Aktien Schweiz - Schweizer Börse fehlt Kraft für weitere Erholung

Der Schweizer Aktienmarkt hat bis Dienstagmittag ins negative Territorium gedreht und seine Vortagesgewinne fast vollständig preisgegeben.
11.07.2017 13:00

Nach einem ersten zaghaften Anlauf nach oben habe es dann doch an Impulsen gefehlt, um die Bewegung fortzusetzen, heisst es im Handel. An einem an Nachrichten armen Handelstag sind es insbesondere auch die defensiven Schwergewichte, die den hiesigen Markt belasten.

Die Börsen warten bereits auf den Auftritt der US-Notenbankchefin Janet Yellen am Mittwoch vor Vertretern des US-Kongresses. Diese könnte Anhaltspunkte für die erwartete nächste Zinserhöhung liefern. Noch interessanter wären Details zu den Plänen, wie eine Reduktion der durch die Anleihekäufe aufgeblähten Notenbankbilanz ausschauen könnte. Im späteren Wochenverlauf könnten die Quartalsberichte grosser US-Banken wie J.P. Morgan, Morgan Stanley, oder Citigroup neue Akzente setzen.

Der SMI büsst bis Mittag 0,4% auf 8805 Punkte ein. Der 30 Aktien umfassende SLI, in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, sinkt um 0,4% auf 1416 und der breite SPI um 0,4% auf 10'130 Zähler. Von den 30 wichtigsten Titeln stehen 23 Verlierer 7 Gewinnern gegenüber.

Adecco nach Rückstufung im Verkauf

Bewegung in verschiedene Einzelaktien bringen Analystenvoten. So geht es mit Adecco um 1,8% nach unten, nachdem die Deutsche Bank die Aktien des Personaldienstleisters auf "Sell" von "Hold" gesenkt und das Kursziel deutlich reduziert hat. Der zuständige Analyst geht davon aus, dass sich die Personalvermittlungs- und Rekrutierungsmärkte im Laufe des Jahres 2018 verlangsamen dürften.

Auf der anderen Seite verteidigen Clariant ein Plus von 0,5%. Kepler Cheuvreux hat das Kursziel für den Spezialchemiekonzern erhöht und die Kaufempfehlung bestätigt. Zudem zählen die Titel neu zu den "Swiss Top Picks". Clariant bleibe nicht nur durch die Fusion mit Huntsman eine sehr interessante Anlagemöglichkeit, so der zuständige Analyst. Die angepeilten Synergien sieht der Experte als zu niedrig an - allein durch die dann verdoppelte Grösse dürfte hier mehr möglich sein.

Credit Suisse (+0,4%) führen den Bankensektor an mit der Aussicht auf steigende Zinsen. UBS (+0,3%) und Julius Bär (-0,6%) liegen etwas im Hintertreffen. Letztere werden kommenden Montag die Halbjahresbilanz vorlegen. Bereits am Donnerstag wird der Privatmarkt-Manager Partners Group (-0,4%) die verwalteten Vermögen zur Jahresmitte nennen.

Gewinne sind sonst nur noch bei einigen zyklischen Werten wie ABB (+0,1%), Dufry (+0,2%) oder Kühne+Nagel (+0,4%) zu sehen. Grössere Abgaben gibt es etwa bei SGS (-1,0%), Aryzta (-0,8%) oder Givaudan (-0,5%). Letztere hat am Berichtstag eine Ergänzungsakquisition bekanntgegeben. Aber auch in diesem Jahr gut gelaufene Papiere wie Sonova (-1,1%), Sika (-0,4%) oder Lonza (-0,4%) werden verkauft.

Schwergewichte ziehen den SMI nach unten

Die defensiven Schwergewichte Nestlé (-0,5%) oder Novartis (-0,6%) büssen etwas stärker als der Gesamtmarkt ein. Auch Roche (-0,7%) können die frühen Gewinne nicht verteidigen. Der Pharmakonzern hatte am Vorabend an einem Fachkongress sehr gute Daten zu seinem Hämophilie-Mittel Emicizumab vorgelegt. Und die jüngst aufgekommenen Sicherheitsbedenken werden von Analysten negiert.

Am breiten Markt ist eine Reihe von Unternehmen bereits mit vorläufigen Zahlen zum ersten Semester angetreten. So rechnen Energiedienst (+1,2%) und das Messtechnikunternehmen Inficon (+6,5%) mit einem höheren Betriebsgewinn, während beim Online-Reiseanbieter Lastminute.com (-3,4%) die Abwertung des britischen Pfunds auf die Geschäfte gedrückt hat. Unter dem Strich könnte sogar ein Verlust resultieren.

Der Handels- und Dienstleistungskonzern DKSH (+0,8%) wiederum baut seine Marktpräsenz in Indonesien aus und übernimmt eine Mehrheit von 60 bis 65% an der PT Wicaksana mit Sitz in Jakarta. Damit schafft DKSH den Markteintritt für Konsumgüter und Pharma-Produkte in Indonesien.

Beim Börsenneuling Idorsia (-5,8%) haben Jean-Paul und Martine Clozel in den letzten zwei Wochen weiter zugegriffen. Seit dem 4. Juli liegt die Beteiligung des Ehepaars an der Abspaltung der von Johnson & Johnson übernommenen Actelion bei 25,95%.

(AWP)