Aktien Schweiz - Schwergewichte hieven Schweizer Börse auf Zwei-Jahre-Hoch

Die Schweizer Börse ist mit Unterstützung durch den festeren Dollar und Kursgewinnen der Indexschwergewichte mit höheren Kursen in das Schlussquartal gestartet.
02.10.2017 17:45

Der SMI rückt bis Börsenschluss um 0,9 Prozent auf 9242 Punkte vor. Der Leitindex steigt damit auf den höchsten Stand seit August 2015 und knackt den charttechnischen Widerstand um 9200 Zähler. Der breite SPI markiert mit 10'540 Punkten gar ein Rekordhoch. Zum Quartalsanfang sei stets mit frischem Geld an den Märkten zu rechnen, erklärt ein Händler. "Neues Quartal - neues Glück."

Sollte sich der SMI über der seit Monaten geltenden Handelsspanne von 8800 bis 9200 Zähler etablieren können, sei Platz nach oben bis zum Allzeithoch von 9548 Punkten aus dem Jahr 2007. Die Chartexperten der Zürcher Kantonalbank gehen davon aus, dass sich der Aufwärtstrend mittelfristig fortsetzt.

Erfreuliche Konjunkturzahlen aus Europa und den USA untermauerten die Zuversicht der Anleger. Der Industrie in der Euro-Zone ging es im September so gut wie seit über sechseinhalb Jahren nicht mehr. Der Einkaufsmanagerindex kletterte um 0,7 auf 58,1 Punkte. Zudem ging in Europa die Arbeitslosigkeit auf den tiefsten Stand seit 2009 zurück.

Warnung vor zu viel Optimismus

Marktteilnehmer warnen allerdings vor zu viel Optimismus. Die Steuersenkungspläne von US-Präsident Donald Trump, mit denen die positive Stimmung an den Märkten vor allem begründet wird, würden Potenzial für Enttäuschungen bergen, heisst es. Auch sorgte das von massiver Polizeigewalt überschatteten Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien und die schwierigen Koalitionsverhandlungen in Deutschland für Verunsicherung.

In der Schweiz stand Nebenwert Evolva im Mittelpunkt. Der Aktienkurs der auf Nahrungsmittelzusätze spezialisierten Firma bricht nach der Ankündigung einer massiven Kapitalerhöhung um 10 Prozent auf 0,36 Franken ein. Die Firma will brutto etwa 80 Millionen Franken einsammeln und das Geld in die Forschung und Entwicklung investieren. Insgesamt will sich der Verwaltungsrat bei einer ausserordentlichen Generalversammlung die Ausgabe von bis zu 360 Millionen Aktien genehmigen lassen. Würden alle Aktien platziert, entspräche das fast einer Kapitalverdopplung. Das Unternehmen will sich künftig auf drei Produkte konzentrieren, darunter den Süssstoff Stevia, den Evolva gemeinsam mit dem US-Agrarkonzern Cargill im nächsten Jahr auf den Markt bringen will. In vier bis sechs Jahren soll die Gewinnschwelle erreicht werden.

Bei den Standardwerten überwiegen die Gewinner deutlich. Den stärksten Anstieg verbuchen die Titel des Pharma-Schwergewichts Novartis  mit einem Plus von 1,6 Prozent. Rivalin Roche legt 1,3 Prozent zu. Mit Nestlé gewinnt der dritte SMI-Riese 1,5 Prozent an Wert. Die Titel des Pharmazulieferers Lonza  legen ebenfalls um 1,5 Prozent zu.

Wenig Bewegung bei den Bankentiteln

Die Anteile der Grossbank UBS notieren 0,4 Prozent höher, diejenigen von Credit Suisse und Julius Bär um 0,1 Prozent. Die Aktien des Vermögensverwalters Vontobel geben 0,3 Prozent nach. Die meisten Versicherungswerte traten auf der Stelle.

Gefragt waren dagegen Anteile konjunkturzyklischer Firmen. Die Aktien des Elektrotechnikkonzerns ABB steigen um 1 Prozent. Auch die Titel des Chemikalienherstellers Clariant und des Uhrenherstellers Swatch gewinnen an Wert. Die Anteile des Zementproduzenten Lafarge-Holcim verlieren dagegen 1,5 Prozent.

Am breiten Markt setzte Von Roll den Aufwärtstrend vom vergangenen Freitag fort und gewann weitere 7,9 Prozent an Wert. Die Aktien der Schweizerischen Nationalbank (SNB) gewinnen 2,7 Prozent.

Die Anteile von Alpiq sinken um 3,8 Prozent. Der Stromkonzern hat von der rumänischen Steuerbehörde ANAF für die Jahre 2010 bis 2014 eine Steuerrechnung in Höhe von umgerechnet rund 197 Millionen Franken erhalten. Alpiq will den Entscheid anfechten.

Die Aktien von Leclanché waren zunächst vom Handel suspendiert, weil der Hersteller von Energiespeichersystemen den Termin zur Veröffentlichung des Halbjahresberichts verschoben hat. Ihr Kurs büsste nach der Handelswiederaufnahme am Nachmittag 4,3 Prozent ein.

(Reuters/cash)