Aktien Schweiz - Schwergewichte lasten auf dem SMI

Der Schweizer Aktienmarkt notiert am Donnerstagmittag weiter im Minus. Der Leitindex SMI war im Minus gestartet und konnte sich nur kurzfristig wieder an die Marke von 9300 Punkten heranpirschen.
19.10.2017 12:40

Händler sprechen von einer Verschnaufpause nach dem zur Wochenmitte erreichten Jahreshoch. Die grundlegende Stimmung bleibe aufgrund der weiter solide erwarteten Unternehmenszahlen positiv.

Für Irritationen bei den Anlegern sorgt zudem der weiter bestehende Konfrontationskurs zwischen der spanischen Zentralregierung und der Regionalregierung Kataloniens. Auf der Konjunkturseite sorgten die Zahlen aus China für eine verhaltene Reaktion. Die BIP-Zahlen der Volksrepublik waren im dritten Quartal robust ausgefallen. Allerdings belaste der hohe Verschuldungsgrad und die Erwartung, dass sich am Parteikongresses der chinesischen KP keine Reformen abzeichneten, heisst es im Handel. Am Nachmittag stehen aus den USA neben einer Reihe von Unternehmenszahlen auch der Philly Fed Index und die Frühindikatoren auf der Agenda.

Der SMI notiert gegen Mittag 0,5% tiefer bei 9261 Punkten. Der 30 Aktien umfassende SLI verliert 0,6% auf 1488 Zähler, und der breite SPI 0,5% auf 10'579 Punkte. Von den 30 wichtigsten Titeln notieren 24 im Minus, 3 im Plus und 3 unverändert.

Roche und Novartis nach Quartalszahlen im Verkauf

Schwergewicht Roche (GS -0,9%) belastet den Leitindex deutlich. Der Konzern hat im dritten Quartal das Wachstumstempo gehalten und bestätigt den Ausblick für das Gesamtjahr. Die neuen Medikamente Tecentriq, Ocrevus und Alecensa konnten die Erwartungen offenbar erfüllen, während die drei umsatzstärksten Medikamente etwas schlechter abschnitten als erwartet. Zudem hat Bernstein das Kursziel für Roche unabhängig von den Zahlen im Rahmen einer Branchenstudie gesenkt. Das zweite Pharma-Schwergewicht Novartis (-0,1%) zeigt sich demgegenüber nur geringfügig leichter, Vifor Pharma notieren unverändert.

Der Lebensmittelkonzern Nestlé (-0,7%) hat mit einem organischen Wachstum von 2,6% in den ersten neun Monaten leicht stärker zugelegt als erwartet. Die geplanten Effizienzverbesserung sollen schneller umgesetzt werden, was zu höher als geplanten Kosten führen werde. Dies verändere die Ergebniserwartungen jedoch nicht grundlegend, hiess es von Analysten. Insgeheim hätten Anleger wohl noch mehr erwartet und Händler sprechen nach der guten Kursentwicklung der vergangenen Wochen von Gewinnmitnahmen.

Grösster Verlierer unter den Bluechips ist Dufry (-2,0%), die damit an die schwache Entwicklung der Vortage anknüpfen. Auch Julius Bär (-1,9%) hat im Verlauf des Vormittags die Abgaben klar ausgeweitet. Zudem zeigen sich Kühne+Nagel, Clariant (je -1,2%), Lonza (-1,1%) oder Logitech (-0,9%) mit Abgaben.

Die Luxusgüter-Aktien Swatch (-0,7%) und Richemont (-1,0%) können nicht von der weiteren Erholung der Schweizer Uhrenexporte profitieren. Die September-Zahlen hatten bei höherpreisigen mechanischen Uhren eine bessere Entwicklung gezeigt als im niedrigpreisigen Segment.

Zurich trotz grossen Hurrikan-Schadensbelastung gefragt

Zurich (+0,2%) kann mit seiner Einschätzung zu den Sturmschäden offenbar die Anleger beruhigen. Die Assekuranz rechnet mit Schadensforderungen aus den Hurrikanen «Harvey», «Irma» und «Maria» von insgesamt rund 700 Millionen Dollar. Nach Steuern könnte dies zu Belastungen von rund 620 Millionen führen, heisst es. Beim US-Partner Farmers Re wird mit einem Nettoverlust von 17 Millionen Dollar durch die Stürme gerechnet. Es wird jedoch nicht mit einem materiellen Einfluss auf die Kapitalstärke des Konzerns gerechnet. Auch Swiss Re legen um 0,5% zu.

Ins Plus gedreht haben ABB (+0,2%), nachdem der Konzern einen Auftrag für ein britisches AKW im Volumen von 130 Millionen Dollar gemeldet hat.

Am breiten Markt hat Temenos (+1,1%) am Vorabend ein kräftiges Umsatz- und Gewinnwachstum ausgewiesen und die Prognose erhöht. Die Nachfrage nach Bankensoftware bleibe aufgrund der fortschreitenden Regulierung weiter hoch. Im Folge haben Barclays, UBS und Bryan Garnier ihre Kursziele angehoben.

Gewinnmitnahmen bei GAM

GAM (-1,9%) notieren nach einer zunächst positiven Reaktion auf die Zahlen inzwischen deutlich im Minus. Der Vermögensverwalter hat im dritten Quartal klar mehr Neugelder angezogen als erwartet und die verwalteten Vermögen schwollen auch aufgrund der Anlageergebnisse kräftig an.

Der Logistiker Panalpina (-1,0%) konnte zwar den Umsatz steigern, die Ergebnisseite, insbesondere in der Seefracht, hinkt der positiven Entwicklung jedoch hinterher. EBIT und Reingewinn lagen unter den Analysten-Erwartungen.

Auch Inficon (-4,8%) hat die Erwartungen der Analysten nicht erfüllt, obwohl der Umsatz erneut kräftig gesteigert wurde und das Messtechnikunternehmen deutlich mehr verdient hat. Auch hier wurde die Guidance angehoben.

Das Minus bei Dormakaba (-2,2%, -22 Franken) ergibt sich überwiegend aus dem Dividendenabschlag in Höhe von 14 Franken.

(AWP)