Arbeitslosenquote im August leicht gestiegen - Trendwende lässt auf sich warten

(Ergänzt um Aussagen aus der Telefonkonferenz)
09.09.2016 09:34

Bern (awp) - Die Zahl der Arbeitslosen in der Schweiz ist im August 2016 gegenüber dem Vormonat leicht gestiegen. Gemäss dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) ist dies keine Überraschung, da gegen Ende des Sommers auch die Jugendarbeitslosigkeit steige. Allgemein lasse die Trendwende am Arbeitsmarkt daher noch auf sich warten. Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit des Seco, gibt sich aber im Hinblick auf die konjunkturelle Entwicklung zuversichtlich, dass die Arbeitslosenquote längerfristig sinkt.

Ende Monat waren laut Mitteilung des Seco vom Freitag 142'858 Arbeitslose bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) eingeschrieben, 3'548 mehr als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote stieg damit um jeweils 0,1 Prozentpunkte auf 3,2%; der saisonbereinigte Wert auf 3,4%. Gegenüber dem Vorjahresmonat erhöhte sich die Zahl der Arbeitslosen um 4,3% bzw. 5'875 Personen, damals hatte die Quote (nicht bereinigt) bei 3,0% gelegen.

"Aktuell sehen wir immer noch keine Trendwende am Arbeitsmarkt", sagte Zürcher am Freitag an einer Telefonkonferenz, "da dieser der Konjunktur üblicherweise drei bis sechs Monate hinterherhinkt, gehen wir aber längerfristig von sinkenden Quoten aus".

JUGENDLICHE IN DER ÜBERGANGSZEIT

Auch der starke Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit bewege sich im üblichen Rahmen, "die Quote ist mit 3,7% im Vergleich zum Vorjahresmonat unverändert", sagt Zürcher dazu und ergänzt, dass rund zwei Fünftel der arbeitslos gemeldeten zwischen 15 und 19 Jahre alt sind, was "einem normalen saisonalen Muster entspricht". Die Jugendarbeitslosigkeit über alle 15- bis 24-Jährigen hinweg erhöhte sich im Berichtsmonat um 20,7% auf 20'640.

Bei den über 50-jährigen sei dafür ein Rückgang um rund 200 Personen feststellbar, die Quote in diesem Alterssegment blieb jedoch laut Zürcher unverändert und auch bei den Langzeitarbeitslosen zeige sich eine Seitwärtsbewegung. Dennoch empfiehlt Zürcher im Falle einer Aussteuerung allen Betroffenen, beim RAV angemeldet zu bleiben, da die meisten in absehbarer Zeit wieder eine Stelle fänden.

ANZAHL AUSGESTEUERTE NIMMT ZU

Im Juni - neuere Zahlen liegen keine vor - wurden so viele Personen ausgesteuert wie seit März 2011 nicht mehr. Damals kam es aufgrund der vierten Revision der Arbeitslosen- und Insolvenzversicherung (AVIG) zu einem Rekordwert an Austeuerungen. Nun haben in der aktuellen Periode 4'064 Personen das Anrecht auf Arbeitslosengeld verloren.

Neben eines Datumseffekts hätte auch die sogenannte technische Aussteuerung von Jugendlichen nach dem Motivationssemester dazu geführt, dass nun neue Höchstwerte verzeichnet werden, so Zürcher. Ausserdem hätten in den letzten Jahren immer mehr Personen vergeblich nach Arbeit gesucht. Für Zürcher bedeute "Aussteuerung aber keine Sackgasse", sagte er. Es habe sich gezeigt, dass Personen den Weg in die Arbeitswelt wieder zurück finden können.

Die Zahl der Personen, die ihr Recht auf Arbeitslosenentschädigung ausgeschöpft hatten, belief sich - ebenfalls im Juni - auf 4'064 (Mai: 3'295). Die Frage, ob dies längerfristig eine Auswirkung auf die Erwerbsquote und -beteiligung habe, verneinte Zürcher, da die Anzahl Fälle zu gering sei, um Auswirkungen auf die allgemeine Erwerbssituation zu haben.

sta/ra

(AWP)