Aktien Schweiz - Schweizer Börse: Roche drückt auf den Gesamtmarkt

Die Erholung am Schweizer Aktienmarkt hat am Freitag nach einem klar freundlichen Start früh an Schwung verloren. Aktuell liegt der Leitindex SMI nur noch leicht im Plus.
20.10.2017 13:00

Wie bereits am Donnerstag lasten starke Abgaben des Schwergewichts Roche auf dem Gesamtmarkt, während Finanztitel und einige Zykliker kräftig zulegen. Vor dem Wochenende stehen aus den USA noch Unternehmenszahlen und Daten zum Immobilienmarkt auf dem Programm, die den Markt bewegen könnten.

Insgesamt sprechen Händler von einer freundlichen Stimmung, die an den Börsen weltweit vorherrsche. Aus den USA stütze der positive Entscheid des Senats zum Haushaltsentwurf den Handel, womit für die von Präsident Donald Trump geplante Steuerreform eine Hürde aus dem Weg geräumt sei. Demgegenüber haben sich die Probleme in Spanien um die Abspaltung Kataloniens verschärft. Am Samstag soll der spanische Senat Zwangsmassnahmen zur "Rückkehr zur verfassungsmässigen Ordnung" beschliessen. Die Zentralregierung könnte so beispielsweise die Macht in Katalonien formell übernehmen.

Der SMI notiert kurz nach Mittag mit 0,2% höher bei 9251 Punkten. Der 30 Aktien umfassende SLI steigt um 0,5% auf 1494 Zähler, und der breite SPI um 0,2% auf 10'568 Punkte. Von den 30 wichtigsten Titeln notieren 24 im Plus und 6 im Minus.

Swiss Re legen trotz hoher Schadensummen zu

Swiss Re haben ihre Spitzenposition unter den Bluechips zwar mittlerweile verloren, legen aber immer noch um 1,0% zu. Der Rückversicherer gab eine vorläufige Schätzung zu den erwarteten Kosten wegen der US-Wirbelstürme und der beiden Erdbeben in Mexiko ab. Die geschätzten rund 3,6 Milliarden Dollar liegen zwar über den Markterwartungen. Gleichzeitig weisen Analysten jedoch daraufhin, dass die grossen Schäden den Weg für Tariferhöhungen freimachen könnten und Swiss Re dank ihrer soliden Bilanz auch für 2017 eine grosszügige Dividende ausschütten dürfte. Uneinigkeit herrscht dagegen darüber, ob im November ein Aktienrückkaufprogramm lanciert wird.

Zurich (Aktie +1,2%) hatte bereits am Donnerstag gemeldet, dass man für die Wirbelsturmkatastrophen (ohne mexikanische Erdbeben) mit einer Belastung in Höhe von 700 Millionen Dollar rechnet. Die Aktie zählte am Vortag im schwachen Börsenumfeld zu den wenigen Gewinnern und kann nun weiter zulegen. Bei der Zurich war man am Markt tendenziell von höheren Schadenskosten ausgegangen. Sowieso könnten künftig die SMI-Assekuranz-Titel dank hoher Dividenden eine führende Rolle einnehmen, so ein Händler. Swiss Life und Bâloise haben sich am Berichtstag mit einem Plus von je 1,2% ebenfalls weit vorne im SMI/SLI eingereiht.

Die grössten Avancen verbuchen derzeit Vifor Pharma (+1,8%), ohne dass es News zum Pharmaunternehmen gibt. Zykliker wie Lafarge-Holcim oder ABB (je +1,4%) sowie auch die Grossbanken UBS (+1,0%) und Credit Suisse (+1,5%) zählen nach den Gewinnmitnahmen vom Donnerstag ebenfalls zu den Gewinnern.

Sonova nach Rückstufung unter Druck

Sonova verlieren hingegen deutliche 0,8% ein, nachdem die Bank Vontobel das Rating auf "Hold" von "Buy" abgestuft hat. Analystin Carla Bänziger glaubt, dass der Hörgeräte-Hersteller etwas von seinem Vorsprung auf die Konkurrenz verliert.

Weiterhin schwach entwickeln sich ausserdem Roche (-0,8%). obwohl die Markterwartungen mit den am Donnerstag vorgelegten Zahlen erfüllt wurden, belastet die Sorge vor einer grösseren Bedrohung durch Biosimilars das Sentiment. Mit HSBC und der Deutschen Bank haben zwei Institute jeweils ihr Kursziel gesenkt. Die Ergebnisse seien im Rahmen der Erwartungen ausgefallen, aber auf Roche kämen wohl einige harte Jahre zu, vermutet der HSBC-Analyst.

Novartis und Nestlé (je +0,1%) bewegen sich derweil kaum vom Fleck. Auch Nestlé wurden am Vortag nach Zahlen verkauft. Hier führten Händler die Abgaben jedoch auf Gewinnmitnahmen zurück. Baader Helvea erhöhte am Freitag das Kursziel leicht, Bryan Garnier nahm eine geringe Senkung vor.

Panalpina weiter unter Beobachtung

Im breiten Markt gewinnen GAM 1,0%. Die Aktien des Vermögensverwalters büssten allerdings am Donnerstag nach einem Zwischenbericht zu den verwalteten Vermögen überdurchschnittlich an Wert ein. Auch Panalpina (-1,7%) bleiben unter Beobachtung. Nach der Zahlenvorlage vom Vortag haben die Analysten der CS das Kursziel erhöht, während Goldman Sachs dieses senkte.

Weiter könnte schon bald eine weitere Gesellschaft am Schweizer Aktienmarkt gehandelt werden. Die in den Bereichen Gebäudetechnik und Gebäudehüllen tätige Poenina-Gruppe plant einen Börsengang.

(AWP)