Aktien Schweiz - Schwacher Franken und starke Zahlen geben Schweizer Börse Auftrieb

Gute Firmenergebnisse und der schwächere Franken haben am Donnerstag der Schweizer Börse Schub verliehen. Der Franken sank zum Euro auf den tiefsten Stand seit der Aufgabe des Euro-Mindestkurses im Januar 2015.
27.07.2017 17:40
Dank schwächerem Franken verbessern sich die Aussichten für Schweizer Unternehmen mit Exportgütern (Blick über den Rhein auf den Roche-Turm im Kleinbasel).
Dank schwächerem Franken verbessern sich die Aussichten für Schweizer Unternehmen mit Exportgütern (Blick über den Rhein auf den Roche-Turm im Kleinbasel).
Bild: cash

Dies sorgte laut Händlern für eine gute Stimmung bei den Marktteilnehmern, macht doch ein tieferer Frankenkurs die Produkte der Schweizer Firmen auf dem Weltmarkt attraktiver. Der SMI steigt bis Börsenschluss um 0,3 Prozent auf 9018 Zähler. Am Mittwoch hatte der Leitindex 0,5 Prozent gewonnen.

Händler sagen, die brummende Konjunktur in Europa und die Signale der US-Notenbank Fed, bald mit dem Abbau ihrer durch Anleihenkäufe aufgeblähten Bilanz anzufangen, belasteten den Franken. Dazu kämen Spekulationen, die Schweizerische Nationalbank (SNB) könnte der Bewegung gezielt nachhelfen. "Und plötzlich war es soweit, der Franken schnellte über die Widerstandszonen bei 1,11 und 1,12 Franken hinaus", sagt ein Händler. Darauf hätten Deckungskäufe den Anstieg beschleunigt.

Ansonsten kamen Impulse für das Geschäft vor allem von Firmenergebnissen aus dem In- und Ausland. Dabei habe die Mehrheit der Firmen die Erwartungen erfüllt oder gar übertroffen.

Dank des ermutigenden Auftakts der Bilanzsaison rechnen Experten nun damit, dass die Gewinne der im S&P 500 notierten Firmen im zweiten Quartal im Schnitt um 9,9 statt 8 Prozent zugelegt haben.

Einzige Enttäuschung Nestlé

"Enttäuscht hat eigentlich nur Nestlé", sagt ein Händler. Die Aktie des Lebensmittelriesen notiert um 1 Prozent tiefer. Zunächst war der Titel um mehr als 2 Prozent gefallen. Nestlé ist im ersten Halbjahr mit 2,3 Prozent organisch weniger stark gewachsen, als Analysten erwartet hatten. Der Nettogewinn stieg in der ersten Jahreshälfte um 19 Prozent auf 4,9 Milliarden Franken. Für 2017 rechnet Nestlé mit einem organischem Wachstum in der unteren Hälfte der Spanne von 2 bis 4 Prozent.

Mit Roche legte ein weiteres Schwergewicht Zahlen vor. Der Pharmakonzern erhöht nach einem starken Halbjahr seinen Ausblick. Neu peilt Roche 2017 einen Anstieg der Verkaufserlöse um einen mittleren einstelligen Prozentbetrag an. Bisher hatte Roche ein Plus um einen niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbetrag in Aussicht gestellt. Im ersten Halbjahr kletterte der Gewinn um 2 Prozent auf 5,58 Milliarden Franken. Der "Bon Roche" steigt um 0,2 Prozent.

Pharmaschwergewicht Novartis legt 1,2 Prozent zu und Idorsia steigt um 1,9 Prozent.

Der Pharmazulieferer Lonza baut die Vortagesgewinne dank mehrerer Kurszielerhöhungen und Kaufempfehlungen aus. Der Titel war am Mittwoch nach Bekanntgabe des Halbjahresberichts und einer Prognoseanhebung um fast 8 Prozent gestiegen.

Zahlen veröffentlicht haben auch der Bauchemiekonzern Sika, der Chemiekonzern Clariant, die Bank Vontobel, der IT-Logistiker Also und die Maschinenbauer Bobst und Starrag. Ihre Ergebnisse seien gut, aber bei Vontobel und Starrag komme es zu Gewinnmitnahmen. Sie büssen Terrain ein. Die anderen Titel dagegen setzen ihren Aufwärtstrend fort.

Vorsicht bei Grossbankaktien vor Zahlenveröffentlichung

Bei den Grossbanken, die am Freitag ihren Halbjahresabschluss veröffentlichen, nahmen die Anleger den Fuss vom Gas. Die Aktie von Credit Suisse schwächt sich um 0,3 Prozent ab, während UBS um 0,6 Prozent zulegen können. Die Aktien von Julius Bär sind weiterhin gefragt und steigen um 2,5 Prozent. Der Vermögensverwalter hatte am Montag die Investoren mit guten Zahlen erfreut.

Die Assekuranzwerte verbuchen Kursgewinne von mehr als einem halben Prozent.

Die Mehrheit der zyklischen Werte legte zu. Der Elektrokonzern ABB, der Personaldienstleister Adecco und die Sanitärtechnikfirma Geberit gewinnen um eine halbes Prozent.

Die Luxusgüterhersteller Richemont und Swatch, denen ein schwächer Franken sehr zugute kommt, ziehen um 1,5 und 2,3 Prozent an.

(Reuters)