Aktien Schweiz - Schweizer Börse gibt deutlich nach

Die Schweizer Börse ist im Nachmittagshandel deutlich ins Minus gerutscht. Die Anleger sorgen sich zunehmend um die Entwicklung der Weltwirtschaft und der Zinsen.
10.10.2018 17:45

Der IWF hatte seine Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft gesenkt und vor möglichen Finanzmarkt-Turbulenzen gewarnt. Zudem verunsicherten weiterhin der Handelsstreit der USA mit China, der Budgetstreit Italiens mit der EU und die ungewissen Folgen des Brexit die Anleger.

Der SMI schwächt sich bis Börsenschluss um 0,8 Prozent ab auf 8893 Zähler. Damit nimmt hat der Leitindex, der sich nach mehreren schwachen Vortagen am Vortag stabilisiert hatte, den Abwärtstrend wieder aufgenommen.

Die Marktteilnehmer befürchten, dass Wolken am derzeit noch ungetrübten Konjunkturhimmel aufziehen könnten, nachdem sich neben Prognose-Instituten zuletzt auch zyklische Firmen weniger optimistisch geäussert hatten. "Die Furcht, dass die goldenen Zeiten zu Ende gehen, nimmt zu", sagt ein Börsianer. Vor diesem Hintergrund bevorzugten die Anleger laut Händlern Aktien von als konjunkturresistent geltenden Firmen und kippten dagegen zyklische Werte aus den Depots.

Unter Druck gerieten laut Händlern vor allem Aktien aus der zweiten Reihe. "Es sieht so aus, als ob auf Small- und Mid-Caps spezialisierte Anlagefonds zunehmend Rücknahmen zu verzeichnen haben", sagt ein Händler. Diese verkauften daher Aktien, auf denen sie noch Gewinne hätten. "Der Trend scheint zu drehen", sagt ein Händler. Jahrelang seien Small- und Mid-Caps bevorzugt und Substanzwerte vernachlässigt worden.

Defensive gefragt

Die als defensiv geltenden Pharmawerte Novartis und Roche legen 0,6 und 0,2 Prozent zu. Das dritte Schwergewicht Nestlé ist knapp gehalten. Besser als der Markt halten sich die Assekuranzwerte Swiss Life, Zurich und Helvetia. Swisscom legen 1,3 Prozent zu. Der Telekomwert gilt wegen seines stabilen Geschäftsmodels und einer Dividendenrendite von mehr als 5 Prozent als attraktiver Obligationenersatz.

Die Sorgen um eine Abschwächung der Nachfrage aus China und eine negative Branchenstudie setzen dagegen Luxusgüterwerte unter Druck. Morgan Stanley hat den Sektor auf "Underweight" gesenkt und zieht Substanzwerte Wachstumstiteln vor. Europaweit sacken die Luxusgütertitel ab. Richemont und Swatch büssen 4,0 und 5,4 Prozent ein.

Die Aktien des Bauchemieherstellers Sika, die sich über längere Zeit deutlich besser als der Gesamtmarkt gehalten hatten, fallen um 4,9 Prozent. Die Titel des Elektrokonzerns ABB, der Sanitärfirma Geberit und des Inspektionskonzerns SGS verlieren um 3 Prozent.

Bossard stürzen nach Prognosesenkung ab

Am breiten Markt stürzen die Aktien von Bossard um 13,2 Prozent ab. Die Schraubenhandelsfirma hat die Umsatzprognose für 2018 auf 865 von bisher 880 Millionen Franken gesenkt. Die Anteile der ebenfalls in der Verbindungstechnik aktiven SFS Group fallen 4,5 Prozent.

Die Aktien von VAT sacken 10,3 Prozent ab. Der Hersteller von Vakuumventilen will Kurzarbeit einführen, nachdem sich einige Absatzmärkte, vor allem bei Produktionsanlagen für die Halbleiterindustrie, abgeschwächt haben. Händler befürchten eine Wachstumsabschwächung im Halbleiter-Sektor.

Im Sog von VAT büssen auch andere Technologiewerte wie AMS, Inficon, Logitech oder U-blox deutlich Terrain ein.

GAM von Spekulationen getrieben

Dagegen treiben Übernahmespekulationen die Aktien von GAM um fast 13 Prozent nach oben. Händler sagen, ein Medienbericht, wonach der Assetmanager Gespräche über eine mögliche Übernahme führen soll, habe bei auf fallende Kurse wettenden Marktteilnehmern massive Deckungskäufe ausgelöst. Ein GAM-Sprecher wollte sich zum Bericht nicht äussern. Die Aktie sei gemessen an den von GAM verwalteten Vermögen nach dem Kurseinbruch günstig bewertet, sagt ein zweiter Händler. Die GAM-Aktien waren nach der Suspendierung eines Fondsmanagers massiv eingebrochen.

Die Aktien von Zur Rose legen 2,4 Prozent zu. Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn lässt offen, ob es zu dem im Koalitionsvertrag angestrebten Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln kommt. "Ich verspreche nichts absolut, von dem ich nicht zu 100 Prozent auch rechtlich sicher bin, dass ich es auch halten kann", sagte Spahn am Mittwoch beim Deutschen Apothekertag in München.

(Reuters/cash)