Angestellte machen Vorschläge zum Stellenerhalt bei Meyer Burger

(Ausführliche Fassung) - Die Mitarbeitenden des Solarzulieferers Meyer Burger haben im Rahmen der Konsultationsfrist Vorschläge erarbeitet, wie das Unternehmen den drohenden Stellenabbau in Thun zumindest teilweise verhindern könnte. Nun sind Geschäftsleitung und Verwaltungsrat am Zug.
28.11.2017 16:31

Sie werden die von der Mitarbeitervertretung von Meyer Burger in Zusammenarbeit mit dem GAV-Partner "Angestellte Schweiz" erarbeiteten Vorschläge in den nächsten Tagen prüfen. Voraussichtlich in der ersten Hälfte Dezember sollen definitive Entscheide fallen .

Dann sollen auch die Mitarbeitenden und die Öffentlichkeit informiert werden, wie die bernische Volkswirtschaftsdirektion am Dienstag mitteilte.

MÖGLICHST VIELE ARBEITSPLÄTZE ERHALTEN

Das primäre Ziel der im Rahmen der Konsultationsfrist eingereichten Vorschläge ist klar: Am Standort Thun sollen möglichst viele Arbeitsplätze nachhaltig gerettet werden. Kündigungen sollen möglichst vermieden und das Know-how erhalten und gefestigt werden.

Die Angestellten, namentlich solche ab einem Alter von 45 Jahren, sollen bei der Aus- und Weiterbildung unterstützt werden. Mitarbeitende im Alter von 58 Jahren oder jünger sollen Frühpensionierungsangebote erhalten.

Darüber hinaus wurden auch die Eckwerte für sozialverträgliche Massnahmen im Falle von Entlassungen erarbeitet, wie "Angestellte Schweiz" am Dienstag mitteilte.

Anfang November gab das Meyer Burger Management bekannt, die Produktion in der Schweiz zu schliessen und Teile davon nach China zu verlegen. Am Hauptsitz des Solarzulieferers in Thun sind 180 Stellen bedroht. In Thun bleiben sollen unter anderem Forschung, Entwicklung, Verkauf und Marketing.

Im Zusammenhang mit den voraussichtlichen Massenentlassungen in Thun haben Vertreter der Geschäftsleitung, der Mitarbeitenden, der Sozialpartner, die Stadt Thun und das Berner Wirtschaftsamt Beco eine Informationsplattform ins Leben gerufen. Die Plattform hat sich bisher zweimal zum Informationsaustausch getroffen. Ein drittes Treffen soll im Januar stattfinden.

DUNKLE WOLKEN

Die drohende Massenentlassung in Thun kommt nicht ganz unerwartet. Meyer Burger gehört in der Region zu den fünf grössten Arbeitgebern. Der Solarzulieferer erlebte allerdings in den vergangenen Jahren nicht nur eitel Sonnenschein und steckte in den roten Zahlen fest.

Bereits im September 2016 musste Meyer Burger den Abbau von 250 Stellen bekanntgeben, davon rund ein Drittel in der Schweiz, namentlich in Thun. 2016 gelang es, die Verluste einzudämmen, doch die Lage bleib schwierig.

Das Unternehmen gleiste ein Refinanzierungsprogramm auf. Eine neue Führungscrew sollte das Unternehme in die schwarzen Zahlen führen.

Trotz mehr Aufträgen blieb Meyer Burger in der Verlustzone, wie die Halbjahreszahlen Mitte August zeigten. Im Oktober vermeldete Meyer Burger, einen Auftrag von 45 Millionen Franken an Land gezogen zu haben.

(AWP)