Aktien Schweiz - Schweizer Börse: Einmal rauf und wieder runter

Die Schweizer Börse hat am Donnerstag nach der Veröffentlichung der geldpolitischen Beschlüsse der EZB leicht zugelegt, nachgebende Kurse an der Wall Street lösten dann aber Gewinnmitnahmen aus.
20.07.2017 17:40

Der SMI steht bei 9027 Zählern praktisch unverändert zum Vortag. Negativ wirkte sich laut Händlern auch der schwächere Dollar auf die Kurse aus.

Händler sagen, die Europäischen Zentralbank (EZB) habe die Erwartungen auf einen raschen Einstieg in den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik etwas nach hinten verschoben. Für die EZB ist die Zeit noch nicht reif, die Diskussion über Änderungen am Anleihenkaufprogramm solle erst im Herbst geführt werden, sagte EZB-Chef Draghi. "Wir sind noch nicht so weit." Daher wurden auch keine Änderung am Ausblick vorgenommen. Der EZB-Rat hatte zuvor beschlossen, an der Option festzuhalten, den Umfang sowie die Dauer der betriebenen Anleihenkäufe bei Bedarf zu erweitern.

"Wir werden wahrscheinlich bis September nichts Wichtiges von der EZB vernehmen", sagt Patrick O’Donnell von Aberdeen Asset Management. Damit hätten die Anleger genügend Zeit, die jüngsten Äusserungen von  Draghi zu verdauen und er dürfte einen ruhigen Sommer verbringen.

ABB nach Quartalszahlen abgestraft

Unter Druck standen die Aktien von ABB, die 2,8 Prozent einbüssen. Der Elektrokonzern hat im zweiten Quartal wegen höherer Rohstoffpreise und Überkapazitäten einen um 7 Prozent tieferen operativen Gewinn von 1,042 Milliarden Dollar erzielt und 2017 als Übergangsjahr bezeichnet. Händler kritisierten den zurückhaltenden Ausblick. "Einmal mehr - der Markt reagiert enttäuscht auf die ABB-Zahlen", sagt ein Händler. Die ZKB spricht von schwacher Dynamik.

Von Abgaben bleiben auch die Aktien von Givaudan nicht verschont. Ein starkes Gewinnplus sorgte zunächst für satte Kursgewinne. Der Kurs rutschte dann aber wegen zunehmender Verkäufe um 3 Prozent ins Minus. Der Duft- und Aromenhersteller hat mit 384 Millionen Franken 4,5 Prozent mehr verdient als Analysten mit 360 Millionen Franken erwartet hatten. Die Experten sprachen dennoch von einem gemischten Bild.

Die Aktien des Uhrenherstellers Swatch gewinnen 1,1 Prozent. Die Uhrenexporte entwickelten sich im Juni besser als erwartet. "Die negativen Auswirkungen auf den Geschäftsgang sind einem Aufschwung gewichen, der sich auf gewissen Märkten bereits in Form einer deutlichen Erholung abzeichnet", frohlockt der Branchenverband FHS. Die Exporte von Zeitmessern stiegen im Juni nominal um 5,3 und real um 7,1 Prozent. Im Vorjahr waren die Exporte um ein Zehntel geschrumpft. Die Anteile von Rivalin Richemont legen 0,3 Prozent zu.

Leonteq: Wechsel im VR - Aktie geht ab

Deutliche Gewinne verbuchen die Aktien von Leonteq mit 10 Prozent. An der Spitze der Derivatboutique kommt es zu grösseren Änderungen: Verwaltungsratspräsident Pierin Vinzenz tritt zurück und Patrik Gisel, Chef der Raiffeisen Gruppe, verlässt den Verwaltungsrat. An seiner Stelle solle ein anderes Geschäftsleitungsmitglied von Raiffeisen vorgeschlagen werden. Zudem solle das Gremium durch ein weiteres unabhängiges Mitglied ergänzt werden. Im ersten Halbjahr 2017 schrumpfte der Gewinn gegenüber dem Vorjahr zwar um 97 Prozent auf 1,2 Millionen Franken. Leonteq erwartet aber ein günstigeres Marktumfeld im zweiten Halbjahr. Die ZKB stufte ihre Empfehlung auf "Marktgewichten" von "Untergewichten" hoch.

Gefragt waren nach einem besser als erwarteten Ergebnis die Aktien von Temenos. Dagegen lösten die Zwischenberichte von Panalpina und Rieter Gewinnmitnahmen aus und schickten die Titel auf Talfahrt.

Die Anteile der Banken Credit Suisse und UBS stehen 0,4 Prozent höher. Die Versicherungen sind gehalten bis leicht höher. Die Papiere der Pharmakonzerne Novartis und Roche steigen 0,1 und 0,5 Prozent.

Meyer Burger nach Good News gefragt

Der Lebensmittelriese Nestlé schafft es zum Börsenschluss noch knapp ins Plus. Der neue Konzernchef Mark Schneider sieht keine Notwendigkeit für einen raschen Verkauf der Beteiligung am Kosmetikkonzern L'Oreal. Nestlé sei damit ausgesprochen gut gefahren, sagte er dem "Manager Magazin" in einem Interview.

Meyer Burger gewinnen 5 Prozent. Der Solarindustrieausrüster hat eine neue Produktionsplattform lanciert und einen ersten Kunden gewonnen.

(Reuters)