Aktien Schweiz - Verunsicherte Anleger kehren Schweizer Börse den Rücken

An der Schweizer Börse haben die Anleger am Freitag die Segel gestrichen. "Die Risikoaversion kehrt zurück", erklären die Experten der Credit Suisse.
18.08.2017 17:35

Die Angst vor einer Phase politischer Lähmung in den USA und der Anschlag in Spanien lasteten schwer auf der Stimmung. Vor dem Wochenende gingen die Anleger auf Nummer sicher und strichen ihre Gewinne ein. Die Nervosität zeigt sich auch im Angstbarometer der Börse: Der Volatilitätsindex schiesst um fast einen Fünftel hoch.

Der Bluechip-Index SMI fällt bis Börsenschluss um 0,8 Prozent auf 8874 Punkte und notiert so praktisch auf dem Niveau der Vorwoche.

Händlern zufolge mehren sich die Zweifel, dass US-Präsident Trump seine Konjunkturprogramme umsetzen kann. Die Auflösung zweier Beratergremien und scharfe Kritik von Politikern aus seinem Umfeld schürten Unsicherheiten, ob Trump seine Wahlversprechen zu Steuersenkungen und Infrastrukturprogrammen einhalten könne, sagen Börsianer. "Damit stellt sich die Frage, ob er irgendwas erreichen kann", sagt Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets.

Mit Ausnahme der festeren Credit-Suisse- und Swiss-Life-Aktien büssen die Standardwerte Terrain ein. Allerdings konnten auch andere Finanzwerte ihre anfänglich kräftigen Abschläge zum Teil wettmachen. Julius Bär und UBS liegen noch 0,5 und 0,7 Prozent im Minus. Die Versicherungswerte Swiss Re und Zurich sinken um 0,4 und 0,7 Prozent.

Zykliker im Verkauf

Kräftige Einbussen verzeichnen die Aktien von zyklischen Firmen. Die Anteile der Luxusgüterhersteller Richemont und Swatch verlieren 0,7 und 0,9 Prozent. "Der Anschlag in Barcelona wird dem Tourismus kaum förderlich sein", sagt ein Händler. Gedämpfte Reisetätigkeit bedeute, dass weniger Luxusgüter gekauft werden. Einen erheblichen Teil teurer Uhren, Ledertaschen und edler Garderobe erstehen Touristen. Die Aktien des Duty-free-Shop-Betreibers Dufry geben 1,9 Prozent nach.

Die jüngst gefragten Aktien des Pharmazulieferers Lonza und der Bauchemiefirma Sika verlieren 1,8 und 2,3 Prozent.

Die an sich als krisensicher geltenden Pharma-Schwergewichte Novartis und Roche geben 1,1 und 1,2 Prozent nach. Die Nestlé-Aktien liegen 0,5 Prozent im Minus.

Kaum Auswirkungen hatte die Entscheidung der Börse, im Swiss Leader Index (SLI) die Namenaktien des Edelschokoladeherstellers Lindt & Sprüngli durch die Titel des Computerzubehörherstellers Logitech zu ersetzen. Die Lindt-Aktien sinken um 0,2 Prozent und Logitech verlieren 1,2 Prozent an Wert.

Schweiter flop, Gurit top

Die Titel des Verbundstoffherstellers Schweiter verlieren 4,1 Prozent. Das Halbjahresergebnis verfehlte Erwartungen leicht, heisst es am Markt. Dagegen ziehen die Anteile der Kunststofffirma Gurit nach einem guten aufgenommenen Zwischenbericht 0,2 Prozent an.

Gewinnmitnahmen nach dem Kurssprung am Donnerstag drücken die Aktien des Zahnimplantateherstellers Straumann bei grossen Umsätzen um 3,7 Prozent ins Minus.

Die Aktien von Kudelski setzen die Talfahrt fort und sinken um 4,8 Prozent auf 12,85 Franken. Der Verschlüsselungsspezialist hatte am Vortag für das erste Halbjahr einen Verlust berichtet. Die Bank Vontobel stutzte das Kursziel auf 15,50 von 18 Franken und bekräftigte die Empfehlung "Hold".

(Reuters)