Aktien Schweiz - SMI knackt nach Yellen-Rede die 9000er Marke

Die Schweizer Börse hat zur Wochenmitte erfolgreich einen neuen Anlauf auf die 9000er Marke genommen.
12.07.2017 17:40

Nachdem Ausführungen von US-Notenbankchefin Janet Yellen am Nachmittag für kräftigen Schub sorgten, steigt der Leitindex SMI bis Börsenschluss um 1,6 Prozent auf 9016 Punkte, das Tageshoch lag gar bei 9024 Punkten. Bislang war die Woche in Zürich von einem Zickzackkurs geprägt: Am Dienstag hatte das Bluechip-Barometer 0,8 Prozent verloren, nachdem es mit einem deutlichen Plus in die Woche gestartet war.

Yellens Rede vor dem US-Kongress wurde an den Finanzmärkten als Signal für ein vorsichtiges Vorgehen bei Zinserhöhungen gesehen. Die Fed-Chefin sagte laut Redetext, dass die Notenbank damit rechne, dass die Wirtschaftslage weitere behutsame Anhebungen der Leitzinsen erlauben werde. Zudem stellte die Zentralbank in Aussicht, dass sie wahrscheinlich noch dieses Jahr mit dem Abbau ihrer im Zuge der Finanzkrise aufgeblähten Bilanz beginnen werde.

Marktteilnehmer sehen derzeit vor allem die Spekulationen über das weitere Vorgehen der Währungshüter als treibende Faktoren der Märkte. "Wir bewegen uns im Spannungsfeld der Geldpolitik", sagt ein Marktstratege. "Die Investoren sind hin und hergerissen. Es geht sicher nicht friktionslos über die Bühne, wenn die Notenbanken von ihrer ultra-lockeren Geldpolitik abrücken."

Viele Börsen auf Rekordständen

Von der Konjunktur komme Rückenwind für die Aktien, sagt der Marktstratege. Doch viele Börsen bewegten sich auf oder nahe an Rekordständen. Und sollten die Renditen weiter steigen, könnten Anleihen wieder eine Alternative für die Investoren werden. Bis es wirklich soweit sei, müssten die Zinsen aber wohl noch kräftig anziehen. "Momentan sind das immer noch Renditen, die mit der Lupe gesucht werden müssen", sagte er.

Für Gesprächsstoff in der Schweiz sorgt Landis+Gyr. Das Messtechnik-Unternehmen will noch im Juli den Sprung aufs Börsenparkett in Zürich wagen und hat die Spanne für den Ausgabepreis mit 70 bis 82 Franken je Aktie festgelegt. Die Traditionsfirma, die momentan dem angeschlagenen japanischen Technologiekonzern Toshiba und dem staatlich unterstützten Investmentfonds Innovation Network Corp of Japan gehört, wäre damit bis zu 2,4 Milliarden Franken wert. Die Erstnotiz ist für den 21. Juli geplant. Landis+Gyr wäre der fünfte Neuzugang an der SIX in diesem Jahr.

Handelsimpulse waren rar. Bei den Bluechips sorgten die drei Index-Schwergewichte für Schub. Die beiden Pharmawerte Novartis und Roche ziehen mehr als 2 Prozent an. Novartis kann sich nach den Worten von Präsident Jörg Reinhardt auch grössere Zukäufe im niedrigen zweistelligen Milliardenbereich vorstellen. Die Nestlé-Aktien rücken 1,7 Prozent vor. Den drei SMI-Riesen hilft oder schadet ihre Stellung, wenn Investoren in den Schweizer Markt einsteigen oder ihm den Rücken kehren. "Zuletzt gab es ein bisschen eine Absetzbewegung internationaler Investoren", sagt ein Händler.

Zykliker gefragt

Gefragt waren auch konjunkturzyklische Titel, während die Finanzwerte etwas hinterherhinkten. ABB, Lafarge-Holcim und die beiden Luxusgüter-Hersteller Richemont und Swatch gewinnen bis zu 2 Prozent an Wert, der Tagessieger Sika legt gar um 3,2 Prozent zu. Credit Suisse steigen um 0,4 Prozent, während UBS als einziger SMI-Wert um 0,2 Prozent ins Minus rutscht. Auch Versicherungstitel mit Ausnahme von Zurich, die um 1 Prozent stiegen, hinken hinterher.

Am breiten Markt waren Technologiewerte wie AMS, Meyer Burger, Inficon und VAT gefragt und steigen zum Teil mehr als 4 Prozent. Die Logitech-Aktien ziehen 4,2 Prozent an. Der Computerzubehörkonzern kauft die Firma Astro, einen Hersteller von Kopfhörern für Computerspiele, für 85 Millionen Dollar in bar. Im Jahr 2018 werde der Zukauf zum Umsatz beitragen, sich aber wegen Investitionen in die neue Tochter leicht negativ auf den Gewinn auswirken.

Die Vifor-Titel sind um 3,6 Prozent fester. Die Pharmafirma will in drei weiteren Studien die Wirksamkeit des Medikaments Ferinject bei Herzproblemen prüfen.

Die Banque Profil de Gestion gewinnt 2,9 Prozent an Wert. Die Privatbank erzielte nach eigenen Angaben im ersten Halbjahr ein besseres Ergebnis als im Vorjahreszeitraum.

(Reuters)