Aktien Schweiz - Schweizer Börse baut Verluste aus

Der Schweizer Aktienmarkt notiert am Mittwochmittag nach wie vor deutlich im Minus. Der Leitindex SMI hat die Verluste im Verlauf des Vormittags sogar noch ausgebaut.
09.08.2017 12:55

Dabei rutschte er zeitweise bis auf wenige Zähler auf die symbolisch wichtige Marke von 9000 Punkten ab. Als Grund gilt das Säbelrasseln zwischen Nordkorea und den USA. Die nordkoreanischen Streitkräfte drohten in der Nacht den Vereinigten Staaten mit einem Raketenangriff auf die US-Pazifikinsel Guam, nachdem US-Präsident Donald Trump dem Land zuvor indirekt militärische Gewalt angedroht hatte.

Experten wollen die Kurseinbussen gleichwohl nicht überbewerten. "Wir sind weit entfernt von einer Panik", meint ein Händler. Der SMI bewege sich trotz der gegenwärtigen Einbussen im Trading-Range, den er seit Monaten nicht verlassen habe. Analysten verwiesen zudem auf die deutlichen Gewinne der letzten Zeit, die den SMI noch am Montag (intraday) auf ein Jahreshoch getrieben hatten. "Es ist gut möglich, dass sich die Lage bald wieder beruhigt und die tieferen Kurse als gute Einstiegsmöglichkeit gesehen werden", lautet daher das Fazit eines Händlers.

Der SMI verliert bis zur Mittagszeit 1,5% auf 9022 Punkte, das Intraday-Jahreshoch vom Montag von 9198 Zählern ist damit in weite Ferne gerückt. Der 30 Aktien umfassende SLI, in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, gibt 1,7% auf 1440 und der breite SPI 1,5% auf 10'273 Zähler nach. Alle SMI/SLI-Werte notieren im Minus.

Franken wieder stärker

Die Eskalation zwischen den USA und Nordkorea liess auch den Franken wieder etwas erstarken, was die Stimmung an der hiesigen Börse ebenfalls belastet. Der EUR/CHF-Kurs rutschte zeitweise unter die 1,13er Marke, der USD/CHF-Kurs fiel derweil unter die Grenze von 0,97. Ein Spiegel der aktuellen Stimmung ist auch der Volatilitätsindex VSMI, der inzwischen um 14% anzieht. Er gilt als Angstbarometer der Börse.

Die deutlichsten Verluste bei den Bluechips erleiden aktuell Swiss Life (-3,0%). Zum Versicherer kursieren Gerüchte, er wolle in Spanien ein grösseres Immobilienportfolio übernehmen.

Generell haben es Finanzwerte schwer: So verlieren dahinter CS (-2,8%) und Julius Bär (-2,5%) am meisten. Und auch Bâloise (-2,2%), UBS (-2,1%) sowie Zurich (-2,0%) zählen zum Kreis der Titel mit Abgaben von 2% und mehr. Finanztitel reagieren bekanntlich häufig sensibel auf geopolitische Spannungen.

Abgesehen davon büssen nur noch die zyklischen Lafarge-Holcim (-2,3%) und die stets volatilen Aryzta (-2,1%) mehr als 2% ein.

Klare Verluste erleiden auch Givaudan (-1,9%). Der Aromen- und Riechstoffhersteller bekommt die mässigen Resultate der Konkurrenz zu spüren. So hat die deutsche Symrise im ersten Halbjahr vor allem mit der Margenentwicklung enttäuscht. Auch bei Swatch (-1,9%) wirken sich nebst dem stärken Franken enttäuschende Zahlen eines Konkurrenten (Fossil) aus.

Auch krisensichere Schwergewichte im Minus

Bei den Schwergewichten schneidet der Pharmakonzern Roche (-0,9%) etwas besser ab als Nestlé (-1,3%) und Novartis (-1,5%). Roche ist mit dem US-Biopharma-Unternehmen Dermira eine Lizenzvereinbarung für seinen Asthma-Produktkandidaten Lebrikizumab eingegangen. Das US-Unternehmen leistet zunächst eine Einmalzahlung an den Basler Konzern in Höhe von 80 Millionen Dollar, je nach Erfolg winken Meilensteinzahlungen von bis zu etwas mehr als 1 Milliarde Dollar.

Verluste von weniger als 1% erleiden nebst Roche einzig Lonza (-0,7%) und vor allem Swisscom (-0,4%). Die Telekompapiere gelten mit ihrer geringen Volatilität und der hohen Dividendenrendite als vergleichsweise krisenfest.

Auch am breiten Markt liegen kaum Nachrichten vor. Nur die Energiedienst Holding (+1,2%) hat eine Mehrheitsbeteiligung am Oberwalliser Start-up Winsun bekannt gegeben, was offensichtlich gut ankommt. Im Fokus sind weiterhin Swissquote, die am Vortag nach der Zahlenvorlage um 14% angezogen hatten und nun infolge Gewinnmitnahmen 3,3% einbüssen.

(AWP)