Aktien Schweiz - SMI mit grösstem Tagesverlust seit zweieinhalb Jahren

Sorgen um eine Eskalation des amerikanisch-chinesischen Handelsdisputs und die US-Wirtschaft haben der Schweizer Börse am Donnerstag den grössten Verlust seit zweieinhalb Jahren eingebrockt.
06.12.2018 18:00

Der SMI stürzt 3,1 Prozent auf 8660 Punkte ab - den tiefsten Stand seit fast sechs Wochen. Bereits in den beiden vergangenen Tagen hatte der Leitindex nachgegeben und diese Woche bislang mehr als 4 Prozent verloren.

Auslöser für die Abgaben war die Festnahme der Finanzchefin des Smartphone-Herstellers Huawei. Das fachte die Sorgen der Investoren vor einer Verschärfung des US-chinesischen Handelsstreits neu an. Hintergrund der Festnahme ist Insidern zufolge der Verdacht auf Verstösse gegen US-Sanktionen. "Wir beobachten einen Vertrauensverlust der Anleger", sagt George Alevrofas, Anlagechef des Zürcher Vermögensverwalters VT Wealth Management. "Sie befürchten, dass die Handelsgespräche zwischen den USA und China scheitern könnten."

Daneben sorgen die Angst vor einer Abschwächung des US-Wachstums, die kommende Woche anstehende wegweisende Abstimmung im britischen Parlament zum Brexit und der Haushaltsstreit der Italiens mit der EU für Nervosität, sagt Alevrofas. Die Unsicherheit spiegelte sich im Angstbarometer der Börse wider: Der Volatilitätsindex schoss 16 Prozent hoch.

Banken als Tagesverlierer

Ganz oben auf den Verkaufszetteln standen Bankaktien. Credit Suisse verlieren 5,8 Prozent an Wert, Julius Bär 5,4 Prozent und UBS 4,9 Prozent. "Die Banken leiden unter den sinkenden Zinsen der vergangenen Tage. Dies belastet letztlich ihre Erträge", sagt VT-Experte Alevrofas.

Kräftig abwärts gings auch mit Versicherungstiteln. Die Zurich-Aktien geben 3,4 Prozent nach. Nach dem Investorentag vom Vortage nahm J.P. Morgan die Empfehlung auf "Neutral" von "Overweight" zurück. Die beiden anderen grossen Branchenvertreter Swiss Life und Swiss Re büssen 2,9 beziehungsweise 3,4 Prozent ein.

Unter die Räder kamen auch konjunktursensitive Werte. Die Anteile von Richemont sinken um 3,2 Prozent und die von Swatch um 3,5 Prozent. Die beiden Luxusgüterunternehmen hängen stark vom chinesischen Markt ab, der unter einen schlechteren Beziehung des Landes zu den USA leiden könnte. Aber auch die Titel des Elektrotechnikkonzerns ABB, des Personaldienstleisters Adecco und des Zementherstellers LafargeHolcim ermässigen sich um deutlich mehr als 3 Prozent.

Besser als der Markt hielten sich die als krisenfest geltenden Indexschwergewichte aus der Pharma- und Nahrungsmittelbranche. Nestlé und Roche verlieren 2,1 beziehungsweise 2,7 Prozent an Wert. Bei Novartis ist das Minus mit 3,3 Prozent dagegen merklich höher.

Tech-Werte mit massiven Verlusten

Am breiten Markt verzeichnen einzelne Technologietitel überdurchschnittliche Einbussen. Die Aktien des Chip- und Sensor-Herstellers AMS und des Solarindustrie-Ausrüsters Meyer Burger sacken jeweils 11 Prozent ab. Die schwächelnden Chipwerte an den asiatischen Märkten hinterliessen auch hierzulande ihre Spuren, erklären Marktteilnehmer.

Vergleichsweise gut hielt sich Schaffner. Die Anteile des Elektrokomponentenherstellers geben 0,4 Prozent nach. Schaffner steigerte den Umsatz im Geschäftsjahr 2017/18 um 13,2 Prozent auf den Rekordwert von 221,5 Millionen Franken und verdiente auch mehr. Die Aktien des Börsenneulings Fundamenta Real Estate rücken sogar 1,7 Prozent vor.

(Reuters/cash)