'American Gods' sei Dank: RTL trotzt schwachem TV-Werbemarkt

Die erfolgreiche Fantasy-Serie "American Gods" hat dem Fernsehkonzern RTL im zweiten Quartal die Kasse gefüllt. Das sorgte für neue Zuversicht bei den Aktionären, die sich seit einiger Zeit Sorgen um das branchenweit schwächelnde TV-Werbegeschäft machen. Das im MDax der mittelgrossen deutschen Konzerne notierte RTL-Papier stieg am Mittwochmorgen um dreieinhalb Prozent und konnte sich damit ein Stück weit vom Kursrutsch des Vortages erholen. Der Rivale ProSiebenSat1 hatte über maue Werbeeinnahmen berichtet und damit am Dienstag die Aktien zahlreicher europäischer Medienfirmen auf Talfahrt geschickt.
30.08.2017 11:26

RTL konnte seinen Umsatz von April bis Juni im Vorjahresvergleich um knapp 9 Prozent auf rund 1,6 Milliarden Euro steigern und damit die Analystenerwartungen übertreffen. Wachstumstreiber war nach Angaben des Unternehmens vom Mittwoch vor allem "American Gods", eine in den USA inszenierte Serie der konzerneigenen Produktionsfirma FreemantleMedia. In dieser geht es um einen entlassenen amerikanischen Häftling, der Einblick in eine magische Welt bekommt, in der die alten Götter ihren Bedeutungsverlust angesichts der neuen Götter wie "Internet" und "Fernsehen" nicht hinnehmen wollen und diese bekriegen.

SERIENVERKAUF AN AMAZON PRIME LOHNTE

RTL hatte die aufwendig produzierte Serie an den Streamingdienst Amazon Prime Video verkauft. Der Konzern verzeichnete daraufhin in seiner Produktionssparte einen Umsatzzuwachs um 34,5 Prozent auf 374 Millionen Euro. Im Hauptgeschäftsfeld, dem deutschsprachigen TV- und Radiogeschäft, stiegen die Erlöse um knapp 5 Prozent auf rund 550 Millionen Euro.

Kräftig wachsen konnte RTL auch digital: Hier legte das Geschäft im ersten Halbjahr um rund 47 Prozent auf etwa 390 Millionen Euro zu. Derzeit steuert unter anderem die Bereitstellung der TV-Inhalte auf Online-Plattformen rund 13 Prozent zum Konzernumsatz bei.

PROGNOSE BESTÄTIGT

Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) fiel indes im zweiten Quartal um mehr als 7 Prozent auf 362 Millionen Euro, was RTL mit einer Einmalzahlung bei der französischen Tochtersendergruppe M6 begründete. Ohne diesen Effekt wäre das operative Ergebnis demnach um 4 Prozent gestiegen. Unterm Strich blieb ein Gewinn von 183 Millionen Euro hängen nach 203 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Das Management bestätigte die Prognosen für das laufende Jahr: Demnach soll der Umsatz 2017 moderat um 2,5 bis 5 Prozent steigen und das operative Ergebnis weitgehend stabil bleiben. "Von RTL gab es keine böse Überraschung", sagte ein Börsianer. Die Sendergruppe gehört zu Dreivierteln dem Gütersloher Medienkonzern Bertelsmann.

TV-WERBEMARKT WEITER UNTER DRUCK

Auch wenn die Quartalszahlen besser ausfielen als von Analysten erwartet, wiesen die beiden Unternehmenschefs Bert Habets und Guillaume de Posch auf die Herausforderungen der Branche bei der Fernsehwerbung hin. Die schwierige Entwicklung der TV-Werbemärkte sei "ein deutliches Signal, dass wir die Umsetzung unserer Strategie sogar noch beschleunigen müssen", so Habets und Posch.

Wie die Konkurrenz sucht auch RTL verstärkt nach neuen Wegen, Geld abseits vom TV-Werbegeschäft zu verdienen. Denn viele Zuschauer sind ins Internet abgewandert zu Videoplattformen wie Netflix oder Amazon. Und Unternehmen schalten ihre Werbung auf Youtube.

Deshalb investiert RTL unter anderem kräftig bei der sogenannten Werbetechnologie. Die nun bekanntgegebene Komplettübernahme der Plattform SpotX ist ein weiterer Schritt in den Ausbau dieses Geschäftsfelds. Über SpotX werden Online-Werbeflächen in Echtzeit vermarktet. Nach Angaben des Unternehmens sollen in diesem Bereich weitere Käufe und Partnerschaften folgen./kro/mne/das

(AWP)