Aktien Schweiz - Türkei-Sorgen vergraulen Schweizer Anleger

Die Anleger an der Schweizer Börse haben zum Wochenschluss den Rückzug angetreten. Politische Unsicherheiten drängten die Investoren aus dem Markt, sagen Händler.
10.08.2018 17:35

Der SMI büsst bis Handelsschluss 1,3 Prozent auf 9031 Punkte ein.

"Zum Handelsstreit der USA mit China und den Spannungen der USA mit Iran und Russland kommt nun noch die Währungskrise in der Türkei hinzu", sagt ein Börsianer. Panikverkäufe liessen die Lira um mehr als 10 Prozent abstürzen, was auch den Euro mit nach unten zog.

Eine schwächelnde Wirtschaft und eine galoppierende Inflation haben in der Türkei eine Währungskrise ausgelöst. Ausserdem kündigte US-Präsident Donald Trump wegen des Streits um die Freilassung des in der Türkei festgesetzten US-Geistlichen Andrew Brunson eine Verdoppelung der Strafzölle auf türkische Aluminium- und Stahlimporte an.

Der Franken dagegen legt deutlich zu. Zum Euro erreichte er den höchsten Stand seit rund einem Jahr. Die Anleger befürchten, dass der erstarkende Franken die Position der inländischen Firmen auf dem Weltmarkt beeinträchtigt, weil er ihre Waren verteuert.

Lonza gegen den Trend gesucht

"Eine Front mehr, an der wir zu kämpfen haben", sagt ein Händler. 19 der 20 SMI-Werte geben nach. Einzig die Aktien des Pharmazulieferers Lonza legen gegen den Trend 0,4 Prozent zu auf 319,70 Franken. Kepler Cheuvreux hob das Kursziel auf 335 von 284 Franken an.

Die stärksten Einbussen verzeichnen die Aktien der Banken: Credit Suisse, UBS und Julius Bär fallen um 2,0 bis 2,4 Prozent. Sie befinden sich damit in bester Gesellschaft mit den europäischen Bankaktien. Händler sagen, der starke Zerfall der türkischen Lira belaste den Sektor. Versicherer büssen gut 1 Prozent ihres Wertes ein.

Unter Druck standen auch Aktien zyklischer Firmen wie von Adecco mit minus 1,8 Prozent. Der Personalvermittler hatte gemäss dem am Vortag veröffentlichten Quartalsbericht etwas an Schwung verloren. Kepler Cheuvreux, Vontobel und Goldman Sachs senkten das Kursziel für den Titel.

Die Anteile des Luxusgüterherstellers Richemont, des Elektrotechnikkonzerns ABB, des Zementproduzenten LafargeHolcim und der Inspektionsfirma SGS büssen ebenfalls mehr als 1 Prozent ein.

Besser schlugen sich die als defensiv eingestuften Pharmawerte Novartis und Roche, deren Anteile um 0,9 und 0,8 Prozent nachgeben. Das dritte Schwergewicht, Lebensmittelriese Nestlé, fällt um 1,5 Prozent.

Aryzta brechen weiter ein

Am breiten Markt stachen die Aktien von Aryzta mit einem Minus von 14,4 Prozent hervor. Bei 8,62 Franken markierte der Titel ein Rekordtief. Die Zürcher Kantonalbank schrieb in einem Kommentar, es bestehe für die Aktionäre die Gefahr eines Totalverlustes. Aber mit einer Kapitalerhöhung um 500 Millionen Euro, dem Verkauf der Beteiligung an Picard und mit Kostensenkungen könnte die Firma Stabilität zurückgewinnen. Die Bank stuft den Titel unverändert mit "Marktgewichten" ein.

Die Aktien von Dätwyler sausen 5,5 Prozent in die Tiefe. Die Industriegruppe hat 2018 den Nettoumsatz um 7,7 Prozent auf 694,1 Millionen Franken und den Gewinn um 17 Prozent auf 62,5 Millionen Franken gesteigert. Für das Gesamtjahr erwartet sie einen Nettoumsatz zwischen 1,35 und 1,4 Milliarden Franken und weiterhin eine EBIT-Marge im Zielband von 12 bis 15 Prozent. Die Zahlen seien schlechter als erwartet. Dätwyler enttäusche vor allem mit der Margenentwicklung, sagt ein Händler.

Die Aktie von Rieter fällt um 5,6 Prozent auf 149,40 Franken. UBS senkte das Kursziel auf 170 von 210 Franken. Händler sorgten sich, dass die Währungskrise der Türkei den Textilmaschinenhersteller negativ beeinflussen könnte. Bei Rieter hiess es, die Türkei sei ein wichtiger Markt. "Rieter ist von der Abschwächung der Lira nicht direkt betroffen, da Rieter nicht in Lira, sondern vorwiegend in Euro und Franken fakturiert", sagte eine Sprecherin.

Die Aktien von Oerlikon sinken um 1,9 Prozent. Oerlikon verkauft ebenfalls Textilmaschinen in die Türkei, erzielt aber weniger als 5 Prozent des Umsatzes in dem Land.

(Reuters/cash)