität am Markt nehme zu. Das Angstbarometer, der Volatilitätsindex, steigt kräftig um 12 Prozent.

Ein eigentlicher Auslöser sei nicht zu erkennen, sagt ein Händler. "Es ist viel mehr die Fülle der altbekannten Faktoren, die die Anleger verunsichert." Der Haushaltsstreit zwischen der EU und Italien, der Handelsstreit zwischen den USA und China und der Konflikt zwischen dem Westen und Saudi-Arabien wegen der ungeklärten Todesumstände im Fall des regierungskritischen Journalisten Jamal Khashoggi sowie der mögliche Ausstieg der USA aus dem mit der ehemaligen Sowjetunion getroffenen Abrüstungsvertrag INF vergrault die Anleger. "Die Welt scheint aus den Fugen zu geraten", sagt ein Händler.

Dazu kam eine Reihe von Firmenbilanzen, die nicht ganz den Erwartungen entsprochen hätten. Noch sei von Panik aber nichts zu spüren. Sollte sich der Abwärtstrend beschleunigen, könnte sich dies aber ändern, sagt ein Händler. "Es ist so, als ob die Investoren bei den Firmenberichten gezielt nach dem einen Haar in der Suppe suchen, damit sie eine Begründung dafür finden, um verkaufen zu können", sagt ein Börsianer.

Teils massive Taucher nach Zwischenbilanzen

Die Aktien der GAM Holding sacken nach einem schlechter als erwarteten Zwischenbericht um 17 Prozent ab und markierten kurzzeitig den tiefsten Stand seit März 2009. Der Vermögensverwalter hat milliardenschwere Geldabflüsse verbucht. Die Anleger hätten das Vertrauen verloren und kehren dem Assetmanager den Rücken, heisst es.

Die Aktien von AMS brechen gar 26,3 Prozent ein auf den tiefsten Stand seit Februar 2017. Der Sensorenhersteller hat im dritten Quartal zwar Umsatz und Gewinn stärker als erwartet gesteigert. Die Umsatzprognose für das vierte Quartal liege aber hinter den Markterwartungen zurück, heisst es an der Börse. Auch die Prognose für die Ergebnis-Marge seit tiefer als erwartet, sagt Michael Foeth von der Bank Vontobel. Zusätzlich belaste die mögliche Kapitalerhöhung im Zusammenhang mit der geplanten Handelsaufnahme an der Börse Hongkong den Kurs, heisst es.

Auch das Ergebnis von Schindler kam bei den Anlegern nicht gut an. Die Anteilscheine des Liftherstellers fallen nach einem weniger gut als erwarteten Quartalsbericht um 8,6 Prozent nach unten.

Die Aktien von Logitech büssen 10,7 Prozent ein. Händler sprechen von Gewinnmitnahmen, nachdem Logitech wie erwartet ein gutes Ergebnis vorgelegt habe. Der Hersteller von Computerzubehörgeräten habe es aber verpasst, die Prognose weiter zu erhöhen, sagt ein Börsianer.

Alle Standartwerte im Minus

Sämtliche SMI-Titel lassen Federn. Nur die drei Schwergewichte Nestlé, Novartis und Roche verbuchen Verluste von weniger als 1 Prozent.

Die stärksten Abschläge verzeichnen die Titel des Bauchemiekonzerns Sika mit minus 3,8 Prozent. Der Wert des Pharmazulieferers Lonza sackt um 3,5 Prozent ab. Die Banken Julius Bär, Credit Suisse und UBS verlieren rund 2 Prozent.

Die Aktien des Personaldienstleisters Adecco, der Inspektionsfirma SGS und des Rückversicherers Swiss Re sacken um rund 2,5 Prozent ab. Die Anteile des Elektrotechnikkonzerns ABB, des Zementriesen LafargeHolcim und der Luxusgüterhersteller Richemont und Swatch stehen rund 2 Prozent tiefer.

Am breiten Markt machen die Aktien des Pharmazulieferers Dottikon ES und des Komponentenherstellers Phoenix Mecano die Vortageseinbussen teilweise wett.

(Reuters/cash)