Aktien Schweiz - SMI beschleunigt Talfahrt

Nach dem Knick am Vortag setzt der Schweizer Aktienmarkt am Freitag die Talfahrt mit höherem Tempo fort. Beschleuniger sind enttäuschende Konjunkturdaten aus China, Japan und Europa.
14.12.2018 12:35

Diese verdarben den Anlegern die Kauflaune zu Wochenschluss gründlich, womit die Gewinne von dieser Woche alle wieder ausradiert sind. Zudem sei der Optimismus über Fortschritte in den Handelsgesprächen zwischen den USA und China wie so oft schon wieder verflogen, sagt ein Händler.

Und beim Brexit bleibt angesichts des ergebnislosen EU-Gipfels die Angst vor einem Chaos-Austritt Grossbritanniens aus der EU erhalten. "Die politischen Risiken bleiben also und damit sollten sich Investoren auch auf turbulente Vorweihnachtstage an der Börse einstellen", sagt ein Marktteilnehmer. In Europa haben am Freitag die Einkaufsmanagerindizes in Deutschland und Frankreich die Erwartungen der Finanzgemeinde verfehlt. Und die Bundesbank rechnet mit schwächerem Wirtschaftswachstum in Deutschland. Über Nacht hatten bereits schwache Konjunkturdaten aus China für und Japan für schlechte Stimmung gesorgt und die asiatischen Börsen in den Keller geschickt. Am Vortag hatte sich bereits EZB-Chef Mario Draghi weniger zuversichtlich für die Konjunktur im Euroraum geäussert.

Der SMI verliert bis kurz nach Mittag 1,3 Prozent auf 8701 Punkte. Zwischenzeitlich fällt der Leitindex sogar unter die Grenze von 8700 Punkten, nachdem er bereits die Marke von 8800 Zählern durchbrochen hatte. Insgesamt liegt der SMI nun ein halbes Prozent unter dem Schlussstand von letzter Woche. Der 30 Aktien umfassende SLI fällt um 1,3 Prozent auf 1338 Punkte. Der breite SPI taucht um 1,3 Prozent auf 10'166 Punkte. Von den 30 Bluechips im SMI/SLI sind bis auf Swisscom (+0,3%) alle im Minus.

AMS hält wieder einmal die rote Laterne

Die grössten Abgaben zeigen AMS (-6,4%), womit die Erholung der vergangenen Tage wieder vorbei ist. Auf Platz zwei der Verlierer liegen Julius Bär (-3,0 Prozent). Dahinter folgen eine Reihe von konjunktursensitiven Aktien wie Adecco (-2,2%), LafargeHolcim (-2,0%) oder Lonza (-1,9%). Die beiden Luxusgüterhersteller Swatch (-3,0%) und Richemont (-1,8%) werden von den China-Sorgen nach unten gezogen.

In den Abwärtsstrudel geraten auch die beiden Grossbanken Credit Suisse (-1,9%) und UBS (-1,6%). Der Pharmakonzern Roche wird ebenfalls abgestraft (-1,9%). Keine Hilfe ist die Kurszielerhöhung von Merrill Lynch. Roche zeigen sich schon seit Tagen schwächer als die beiden anderen Schwergewichte Nestlé (-1,0%) und Novartis (-0,8%), die unterdurchschnittlich verlieren.

Givaudan geben um 0,6 Prozent nach. Die Verhandlungen über die Akquisition des französischen Unternehmens Albert Vieille verleihen keine Flügel.

Autoneum stürzen Gewinnwarnung ab

Am breiten Markt erlebt Autoneum einen Kurssturz von 26,4 Prozent. Der Autozulieferer hatte am Vorabend wegen der anhaltenden Probleme in Nordamerika eine Gewinnwarnung herausgegeben. Die dortigen Verluste würden auf den Betriebsgewinn (EBIT) schlagen, dessen Marge das Ziel von rund 6 Prozent im Gesamtjahr nicht erreichen dürfte. Das war bereits die zweite Gewinnwarnung von Autoneum innert weniger Monate. Analysten wollen nun ihre Kursziele senken.

Der Fondsanbieter GAM setzt den Kurssturz des Vortages (-21,9%) fort und büsst nochmals 18,5 Prozent ein. Der Ärger der Investoren über die erneute Gewinnwarnung vom Vortag ist noch nicht verflogen, als die Firma einen Milliardenverlust in Aussicht stellte. GAM habe viel Vertrauen verspielt, das nicht so schnell zurückkommen dürfte, erklärte ein Marktteilnehmer.

Santhera knicken um 14,7 Prozent ein. Das Spezialitätenpharmaunternehmen hat eine Kapitalerhöhung mehr schlecht als recht abgeschlossen. Von den ursprünglich geplanten 5 Millionen Aktien wurden am Ende nur gut 3,1 Millionen platziert. Den Bruttoerlös bezifferte Santhera auf 23,5 Millionen Franken.

Auf der anderen Seite springen Meyer Burger um 10,2 Prozent in die Höhe. Der Solarzulieferer hat einen Grossauftrag gewonnen.

(AWP/cash)