Aktien Schweiz - Nestlé hievt die Schweizer Börse noch in die Gewinnzone

Die Schweizer Börse hat am Mittwoch die anfänglichen Verluste mehr als wettgemacht. Kursgewinne des Marktschwergewichts Nestlé und der anziehende Dollar führten den Markt in die Gewinnzone.
06.12.2017 17:40

Der SMI steht zum Handelsschluss 0,2 Prozent höher auf 9310 Punkten. Das Tagestief markierte der Leitindex im Frühhandel um fast 100 Zähler tiefer.

Die Skepsis über die Auswirkungen der geplanten US-Steuerreform und die zunehmenden Spannungen im Nahen und Fernen Osten dämpften die Aktivitäten, heisst es. Die Anleger verhielten sich einfach vorsichtig. Sie seien aber trotz der volatilen Kurse nicht nervös, heisst es. Der Volatilitätsindex des SMI, das Angstbarometer stieg zwar um 4,4 Prozent, bleibt mit 12,5 Zählern aber deutlich unter dem Jahreshoch von über 18 Punkten. Manche Anleger sicherten sich auch mit Put-Optionen ab.

Die Marktteilnehmer sorgen sich zunehmend um die Entwicklung im Nahen Osten. Sollte Trump Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkennen und den Umzug der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem anordnen, könnte dies die Region in Unruhe versetzen. "Zudem hält das Säbelrasseln über der koreanischen Halbinsel an", sagt ein Marktteilnehmer.

Zur Beruhigung beigetragen haben die Beschäftigtenzahlen der privaten US-Arbeitsagentur ADP. Demnach schuf die Privatwirtschaft mit 190'000 mehr neue Jobs als von Reuters befragte Experten mit 185'000 erwartet hatten. Damit könnte die US-Notenbank Fed angesichts des Booms nächste Woche die dritte Zinserhöhung in diesem Jahr in Angriff nehmen.

Nestlé nach Milliardenzukauf gesucht

Gefragt waren bei den Standardwerten die Aktien von Nestlé, die um 1,2 Prozent steigen. Der Lebensmittelkonzern treibt den Ausbau des Gesundheitsgeschäfts voran und übernimmt für 2,3 Milliarden Dollar in bar die kanadische Firma Atrium Innovations, einen Anbieter von natürlich hergestellten Vitaminen und Nahrungsmittelzusätzen mit einem Umsatz von rund 700 Millionen Dollar. Die Übernahme passe gut zur Strategie von Nestlé, kommentiert ZKB-Analyst Patrik Schwendimann.

Zusätzlich stützen die Gewinne der ebenfalls schwergewichtigen Genussscheine von Roche mit einem Kursplus von 0,9 Prozent. In den USA ist das Roche-Krebsmedikament Avastin zur Behandlung eines aggressiven Gehirntumors zugelassen worden.

Dagegen belasten die Kursabschläge von 0,7 Prozent bei Roche-Rivale Novartis den Markt. Merrill Lynch hat die Empfehlung für das Pharmaschwergewicht auf "Underperform" von "Neutral" zurückgenommen.

Bankaktien europaweit unter Druck

Europaweit unter Druck standen die Aktien der Banken. Der Sektorindex büsst 1 Prozent ein. Die Aktien der UBS sinken um 0,6 Prozent und die der Credit Suisse verlieren 0,8 Prozent an Wert.

Den beiden Grossbanken drohen angesichts der geplanten US-Steuerreform milliardenschwere Abschreibungen. Im Zentrum stehen dabei die Verlustvorträge, die Credit Suisse und UBS während der Finanzkrise in den USA angehäuft haben. "Das ist eigentlich bekannt und soll ja die Dividendenfähigkeit der beiden Institute nicht tangieren", sagt ein Händler.

Uneinheitlich zeigen sich die Anteile von zyklischen Firmen: ABB, Sika, Swatch und Richemont legen zu, Adecco, Lafarge-Holcim und Geberit büssen Terrain ein. Die SGS-Aktien gewinnen 0,5 Prozent. Die Deutsche Bank hob die Empfehlung für den Prüfkonzern auf "Buy" von "Hold" an.

Tech-Werte auf Achterbahnfahrt

Am breiten Markt steigen die Aktien von Meyer Burger um 0,6 Prozent. Ein Grossteil der Gläubiger der Wandelanleihe 2020 ist der Aufforderung des Solarindustrie-Zulieferers zur Wandlung gefolgt.

AMS, Temenos und Logitech setzen im Fahrwasser der US-Technologiewerte die wilde Achterbahnfahrt fort und geben nach.

Die Wisekey-Titel steigen um 4,2 Prozent. Die Cybersicherheitsfirma bringt eine Uhr auf den Markt, mit der kontaktloses Bezahlen mit Kryptowährungen wie Bitcoin möglich sein soll.

(Reuters/cash)