Aktien Schweiz - Schweizer Börse bricht am späten Nachmittag ein

Die Schweizer Börse hat am Donnerstag gegen Börsenschluss deutlich nachgegeben. Belastet wurde der Markt vor allem von Gewinnmitnahmen in den Aktien des Marktschwergewichts Nestlé.
08.06.2017 17:40

Der Zinsbeschluss der Europäischen Zentralbanken (EZB) sorgte kurzzeitig für einen volatilen Kursverlauf. Der SMI fällt um 0,7 Prozent auf 8812 Punkte. Die ist der tiefste Stand seit Ende April. Am Mittwoch war der Leitindex um 0,4 Prozent gefallen.

Die EZB beliess wie im Markt erwartet den Leitzins für die Euro-Zone auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Die EZB gab aber die Option auf noch niedrigere Zinsen auf. EZB-Chef Mario Draghi bezeichnete die Risiken für das Wachstum erstmals seit langem zudem als ausgeglichen. Darauf zogen an den Bondmärkten die Renditen etwas an.

Da mit der Anhörung des geschassten FBI-Chefs James Comey und den Unterhauswahlen in Grossbritannien weitere Unwägbarkeiten bevorstanden, belebte sich das Geschäft nach der EZB nur vorübergehend ein wenig. Die Anleger scheuten Risiken, heisst es. "Es dürfte eher zu Gewinnmitnahmen kommen", sagt ein Börsianer. Die Wahlergebnisse in Grossbritannien werden erst in der Nacht auf Freitag erwartet.

Starker Druck lastet auf den Aktien von Nestlé. Gewinnmitnahmen lassen den Lebensmittlerwert, der mit gut einem Fünftel im SMI gewichtet ist und der kürzlich noch auf ein Rekordhoch gestiegen war, um 2,2 Prozent absacken. "Die Gewinnmitnahmen erfassen nun auch noch den letzten Pfeiler, der bisher den Abgaben getrotzt hat", sagt ein Händler.

Auch Swatch-Aktie taucht

Die Aktien des Uhrenherstellers Swatch büssen ebenfalls 2,2 Prozent ein. Die Papiere von Mitbewerber Richemont verlieren 0,4 Prozent. Die drei Titel haben sich im laufenden Jahr überdurchschnittlich gut entwickelt.

Gefragt waren die Aktien zyklischer Firmen, die nach Ansicht von Händlern von den verbesserten Konjunkturaussichten profitierten. Gewinne verzeichnen die Aktien des Personalvermittlers Adecco, des Zementproduzenten Lafarge-Holcim und des Elektrotechnikkonzerns ABB mit Kurszuwächsen von 0,4 bis 1,2 Prozent Prozent.

Die Aktien der Banken Credit Suisse und UBS schwächen sich 0,3 und 0,8 Prozent ab. Die Credit Suisse hat die zweite milliardenschwere Kapitalerhöhung in nur eineinhalb Jahren unter Dach und Fach gebracht. Die zweitgrösste Schweizer Bank sammelte bei bestehenden und neuen Aktionären netto 4,1 Milliarden Franken ein.

Ebenfalls leichte Einbussen müssen die beiden Pharmatitel Novartis und Roche hinnehmen. Eine experimentelle Immuntherapie von Novartis verspricht Hoffnung für Patienten mit einer aggressiven Form von Blutkrebs. In einem klinischen Test sprachen 45 Prozent der Patienten auf die Behandlung mit dem Wirkstoff CTL019 an, bei 37 Prozent waren nach der dreimonatigen Therapie keine Krankheitssymptome mehr festzustellen.

Leclanché nach angekündigter Kapitalerhöhung gesucht

Am breiten Markt schnellen die Aktien von Leclanché 7,6 Prozent hoch. Das Management des Batterieherstellers prüft mehrere Optionen zur Kapitalbeschaffung, darunter eine Aktienemission, eine Privatplatzierung und einen zusätzlichen Börsengang in den USA.

Gewinnmitnahmen drücken die Aktien von Meyer Burger 1,6 Prozent ins Minus. Der Solarzulieferer hatte in den vergangenen Wochen nach der Bekanntgabe von Grossaufträgen stark an Wert gewonnen.

Die Aktien von Comet, Bachem und LEM leiden laut Händlern ebenfalls unter Gewinnmitnahmen.

(Reuters)