Akzo Nobel kappt Ergebnisprognose - Finanzchefin tritt erkrankt zurück

(Ausführliche Fassung) - Der Spezialchemie- und Farbenkonzern Akzo Nobel kommt nicht zur Ruhe. Das niederländische Unternehmen hat seine Prognose für das operative Ergebnis 2017 gesenkt. Zwar geht Akzo Nobel weiter von einem höheren Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) aus als im Vorjahr, jedoch werde die Steigerung unter den zuvor erwarteten 100 Millionen Euro liegen, teilte der Konzern am Freitag mit. Noch Ende Juli hatte der Hersteller von Dulux-Farben seinen Ausblick trotz eines Gewinnrückgangs im zweiten Quartal bekräftigt. Die Aktie verliert vorbörslich über vier Prozent.
08.09.2017 08:36

Gleichzeitig muss Akzo erneut das Management umbauen: Die Finanzchefin Maëlys Castella tritt aus gesundheitlichen Gründen zurück. Nach ihrer Genesung soll Castella zu Akzo Nobel zurückkehren und einen Posten im Senior Management übernehmen. Bis ein Nachfolger gefunden ist, übernimmt den Angaben zufolge der Controller Hans de Vriese das Finanzressort. Erst Mitte Juli hatte der Vorstandsvorsitzende Ton Büchner wegen einer Erkrankung seinen Posten aufgeben müssen und den Stab an Thierry Vanlancker übergeben.

Der Konzern hat derzeit mit einer Reihe von Problemen zu kämpfen, etwa mit anhaltendem Gegenwind für Schiffslacke und -farben oder Lacken für Korrosionsschutz. Hinzu kämen hohe Rohstoffkosten, zwischenzeitliche Produktions- und Lieferunterbrechungen im dritten Quartal sowie negative Währungseffekte, erläuterte Akzo Nobel. Höhere Verkaufspreise sowie zusätzliche Sparmassnahmen könnten dies nicht vollständig ausgleichen, hiess es. Die Ausgliederung des Spezialchemiegeschäfts liege im Zeitplan und ist für April 2018 vorgesehen. Die Erlöse aus der Abspaltung sollen den Aktionären zufliessen.

Aber auch ansonsten hat der Konzern turbulente Monate hinter sich. Die Niederländer wehrten sich erfolgreich durch milliardenschwere Ausschüttungen und die geplante Abspaltung der Spezialchemie gegen eine Übernahme durch den US-Konzerns PPG Industries, der zuletzt 26,9 Milliarden Euro geboten hatte. In den Übernahmekampf hatte sich zwischenzeitlich auch der umtriebige Investor Paul Singer eingeschaltet, der den Hedgefonds Elliott kontrolliert.

Elliott hält laut früheren Angaben mehr als fünf Prozent an Akzo Nobel. Wäre es nach Singer gegangen, hätte das Unternehmen auf die wiederholten Übernahmeofferten von PPG eingehen sollen. Auch über die geplante Trennung vom Spezialchemiegeschäft hatten sich die Beteiligten zuletzt gestritten. Vor Gericht hatte Elliott versucht, den widerborstigen Akzo-Verwaltungsratschef Antony Burgmans loszuwerden, war damit aber gescheitert. Mit dem Hedgefonds hat Akzo Nobel mittlerweile ein Stillhalteabkommen geschlossen und gewährt ihm dafür zwei Sitze im Aufsichtsrat./nas/oca

(AWP)