Aktien Schweiz - Nestlé bremst die Schweizer Börse aus

Die Schweizer Börse hat am Donnerstag an den Aufwärtstrend vom Mittwoch angeknüpft. Verkäufe bei der schwergewichteten Nestlé-Aktie haben den Leitindex aber ausgebremst.
15.02.2018 17:45

Die Hoffnung auf eine prosperierende Wirtschaft überwog Inflationssorgen und sorgte für gute Stimmung. Gefragt waren Aktien von zyklischen Firmen und Banken. Dass der Markt aber der Entwicklung in Europa hinterher hinkte, liegt laut Händlern am Marktschwergewicht Nestlé, das nach einem enttäuschenden Jahresergebnis aus den Depots gekippt wurde.

Der SMI notiert zum Handelsschluss mit 8916 Zählern um 0,2 Prozent höher. Am Mittwoch war der Leitindex um 1,7 Prozent gestiegen. Der Volatilitätsindex ermässigte sich um 5,5 Prozent und notiert damit deutlich unter der Marke von 20 Zählern.

Wenig Impulse gingen von den US-Konjunkturdaten aus. Weder die US-Produzentenpreise noch die Konjunkturindizes aus New York und Philadelphia oder die Industrieproduktion konnten die Kurse stärker bewegen. Auch am Vortag perlte der Anstieg der US-Inflation an den Märkten ab und die Kurse legten zu.

Panikkäufe vermeiden

Nach Ansicht der Zürcher Privatbank Maerki Baumann ist kurzfristig weiter mit hoher Marktnervosität zu rechnen. Anleger sollten Panikverkäufe vermeiden. Viele Bewertungen seien im Rahmen der jüngsten Korrektur auf Niveaus von 2016 oder sogar 2015 zurückgefallen. "Dass der Markt der US-Inflation und den Zinsängsten getrotzt hat, zeigt klar, dass die Korrektur überstanden ist", sagt ein Händler.

Gemäss einer Studie von Julius Bär zahlt es sich doppelt aus, auf Dividendentitel zu setzen. Der SMIC, in dem Dividenden miteinbezogen sind, stieg in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 60 Prozent, während der SMI um nicht einmal einen Fünftel zugelegt hat. Zudem würden manche Firmen steuerfreie Dividenden aus Kapitalreserven ausrichten.

Im Fokus standen die Aktien von Nestlé, die um 2,1 Prozent nachgaben, was den SMI aufgrund der hohen Gewichtung im Leitindex um über 30 Zähler drückte. Der Lebensmittelkonzern hat 2017 ein um Sondereffekte bereinigtes organisches Wachstum von 2,4 Prozent verzeichnet und damit die Schätzungen der Analysten von 2,7 Prozent verfehlt. Zudem brach der Gewinn wegen einer Abschreibung im Hautgesundheitsgeschäft um knapp 16 Prozent auf 7,2 Milliarden Franken ein. "Das Wachstum ist eine Riesenenttäuschung", sagt ein Händler. Dies sei das schwächste organische Wachstum seit 1996. Die Qualität der Margenentwicklung sei enttäuschend und die Aktien seien im Branchenvergleich eher hoch bewertet, begründet ZKB-Analyst Patrik Schwendimann den Kursrückgang.

Die Anteile der beiden Pharma-Konzerne Novartis und Roche rücken um 0,4 Prozent vor.

Finanztitel können hohe Aufschläge nicht halten

Die Bankenaktien notieren unter ihrem Tageshoch fester. Höhere Anleihenrenditen verhiessen bessere Ertragsaussichten, heisst es am Markt. Credit Suisse legen 0,6 Prozent zu. Am Vortag veröffentlichte das Institut einen über den Erwartungen liegenden Jahresabschluss. Mehrere Analysten hoben ihr Kursziel an. Die Titel der Rivalin UBS und Julius Bär legten um 0,6 beziehungsweise 1,3 Prozent zu. Versicherer hinkten mit Kursgewinnen von meist weniger als einem halben Prozent hinterher.

Zyklische Aktien wie der Titel des Elektrotechnikkonzerns ABB, des Personalvermittlers Adecco, des Zementherstellers Lafarge-Holcim und des Uhrenproduzenten Swatch erfreuen um bis zu 2 Prozent höherer Kurse.

Addex mit Kapitalerhöhung gesucht

Am breiten Markt fallen die Aktien von Addex mit einem Kursplus von 8,4 Prozent auf. Der Arzneimittelhersteller will das Kapital um 40 Millionen Franken erhöhen und hat sich dafür die Zusage von US-Investoren gesichert.

Santhera klettern um 5,6 Prozent nach oben. Die Pharmafirma geht mit Polyphor eine Lizenzvereinbarung für den Entwicklungskandidat POL6014 ein, der bei Krankheiten wie Mukoviszidose und anderen Lungenbeschwerden zum Einsatz kommt.

Eine Kaufempfehlung von RBC hievt die Aktie von Molecular Partners um 9,4 Prozent in die Höhe. Die Titel der VAT Group erhielten von einer Kaufempfehlung von Kepler Cheuvreux Auftrieb.

(Reuters/cash)