Aktien SchweizSchweizer Anleger streichen im grossen Stil Gewinne ein

Der Streit des Emirats Katar mit seinen arabischen Nachbarn sowie die bevorstehende Wahl in Grossbritannien und Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) haben Schweizer Börse ins Minus gedrückt.
06.06.2017 17:45

Die Anleger strichen am ersten Handelstag nach Pfingsten auf breiter Front ihre Gewinne ein. Merklich belastet wurde der Markt von der Roche-Kursschwäche: Die Titel des Index-Schwergewichts brachen nach enttäuschenden Studienresultaten für ein wichtiges Medikament ein. Der SMI verliert 1,5 Prozent auf 8908 Zähler.

Angesichts der politischen Spannungen im Nahen Osten gingen die Anleger auf Nummer sicher, sagen Händler. Am Wochenende haben mehrere mächtige Länder der Region den Golfstaat Katar wegen des Vorwurfs der Terrorismusunterstützung unter Druck gesetzt. Saudi-Arabien, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain brachen ihre diplomatischen Verbindungen zu dem Land ab. Der Ölpreis gab nach und rutschte unter der kritischen Marke von 50 Dollar je Fass.

Für Nervosität sorgte zudem der nahende "Super-Donnerstag" an dem in Grossbritannien gewählt wird und die EZB-Spitze über den weiteren geldpolitischen Kurs entscheidet.

Roche-Bons tauchen nach Studienenttäuschung

Die Roche-Genussscheine stürzen 5,5 Prozent ab und zeichnen für den grössten Teil des SMI-Rückgangs verantwortlich. Die von dem Arzneimittelhersteller am Krebsmedizinerkongress ASCO veröffentlichte klinischen Testergebnisse zum Medikament Perjeta werfen Fragen zum Umsatzpotenzial des Brustkrebsmittels auf. Die Daten zeigen, dass weniger Patientinnen als erwartet von dem Präparat profitierten. Den Ergebnissen der Phase-III-Studie zufolge verringert eine Kombination aus den Mitteln Perjeta, Herceptin und einer Chemotherapie das Risiko einer Rückkehr der Krankheit nach einer Operation um 19 Prozent. Kepler Cheuvreux senkt die Prognose für den Spitzenumsatz für diese Indikation auf 1,5 von 3,5 Milliarden Franken.

Ein Händler spricht von einer übertriebenen Reaktion. "Wenn einer der grosskapitalisierten Titel so unter Druck stand, hat es sich mittel- bis längerfristig meistens ausgezahlt, wenn man die Papiere aufgelesen hat."

Die Aktien von Roche-Rivalin Novartis schwächen sich um 0,8 Prozent ab. Etwas Unterstützung kommt vom dritten SMI-Schwergewicht: Die Anteile von Nestlé steigen um 0,5 Prozent. Sie erreichten zwischenzeitlich bei 83,65 Franken einen Höchstwert.

CS-Aktie wegen Katar-Krise unter Druck

Bei den Aktien der Banken geben Credit Suisse 1,3 Prozent nach. Händler weisen darauf hin, dass Katar der grösste Aktionär der CS ist und über Aktien und Zwangswandelanleihen knapp einen Fünftel der zweitgrössten Schweizer Bank besitzt.

Julius Bär büssen 1,0 Prozent an Wert ein. UBS schlagen sich mit einem Minus von 0,6 Prozent leicht besser. Auch die Versicherungswerte verlieren mehrheitlich.

Ebenso neigen zyklische Werte zur Schwäche. Der Elektrotechnikkonzern ABB verliert 1,1 Prozent an Wert und der Zementproduzent Lafarge-Holcim 1,9 Prozent. Die Anteile des Personalvermittlers Adecco sinken um 1,7 Prozent, die Titel der Luxusgüterhersteller Richemont und Swatch büssen 3,3 und 3,7 Prozent ein.

Burckhardt nach Dividendenkürzung im Verkauf

Am breiten Markt brechen die Aktien von Burckhardt 10,5 Prozent ein. Der Gewinn des Kompressorenherstellers sank im abgelaufenen Geschäftsjahr um fast ein Drittel auf 37,9 Millionen Franken verzeichnet und das Unternehmen kürzt die Dividende. Zudem warnte die Burckhardt vor tiefere Gewinnmargen.

Die Aktien von Meyer Burger klettern 6,8 Prozent auf 1,26 Franken. Die Bank Vontobel hat das Kursziel auf 1,19 von 0,89 Franken erhöht.

Die Anteile von SFS profitieren von einer Kaufempfehlung und Kurszielerhöhung der UBS und steigen um 2,3 Prozent.

Die Tornos-Titel legen bei überdurchschnittlichen Umsätzen 6,8 Prozent zu. Vorübergehend stieg der Kurs der Drehautomaten-Firma auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren.

(Reuters)