Aktien Schweiz - Schweizer Börse baut Verluste aus

Der Schweizer Aktienmarkt steht am Dienstagmittag klar im Minus und hat damit nach einem freundlichen Handelsstart die bereits in der ersten Stunde eingefahrenen Verluste noch ausgebaut.
18.04.2017 12:35

Zu Beginn hatten die guten Vorgaben aus den USA vom Montag, wo im Gegensatz zur Schweiz gehandelt wurde, sowie starke Konjunkturdaten aus China noch gestützt. Rasch hat aber die vorsichtige Haltung aufgrund der weltpolitischen Spannungen vor allem um Nordkorea wieder Oberhand gewonnen. Im weiteren Tagesverlauf könnten neue Konjunkturdaten aus den USA unter anderem aus dem Industriesektor die Märkte noch etwas beschäftigen.

Die Konjunkturlage präsentiere sich derzeit zwar global gesehen anhaltend vorteilhaft, heisst es in einem Kommentar der Zürcher Kantonalbank. Nach den kräftigen Gewinnen im Anschluss an die Wahl Trumps sei aber seit Ende Februar eine gewisse Zurückhaltung bei den Investoren festzustellen. Zudem mahne auch die Saisonalität unter dem Stichwort "Sell in May" zu Vorsicht. Als weiteren Hemmfaktor macht die ZKB die anstehenden Wahlen in Frankreich aus, sie prognostiziert diesbezüglich aber gleichzeitig einen für die Finanzmärkte glimpflichen Ausgang.

Der SMI notiert gegen Mittag 0,7% tiefer bei 8568 Punkten. Der 30 Titel umfassende SLI, in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, gibt 0,8% auf 1363 Punkte nach und der breite SPI 0,6% auf 9646 Punkte. Von den 30 wichtigsten Titeln notieren 26 im Minus.

Credit Suisse wegen Boni-Diskussion im Fokus

Im Fokus stehen zum Wochenbeginn Credit Suisse, die mit einem Minus von 2,0% zu den schwächsten Aktien gehören. Nachdem die Bank am Karfreitag einen freiwilligen Verzicht der Konzernleitung auf Teile der Vergütung bekanntgegeben und sich VR-Präsident Urs Rohner dazu erklärt hatte, hat sie am Dienstag nun bereits die angepassten Vergütungstraktanden für die anstehende Generalversammlung publiziert. Ob der Vergütungsbericht an der GV angenommen wird, scheint aber noch immer ungewiss. Zumindest die US-Aktionärsvertreter ISS und Glass Lewis lehnen diesen noch immer ab. Am Markt beschäftigt allerdings eher die Kapitalsituation der Grossbank und was dahingehend geplant ist. Die Bank Vontobel beispielsweise verweist darauf, dass diese Frage noch immer offen sei.

Nicht besser als CS halten sich UBS (-2,0%). Die Grossbankentitel stehen zusätzlich unter Beobachtung, weil am Nachmittag die Bank of America und Goldman Sachs Angaben zum ersten Quartal machen werden. Julius Bär (-3,0%, -1,48 Franken) führen die Verliererliste lediglich wegen des Abgangs der Dividende im Umfang von 1,20 Franken an.

ABB büssen ebenfalls 1,7% und damit klar ein, dies im Vorfeld der Quartalszahlen vom kommenden und im Nachgang zur GV vom vergangenen Donnerstag, wo eine überraschend hohe Zahl von Aktionären den Vergütungsbericht und die Entlastung des Verwaltungsrats abgelehnt hatte.

Weiter geben mittlerweile auch konjunktursensitive Aktien wie Lafarge-Holcim und Adecco (je -1,6%) oder Aryzta (-1,7%) deutlicher nach als noch im frühen Geschäft.

Defensive Werte gefragt

Auf der Gewinnerseite finden sich einzig die defensiven Swisscom (+0,5%) und Bâloise (+0,2%), während für Givaudan (unv.) Berenberg das Kursziel bei unverändertem Rating "Hold" etwas erhöht hat.

Im breiten Markt stechen Von Roll mit einem weiteren Plus von 5,2% heraus, dies nachdem der Kurs bereits in der Vorwoche im Zusammenhang mit Quartalszahlen stark angezogen und die Region von unter 1 Franken verlassen hatte. Zum Wochenbeginn erhält der Titel Rückenwind von einer positiven Erwähnung in einem Börsenkommentar in der Wochenendpresse.

Die GAM-Aktien büssen nach der überraschenden Publikation von Erstquartalsresultaten nach freundlichem Beginn mittlerweile klar an Terrain ein. Analysten attestieren dem Management, es habe Verbesserungen erreicht. Die Tonalität der Kommentare ist jedoch unterschiedlich. An der kommenden GV sehen sie den amtierenden Verwaltungsrat im Streit mit dem Hedgefonds RBR in der Favoritenrolle. Nach der Mitteilung des Unternehmens vom letzten Donnerstag, wonach Grossaktionär Silchester (Anteil von gut 19%) bei den Wahlen im Sinne des Verwaltungsrats abstimmen wolle, sei es ziemlich unwahrscheinlich, dass RBR mit seinen Vorschlägen durchdringen werde, heisst es am Markt.

(AWP)