Aktien Schweiz - Nordkorea-Streit hat Schweizer Börse im Griff

Die Angst vor einer Eskalation des Konflikts zwischen den USA und Nordkorea hat am Donnerstag die Schweizer Börse belastet. Im Sog einer schwachen Eröffnung an der Wall Street weiteten sich die Verluste noch aus.
10.08.2017 17:40

Die Anleger würden zunehmend nervös, sagen Händler. Auch Investoren, die die jüngste Hausse verpasst und daher eigentlich auf tiefere Kurse gewartet hätten, wagten sich nicht aus der Deckung. Der Volatilitätsindex, das Angstbarometer der Börse, steigt kräftig um 13 Prozent. Auch der Preis der Krisenwährung Gold und der Franken legen zu. "Die Anleger beginnen sich abzusichern", sagt ein Händler.

Der SMI büsst bis Börsenschluss 0,9 Prozent auf 8950 Punkte ein. Am Mittwoch war der Leitindex schon um 1,5 Prozent gefallen.

Die Regierung in Pjöngjang hat ihre Drohungen gegen die USA konkretisiert und will Raketen nahe dem amerikanischen Überseegebiet Guam in den Pazifik stürzen lassen. US-Verteidigungsminister Jim Mattis sagte, dass das Vorgehen der Regierung in Pjöngjang zu ihrem eigenen Ende und zur Vernichtung ihrer Bevölkerung führen könnte.

Adecco stürzen nach Zahlen ab

Abgesehen von der Politik standen die zahlreichen Quartalsberichte im Zentrum des Interesses der Marktteilnehmer. Die Aktien des Personalvermittlers Adecco brechen um 6,4 Prozent ein. Der Weltmarktführer steigerte den Gewinn im zweiten Quartal um 1 Prozent auf 192 Millionen Euro und erfüllte damit die Schätzungen der Analysten nur knapp. Mit 5 Prozent Umsatzplus wuchs der Konzern im zweiten Quartal langsamer als erwartet und auch langsamer als die Konkurrenten Randstad und Manpower. "Das Wachstum hat enttäuscht", sagt ein Händler.

Der Zwischenbericht von Zurich Insurance wurde zwar etwas wohlwollender aufgenommen. Die Aktie schwächt sich aber trotzdem um 0,4 Prozent ab. Der Versicherungskonzern erzielte im zweiten Quartal einen Gewinn von 896 Millionen Dollar, 21 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Analysten hatten im Schnitt nur einen Nettogewinn von 790 Millionen Dollar prognostiziert.

Sämtliche Standardwerte geben nach. Die Aktien von UBS, Richemont, SGS, Swisscom, Nestlé und Novartis verlieren bis zu 0,7 Prozent und halten sich damit etwas besser als der Markt. Die Genussscheine von Roche geben 0,8 Prozent nach.

Grosse Verluste für Versicherer

Starke Verluste verbuchen die Aktien der Versicherer Swiss Re und Swiss Life mit einem Minus von 1,8 Prozent. Die Aktien der Credit Suisse sacken 1,6 Prozent ab.

Die Aktien des Duft- und Aromaherstellers Givaudan, sowie des als zyklisch geltenden Zementriesen Lafarge-Holcim und des Elektrotechnikkonzerns ABB fallen mit Kurseinbussen um rund 1 Prozent auf.

Am breiten Markt tendierten die Papiere der Lagerlogistikfirma Kardex und des Bauzulieferers Arbonia deutlich niedriger. Beide Firmen hätten mit ihren Ergebnissen die Markterwartungen enttäuscht, sagt ein Händler.

Die Aktien von Valiant sinken um 1,2 Prozent. Die Regionalbankgruppe hat im ersten Halbjahr den Reingewinn um ein Prozent auf 52,2 Millionen Franken gesteigert. Das Ergebnis sei wie erwartet.

Auch Basilea nach Zahlen im Verkauf

Die Aktien von Basilea fallen um 4,1 Prozent. Der Arzneimittelhersteller hat im ersten Halbjahr den Verlust auf 20,6 Millionen Franken verringert von 27,9 Millionen Franken Fehlbetrag im gleichen Zeitraum 2016. Händler sprechen von Gewinnmitnahmen.

Gesucht sind die Anteile von Lastminute. Das Online-Reisebüro erwägt bis zu einen Drittel der ausstehenden Aktien zurückzukaufen. Auf einer Generalversammlung sollen die Aktionäre darüber befinden.

(Reuters)