Aktien Schweiz - Tiefroter Wochenstart an der Schweizer Börse

Der Einbruch der grossen US-Technologietitel schwappt zu Wochenbeginn über Asien auch nach Europa und damit auch auf die Schweiz über. Hier haben sich die Abgaben bis zum Mittag ausgeweitet.
12.06.2017 12:45

Der Markt habe sehr nervös auf einen Report von Goldman Sachs zur Überbewertung einzelner Tech-Aktien reagiert, sagt ein Marktbeobachter. Und die Gewinnmitnahmen könnten bis zur Sitzung der US-Notenbank am Mittwoch anhalten.

Die Zinssitzung der amerikanischen Notenbank vom kommenden Mittwoch ist denn auch das Hauptereignis für die Finanzmärkte in der Berichtswoche. Trotz der zuletzt schwachen Arbeitsmarktdaten wird mehrheitlich die nächste Erhöhung der Leitzinsen erwartet. Am Donnerstag folgt die Schweizerische Nationalbank mit ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung.

Der SMI notiert gegen Mittag 0,6% tiefer bei 8797 Punkten. Der 30 Aktien umfassende SLI, in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, sinkt um 0,8% auf 1392 und der breite SPI um 0,7% auf 10'024 Zähler. Von den 30 wichtigsten Titeln notieren 28 im Minus und nur 2 im Plus.

Wenig Unternehmens-News

Am hiesigen, wenig technologielastigen Börsenplatz sind kursbewegende News von Unternehmensseite dünn gesät. Auch die Aktien des Personaldienstleisters Adecco (-1,0%) profitieren diesmal nicht von einem "Macron-Effekt". Bei der Präsidentschaftswahl im April und im Mai hatten die Papiere noch vom Sieg des marktfreundlichen Kandidaten Emmanuel Macron im Schlüsselmarkt Frankreich profitiert. Das Ergebnis der ersten Wahlrunde zur Nationalversammlung sei so erwartet worden und gelte als eingepreist, so der Tenor im Handel.

Wer auf eine Umschichtung von Tech- in Bankenpapiere gesetzt hatte, wie am Freitag in den USA gesehen, wurde enttäuscht. Credit Suisse (-1,5%), Julius Bär (-1,8%) wie auch UBS (-1,2%) liegen inzwischen deutlich im Minus - wie auch der Branchenindex der Banken. Besser schneiden Versicherer wie Swiss Re (+0,3%), Swiss Life (-0,3%) oder Zurich Insurance (-0,4%) ab.

Noch deutlichere Abgaben gehen auf verschiedene Aktien, die in diesem Jahr gut gelaufen waren. So sinken Dufry und Lonza um je 2,7%, Schindler um 1,7% und Geberit um 1,3%. Auch die defensiven Schwergewichte sind vor Abgaben nicht gefeit: Novartis und Nestlé büssen jeweils 0,5% ein.

Roche-Bons auf Erholungskurs

Roche (+0,2%) notieren hingegen fester. Konzernchef Severin Schwan bleibt optimistisch für das Medikament Perjeta. "Wir sind davon überzeugt, dass Perjeta auch bei Brustkrebs im Frühstadium, wo eine Heilung möglich ist, eine wichtige Rolle spielen wird", sagte der CEO der "Sonntagszeitung". Eher enttäuschende Daten aus der Aphinity-Studie zum Medikament Perjeta hatten die Papiere in der Vorwoche um 6,5% sinken lassen.

News gab es von der Partners Group (-1,2%): Bei der Private-Equity-Gesellschaft verändert sich per 1. Juli die Geschäftsleitung. Neu werden David Layton und Juri Jenkner vertreten sein. Mehrere Personen scheiden derweil aus dem Gremium aus und die Funktion des Finanzchefs gibt es künftig nicht mehr.

Die Titel von Sonova (-0,9%) rücken derweil auf Anfang nächste Woche in die Indizes S&P Europe 350 und S&P Euro Plus auf und ersetzen dort Actelion. Die Sonova-Papiere hatten in 2017 mit plus 32% den besten Lauf aller SLI-Aktien.

Aderlass bei den Tech-Aktien

Im breiten Markt zählen Technologiewerte wie Logitech (-4,3%), Temenos (-5,7%) und vor allem der Apple-Zulieferer AMS (-8,6%) zu den grössten Verlierern. Händler verweisen auf die negativen Vorgaben aus New York vom Freitag. In den USA hatte am Freitag ein Medienbericht für Unruhe gesorgt, der Zweifel an der technischen Wettbewerbsfähigkeit des kommenden iPhone 8 von Apple gesät hatte. So soll das Smartphone nicht mit den Datengeschwindigkeiten der Konkurrenzgeräte von Samsung mithalten können.

News gab es von Basilea (-1,5%). Das Pharmaunternehmen hat mit dem amerikanischen Adult Brain Tumor Consortium eine Vereinbarung über eine klinische Studie für den Produktkandidaten BAL101553 abgeschlossen. Bei dem Kandidaten handelt es sich um einen neuartige Tumor-Checkpoint-Controller.

(AWP)