Aktien Schweiz - Schweizer Börse auf Konsolidierungskurs

Die Schweizer Börse hat am Freitag keine grösseren Kursausschläge verzeichnet. Der Markt sei nach Wochen steigender Kurse auf einen Konsolidierungskurs eingeschwenkt, sagen Händler.
20.10.2017 17:40

"Nach dem steilen Anstieg war eine Atempause nötig." Die Aussichten würden aber meist positiv eingeschätzt. Der SMI notiert zum Handelsschluss bei 9237 Punkten praktisch auf Vortagesstand. Erstmals seit fünf Wochen steigender Kurse verbucht der Leitindex damit eine negative Wochenbilanz. Seit Anfang September hat der SMI allerdings über 5 Prozent zugelegt.

Händler sagen, die Hoffnung auf einen Wirtschaftsboom in den USA könnte in den kommenden Wochen die Aktienkurse anschieben. Am Donnerstag hatte der US-Senat einem Entwurf der Steuerreform von Präsident Donald Trump zugestimmt.

Auch der schwächelnde Franken, der Schweizer Produkte auf dem Weltmarkt konkurrenzfähiger mache, dürfte helfen.

Der Optimismus könnte allenfalls von der Katalonien-Krise gedämpft werden. Dies sei auch ein Grund dafür gewesen, dass sich die Anleger zum Wochenschluss zurückgehalten hätten.

Nachdem die katalanische Regionalregierung am Donnerstag ein zweites Ultimatum ignoriert hatte, sich klar zur Einheit Spaniens zu bekennen, droht der Region die Zwangsverwaltung durch die Zentralregierung in Madrid.

Roche-Bons sacken weiter ab

Eine festere Tendenz verhinderten auch Kurseinbussen bei den schwergewichtigen Genussscheinen des Pharmakonzerns Roche. Der "Bon Roche" rauscht um 1,8 Prozent in die Tiefe. Händler sprechen von Anschlussverkäufen. Am Donnerstag war der Titel nach Veröffentlichung des Quartalsberichts unter Druck geraten. Wegen der zunehmenden Bedeutung von gewissen Nachahmerprodukten drohe Roche die Gefahr, nicht mehr an die alte Wachstumsstärke anknüpfen zu können. Zudem hatten HSBC und die Deutsche Bank das Kursziel für die Titel reduziert.

Die Aktien von Novartis sind leicht im Plus. Der Roche-Grossaktionär legt am Dienstag den Zwischenbericht vor.

Nestlé rutschen um 0,5 Prozent ab, was den Gesamtmarkt zusätzlich belastet. Die Aktie sackt schon am Donnerstag nach einem verhaltenen Ausblick ab.

Finanzwerte gesucht

Gefragt waren Finanzwerte. An die Spitze setzen sich die Aktien der Grossbank Credit Suisse mit plus 2,3 Prozent. Händler sprechen von spekulativen Käufen. Die Bank ist ins Visier des aktivistischen Hedgefunds RBR geraten, der das Institut aufspalten und in separaten Teilen an die Börse bringen will.

Die Titel von Rivalin UBS sowie des Vermögensverwalters Julius Bär legen 1,5 und 1,2 Prozent zu. Die Aktien von GAM gewinnen 1,3 Prozent und machen die Einbussen vom Vortag fast wett.

Gefragt waren auch Aktien der Versicherer: Swiss Re steigen um 1,7 Prozent. Die jüngsten Hurrikane und die Erdbeben in Mexiko kosten den Rückversicherer im dritten Quartal rund 3,6 Milliarden Dollar. Davon entfallen 175 Millionen Dollar auf die beiden Erdbeben in Mexiko. Die Anleger kauften die Aktien, weil die Gesellschaft trotz der Milliardenkosten keine Abstriche bei den eigenen Plänen machen müsse, heisst es am Markt.

Auch die Anteile von Zurich reihen sich mit plus 1,1 Prozent in die Gewinnerliste ein. Zurich hatte am Donnerstag mitgeteilt, die Gruppe erwarte, dass die jüngsten Wirbelstürme mit Schäden von rund 700 Millionen Dollar zu Buche schlagen und die finanzielle Stärke und Flexibilität des Konzerns nicht wesentlich beeinflussen würden.

"Mit anderen Worten, wir können wiederum von beiden Versicherern eine schöne Dividende erwarten", sagt ein Händler.

Schnäppchenjäger schlagen zu

Die Aktien zyklischer Firmen legen meist zu. ABB, Clariant, Adecco und Lafarge-Holcim steigen 1 Prozent und mehr.

Bei Aktien aus der zweiten Reihe, die am Vortag aufgrund von Gewinnmitnahmen stark gefallen waren, griffen laut Händler Schnäppchenjäger zu. Goldbach, Jungfraubahn und Coltene steigen um mehr als 3 Prozent. Die Aktien von Schmolz+Bickenbach gewinnen nach einer Kaufempfehlung der UBS 3,4 Prozent.

(Reuters)