Apple lässt mit Geräten sprechen - Bezahldienst auch für Schweiz

(Meldung vom Vorabend mit weiteren Angaben ergänzt)
14.06.2016 06:37

San Francisco (awp/sda/dpa) - Apple setzt bei der Bedienung seiner Geräte künftig viel stärker auf Sprache und zieht so mit Rivalen wie Google und Amazon mit. Alle App-Entwickler werden die sprechende Assistentin Siri in ihre Anwendungen integrieren können. Ausserdem kommt Siri im Herbst schliesslich auch auf Apples Mac-Computer. Der iPhone-Bezahldienst Apple Pay soll bald auf die Schweiz ausgedehnt werden.

Apple öffnet die Tür für eine breitere Nutzung der Spracherkennung auf seinen Geräten. Rivalen wie Google, Microsoft und Amazon haben ebenfalls diesen Weg mit ihren eigenen Sprachsystemen eingeschlagen. Die Vision ist, dass Menschen sich mit Geräten und Diensten auf Basis künstlicher Intelligenz einfach unterhalten können.

Seinen SMS-Ersatz iMessage wertet Apple mit der Möglichkeit auf, mehr Videos und Musik direkt dort abzuspielen, sowie einem einfacheren Umgang mit Emojis und Stickern. Damit soll iMessage stärker den Facebook-Diensten WhatsApp und Messenger Konkurrenz machen.

VERNETZTER HAUSHALT

Im noch jungen Geschäft mit dem vernetzten Haushalt geht Apple in die Offensive. Der iPhone-Konzern stellte am Montag bei der Entwicklerkonferenz WWDC die neue App "Home" vor, über die sich verschiedene kompatible Technik von Lampen bis hin zum Garagentor steuern lässt.

An der Vernetzung von Hausgeräten wird schon lange gearbeitet. Aber die Entwicklung wurde bisher dadurch gebremst, dass Technik verschiedener Anbieter oft nicht miteinander kommunizieren kann und die Bedienung zu komplex ist. Apple könnte mit seiner Plattform diese Hindernisse überwinden.

Auch hier soll Siri zum Einsatz kommen. Rivalen wie Amazon und Google bauen ebenfalls Plattformen zur Vernetzung des Haushalts mit Sprachsteuerung auf.

FOKUS AUF CLOUD-DIENSTE

Apple verstärkt auch den Fokus auf Cloud-Dienste und lässt seine verschiedenen Geräte besser zusammenspielen. So kann sich jetzt ein Mac-Computer automatisch entsperren, wenn ihn ein Nutzer mit einer Computer-Uhr von Apple aufklappt. Text-Passagen, die man auf einem iPhone kopiert, können nahtlos auf einem PC eingefügt werden.

Wenn der Online-Einkauf auf einem Mac über den hauseigenen Dienst Apple Pay bezahlt werden soll, wird die Zahlung statt Passwort oder PIN per Fingerabdruck auf einem angeschlossenen iPhone freigegeben.

Die Musik-App wird runderneuert, um sie übersichtlicher zu machen. Viele Nutzer hatten die vor einem Jahr gestartete App kritisiert. Der Streaming-Musikdienst Apple Music hat inzwischen 15 Millionen zahlenden Abo-Kunden - halb so viele wie Marktführer Spotify.

Ein Jahr nach Google ergänzt Apple seine Foto-App mit einer Funktion zur Erkennung von Gegenständen und Situationen, nach denen dann gezielt gesucht werden kann.

SCHUTZ DER PRIVATSPHÄRE

Im Gegensatz zum Dienst des Internet-Konzerns passiere das alles auf dem Gerät selbst, ohne dass Bilder in der Cloud gespeichert werden müssen, betonte Apple-Manager Craig Federighi in San Francisco. "Bei jeder Funktion denken wir daran, wie wir die Privatsphäre schützen können", versicherte er. Apple erstelle keine Nutzer-Profile und analysiere Daten auf den Geräten selbst.

Der Konzern hatte sich vor Gericht mit FBI und US-Justizministerium angelegt, weil er sich weigerte, Software zum Entsperren des iPhones eines toten Terroristen zu entwickeln.

APPLE PAY AUCH IN DER SCHWEIZ

Die Reichweite des iPhone-Bezahldienstes in Europa wird ausgebaut. Demnächst soll Apple Pay in Frankreich und in der Schweiz starten. Bisher war der Service in Europa in Grossbritannien verfügbar. Zu einem Starttermin in weiteren europäischen Ländern wurden keine Angaben gemacht.

Apple Pay kann man an Kassengeräten nutzen, die für kontaktloses Bezahlen per NFC-Funk ausgestattet sind. Die Industrie rüstet schrittweise alle Terminals damit aus. Als nächsten Schritt will Apple über seinen Service auch bei Online-Einkäufen auf einem Computer bezahlen lassen. Die Zahlung wird dabei statt Passwort oder PIN-Code per Fingerabdruck auf einem verbundenen iPhone bestätigt.

Bei der Apple Watch sollen die Apps schneller starten, bei Kurzmitteilungen werden direkt die Buttons für Antworten angezeigt und es wurde eine Handschrift-Erkennung eingebaut.

FITNESS-DATEN TEILEN

Ausserdem greift Apple den Rivalen Fitbit an, der mit seinen Fitness-Bändern im Geschäft mit tragbarer Technik führt. Man kann jetzt Fitness-Daten mit anderen teilen und die neue App "Breathe" soll für Entspannung mit Atemübungen sorgen.

Die Apple Watch ist laut Schätzungen von Marktforschern aus dem Stand zur Nummer eins bei Computer-Uhren geworden. Allerdings ist sie weit davon entfernt, für Apple ähnlich wichtig zu sein wie iPhone oder iPad und Mac.

Das Betriebssystem der Apple-Computer wird mit der neuen Version "Sierra" im Herbst von OS X in macOS umbenannt - so hiess es bereits früher einmal in den Anfangszeiten.

(AWP)