Allianz trotzt höheren Schäden - Aktie auf Mehrjahreshoch

(Ausführliche Fassung) - Europas grösster Versicherer Allianz hat höhere Katastrophenschäden zum Jahresstart besser weggesteckt als gedacht. Mit 2,9 Milliarden Euro lag der operative Gewinn im ersten Quartal gut neun Prozent höher als ein Jahr zuvor, wie der Dax-Konzern vor seiner Hauptsammlung am Mittwoch in München mitteilte. Das war deutlich mehr als von Analysten erwartet. Vorstandschef Oliver Bäte sieht den Konzern damit auf Kurs, in diesem Jahr wie geplant einen operativen Gewinn von 10,3 bis 11,3 Milliarden Euro einzufahren.
03.05.2017 09:57

Die Allianz-Aktie reagierte positiv auf die Nachrichten und gehörte mit einem leichten Anstieg in einem eher schwachen Gesamtmarkt zu den besten Standardwerten. Kurz nach Handelsbeginn in Frankfurt gewann sie bis zu 0,45 Prozent an Wert auf 176,90 Euro und erreichte damit den höchsten Stand seit fast zehn Jahren.

Unter dem Strich erzielte die Allianz wie erwartet weniger Gewinn als Anfang 2016. Der Überschuss sackte 15 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro ab. Im Vorjahreszeitraum hatte der Versicherer von einer niedrigen Steuerquote und Aktienverkäufen profitiert. Analysten hatten jedoch mit einem stärkeren Gewinnrückgang gerechnet. Seine Vorjahreszahlen hat der Konzern wegen Veränderungen in der Rechnungslegung etwas nach unten angepasst.

Im ersten Quartal stieg der Umsatz um 2,5 Prozent auf 36,2 Milliarden Euro. Die Gewinne der einzelnen Sparten will die Allianz erst bei der Vorlage des vollständigen Quartalsberichts am 12. Mai veröffentlichen. Während der Konzern in der Lebens- und Krankenversicherung eine höhere Marge im Neugeschäft meldete und in der Vermögensverwaltung das Geld der Anleger zunahm, hatte die Allianz im Schaden- und Unfallgeschäft höhere Belastungen zu schultern.

So blieben von den Prämieneinnahmen im ersten Quartal nach Abzug der Aufwendungen für Schäden, Verwaltung und Vertrieb weniger übrig als im Vorjahreszeitraum. Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote verschlechterte sich von 93,3 auf 95,6 Prozent und rückte damit näher an die kritische 100-Prozent-Marke. Als Ursache führte die Allianz höhere Grossschäden und Schäden durch Naturkatastrophen an.

Details zu den Katastrophenschäden nannte der Konzern nicht. Allerdings hatte etwa Zyklon "Debbie" Ende März in Australien hohe Schäden angerichtet. Der weltweit zweitgrösste Rückversicherer Swiss Re schätzte die versicherten Schäden infolge von Wind, Sturm und Fluten zuletzt auf insgesamt 1,3 Milliarden US-Dollar (1,2 Mrd Euro).

Analyst Philipp Hässler von der Investmentbank Equinet ging zudem davon aus, dass die Allianz eine Neuregelung für Unfallopfer in Grossbritannien teuer zu stehen kam. Durch die neuen Vorgaben stehen Verletzten nach einem Unfall künftig deutlich höhere Summen zu. Diese waren in den bisherigen Kalkulationen der Versicherer nicht berücksichtigt. Hässler erwartete, dass wie schon andere Versicherer auch die Allianz in ihrem britischen Kfz-Geschäft dafür eine Sonderbelastung verbuchen wird./stw/stb/zb

(AWP)