Aktien SchweizTalfahrt an der Schweizer Börse setzt sich fort

Am Schweizer Aktienmarkt setzt sich die am Donnerstag eingeleitete Talfahrt zu Wochenschluss fort. Der Leitindex SMI verliert am Freitag weiter an Boden und ist dabei unter 8900 Zähler abgerutscht.
18.08.2017 12:55

An der Börse wachsen die Zweifel, ob US-Präsident Donald Trump in der Lage ist, seinen Wirtschaftsplan umzusetzen. Zudem belasten nach dem Anschlag in Barcelona neu entfachte Terrorängste die Anlegerstimmung.

Das Vertrauen der Anleger in Trump scheine allmählich zu schwinden, befürchtet ein Händler. Dessen Politik werde immer mehr zu einer Parodie. So hat der Präsident seine Pläne zur Gründung eines Infrastruktur-Rats mit Konzernchefs aus der Privatwirtschaft offenbar beerdigt. Erst am Vortag waren zwei bestehende Beratergremien abgeschafft worden, in denen Spitzenmanager sich mit Trump zu Wirtschaftsfragen ausgetauscht hatten. Weiter nährt der Terroranschlag in Barcelona die Furcht vor weiteren Anschlägen.

Bis am Mittag verliert der SMI mit 0,9% tiefer bei 8865 Punkten und rutscht damit trotz sehr gutem Wochenauftakt unter das Niveau vom vergangenen Freitag ab. Der 30 Aktien umfassende SLI, in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, verliert 0,9% auf 1414 und der breite SPI 0,9% auf 10'108 Stellen. Von den 30 SMI/SLI-Titel liegen zur Berichtszeit alle im Minus.

Zykliker und Finanztitel geben am meisten nach

Im Bluechips-Segment verzeichnen Zykliker und Finanztitel mit Blick auf die Terror- sowie auf Zinssorgen die grössten Abgaben: So geben Sonova um 1,7% oder Lonza um 1,6% mit am meisten nach. Die Titel des Hörgeräteherstellers hatten am Vortag dank gut aufgenommener Produkt-News noch um knapp 5% zugelegt. UBS büssen 1,0% ein, wogegen sich CS (-0,4%) besser halten. Und die Versicherungspapiere der Bâloise verbilligen sich trotz Kurszielerhöhung durch die Bank Vontobel um 1,2%. Die Basler werden Ende August über das erste Halbjahr berichten.

Bei Geberit (-0,5%) setzt sich die Abwärtsbewegung des Vortages moderat fort. Die Titel des Sanitärkonzerns waren nach enttäuschenden Halbjahreszahlen um beinahe sechs Prozent eingebrochen. In Analystenkreisen teilen sich die Meinungen zum weiteren Kurspotenzial: Im Nachgang an die Zahlenpublikation haben UBS, Baader Helvea und Société Générale ihre Kursziele gesenkt, die CS, Kepler Cheuvreux und die Bank Vontobel erhöhten dagegen das Ziel. Der gestrige Kursrückgang biete eine gute Einstiegsgelegenheit, heisst es etwa bei Vontobel.

Die Schwergewichte Nestlé (-0,8%), Novartis (-1,0%) und Roche (-0,9%) haben sich im Mittelfeld eingereiht. Am Donnerstag kurz vor Börsenschluss hatte die Meldung zu einer Untersuchung der Preise von Multiple Sklerose-Behandlungen in den USA für Unruhe gesorgt. Sowohl Novartis als auch Roche müssen nebst weiterer internationalen Pharmaunternehmen gegenüber US-Politikern die starken Preiserhöhungen erklären.

Nur leichte Abgaben sind nebst der CS auch bei der Namenaktie von Lindt&Sprüngli (-0,3%) zu sehen. Allerdings hatte sich der Titel seit Beginn des dritten Quartals auch stark verbilligt.

Gurit gegen den Trend im Hoch

Im breiten Markt haben mehrere Firmen Geschäftszahlen vorgelegt, wobei die Aktien des Verbundwerkstoffspezialisten Schweiter (-3,9%) nach den News nun unter Gewinnmitnahmen leiden. Schweiter hatte zwar mit dem fortgeführten Geschäft die Verkäufe gesteigert, Analysten zeigen sich aber von der Entwicklung der Profitabilität enttäuscht.

Besser halten sich nach Zahlen Hügli (-0,2%), PSP (-0,3%) oder Mobilezone (-0,7%). Gurit klettern entgegen den Trend um 2,1% in die Höhe. Der Spezialkunststoffhersteller hat im Halbjahr weniger Umsatz erzielt, überzeugte aber mit dem Gewinn.

Straumann (-3,9%) geben einen Teil des starken Kursanstiegs vom Vortag wieder ab. Der Dentalimplantatehersteller hatte mit Halbjahreszahlen und der Bekanntgabe einer Übernahme an der Börse Fantasien geweckt. Am Berichtstag zog Straumann derweil den am Donnerstag nachbörslich angekündigten Verkauf eigener Aktien zurück, da der vom Markt geforderte Preisabschlag zu gross sei.

Kudelski (-4,4%) verbuchen weitere Kurseinbussen nach dem gestrigen Rücksetzer. Der Verschlüsselungsspezialist hatte im ersten Halbjahr einen Verlust erlitten und die Bank Vontobel reduzierte am Berichtstag das Kursziel.

(AWP)