Aktien Schweiz - Nordkorea-Streit beschert Schweizer Börse grossen Wochenverlust

Die Schweizer Börse hat zum Wochenschluss erneut nachgegeben. Wegen des immer schärferen verbalen Schlagabtauschs zwischen Nordkorea und den USA fassten die Anleger Aktien nur mit spitzen Fingern an.
11.08.2017 17:40

"Die Situation ist sehr unsicher. Keiner weiss, was über das Wochenende alles passieren", sagt ein Händler. Viele Investoren würden daher auf Nummer sicher gehen und jüngst erzielte Kursgewinne einstreichen.

Der SMI liegt zum Börsenschluss 0,7 Prozent im Minus bei 8884 Punkten. Mit einem Minus von 3,2 Prozent verzeichnet der Leitindex den grössten Wochenverlust im laufenden Jahr.

Der Krieg der Worte hat die Aktienanleger in den vergangenen Tagen weltweit eine Billion Dollar gekostet. Die Nervosität widerspiegelt sich auch im Volatilitätsindex: Das Angstbarometer schiesst 13 Prozent auf den höchsten Stand seit April hoch. Die Marktteilnehmer seien allerdings nicht panisch, erklärt ein Händler. Manch ein Investor nehme die politischen Spannungen auch einfach zum Anlass, seine Gewinne einzustreichen. Das Kursniveau sei inzwischen doch stolz. "Die Hausse ist etwas in die Jahre gekommen", sagt ein Händler. Trotzdem sei eine Erholung in der kommenden Woche denkbar. "Politische Börsen haben meist kurze Beine", sagt ein anderer Börsianer.

Frische Impulse erhoffen sich die Marktteilnehmer von den Notenbanken. Kommende Woche werden die Protokolle der jüngsten geldpolitischen Beratungen der US-Notenbank und der Europäischen Zentralbank (EZB) veröffentlicht. Von diesen werden Hinweise auf den Zeitpunkt einer Straffung der Geldpolitik erhofft.

Sika hält dagegen

Mit Ausnahme der Sika-Aktien, die um 0,5 Prozent steigen, geben die Standardwerte nach. Die stärksten Einbussen verzeichnen Bankaktien und Anteile zyklischer Firmen. Die Banken Credit Suisse und UBS sowie die Versicherungen Swiss Life und Zurich büssen zwischen 0,8 und 1,5 Prozent an Wert ein. Die Aktien des Vermögensverwalters Julius Bär verlieren 1,6 Prozent.

Die Titel des Zementproduzenten Lafarge-Holcim, des Pharmazulieferers Lonza, der Prüffirma SGS sowie der Luxusgüterhersteller Richemont und Swatch geben bis zu 1 Prozent nach.

Etwas besser halten sich die Anteile der als krisensicher geltenden Pharma-Schwergewichte. Novartis und Roche verlieren 0,7 und 0,3 Prozent. Die Nestlé-Aktien sinken hingegen um 1 Prozent.

Schmolz+Bickenbach leiden unter Gewinnmitnahmen

Am breiten Markt büssen die Aktien von Schmolz+Bickenbach 4,4 Prozent ein. Ein Händler spricht von Gewinnmitnahmen nach einem guten Ergebnis. "Der Kurs hat das bereits vorweggenommen." Der Stahlkonzern schloss im ersten Halbjahr besser als erwartet ab und hob die Jahresprognose an.

Die Aktien der VZ Holding schwächen sich leicht ab. Der Finanzdienstleister übertraf im ersten Halbjahr die Ergebniserwartungen, heisst es.

Die Aktien des Mischkonzerns Conzzeta verlieren 4,7 Prozent. Die Titel der Industriegruppe Dätwyler legen 0,1 Prozent zu. Die Zwischenbilanzen der beiden Firmen entsprachen den Erwartungen.

Die Aktien von Meyer Burger fallen um 2,7 Prozent ab. Der Solarindustrie-Zulieferer legt kommende Woche seinen Zwischenbericht vor. Der Kurs hat sich dieses Jahr mehr als verdoppelt.

(Reuters/cash)